23,6 Kilometer, 1300 Höhenmeter und 34 Hindernisse. Das war der Strongmanrun am Nürburgring. 11 906 Teilnehmer gingen beim härtesten Lauf Deutschlands an den Start. Unter ihnen auch zwei Pareyer.

Genthin l Temperaturen im einstelligen Bereich, Regen und Sturm sowie eine Laufstrecke von 23,6 Kilometern. Das waren wirklich sehr harte Bedingungen für einen der extremsten Läufe. Vor Kurzem fand der achte "Fisherman´s Friend Strongmanrun" am Nürburgring statt. Wieder dabei unter den rund 12 000 Teilnehmern waren Christian Lisztmajer und Martin Wannewitz aus Parey.

Der Strongmanrun ist kein normaler Lauf, sondern ein Langstreckenlauf mit Hindernissen, der jährlich in mehreren europäischen Ländern stattfindet. Das ist nichts für Schwächlinge. Innerhalb von vier Stunden gilt es, zwei Runden um den Nürburgring zu drehen. Natürlich nicht einfach so:

Eine Runde ist 11,8 Kilometer lang und enthält 17 Hindernisse verschiedenster Arten. Sehr gemein ist zum Beispiel der Wassergraben, gefolgt von einem Matschbecken. Weil das noch nicht schwierig genug ist, geht es danach durch Sägespäne.

Auf eine kurze Nacht folgt ein harter Tag

Am Sonnabend ging es für die beiden Starter und ihren Begleiter Tim Sens um 3 Uhr morgens mit dem Auto zum Nürburgring. Der 17-jährige Tim Sens wollte aus einem ganz bestimmten Grund mit nach Rheinland-Pfalz: "Mein Ziel ist es, auch einmal beim Strongman mitzulaufen. Bevor ich meiner Sache ganz sicher bin, wollte ich mir das ansehen." Er konnte sich ein gutes Bild vom härtesten Lauf Deutschlands machen. Mit dem kostenlosen Shuttlebus fuhr er über das Gelände, Christian und Martin immer auf der Spur. Zeitgleich fungierte er auch als "Liveticker" für Familie und Freunde, die zu Hause waren.

Wadenkrampf nach Wasserhindernis

Für Martin und Christian war das Event dann doch etwas anstrengender als für Tim. "Ich kann mich noch sehr gut an die Steigung Eifler Südwand erinnern und an den Mount Buttmore", so Christian Lisztmajer. Den "Mount Buttmore" galt es über drei Überseecontainer, Strohballen und diversen dazwischen hängenden Netzen zu besteigen. Oben angekommen freuten sich vielleicht einige Teilnehmer, dass sie auf der anderen Seite runterrutschen durften - auch wenn der Aufprall auf den Beton unten etwas schmerzhaft war.

Martin Wannewitz hatte mit einem Wasserhindernis zu kämpfen. Bei nicht sehr angenehmen Lufttemperaturen war das Wasser auch nicht wirklich gemütlich. Martins Kommentar: "In dem eiskalten Wasser wurde meine Wade ganz steif". Daraus wurde ein Wadenkrampf. "Ich konnte mich nicht mehr über Wasser halten." Christian bemerkte Martins Problem und zog ihn aus dem Wasser. Zehn Minuten massierte Martin dann erst einmal seine verkrampfte Wade bei den Sanitätern. Dann ging es auch für ihn weiter, jedoch begleiteten ihn die Krämpfe noch während des ganzen Laufs.

Bierkühlanlage als Wärmequelle

Nach nicht einmal drei Stunden erreichten beide das Ziel. Christian legte auf den letzten Metern einen Sprint hin und flitze mit den Armen in der Luft und einen lautem "Jaaa" als 825. über die Linie. Mit 02:39:59 erreichte er seine bisherige Strongman-Bestzeit. 20 Minuten später und auf Platz 2218 überquerte Martin die Ziellinie. Erschöpft und durchgefroren wärmten sich die beiden Finisher (so nennt man die Läufer, die das Ziel erreichen) an der Abluft der Bierkühlanlage.

"Wir sind sehr zurfrieden", fasst Christian die Gemütslage nach dem Lauf zusammen. Martin ergänzt: "Hier waren tausende Menschen am Start. Das war sehr gut organisiert." Dennoch haben die Veranstalter des Fisherman´s Friend Strongmanruns beschlossen, den Lauf künftig an mehreren Orten in Deutschland zu organisieren, um den 27 000 Anmeldungen gerecht zu werden. Am 30. August heißt es dann auch in Ferropolis "Feuer frei!" Die beiden 29-Jährigen wollen auf jeden Fall noch einmal beim Strongman starten. Vielleicht mit Nachwuchsläufer Tim Sens als Verstärkung.