Wenn sich Pferdekinder mit ihren Müttern und Besitzern am 25. Juni in Hohenseeden zur Fohlenschau treffen, werden auch Nicole und Uwe Sturm mit drei Nachwuchspferden dabei sein. Ein Vorabbesuch auf der Koppel:

Genthin l Wald, Wiese und galoppierende Ponys. Ein bisschen wie auf Immenhof. Die Begrüßung übernehmen aber nicht wie im Heimatfilm-Klassiker Dick, Dalli und Oma Jantzen, sondern Nicole und Uwe Sturm. Die Szene spielt auch nicht in Schleswig-Holstein auf Gut Rothensande, dem Drehort von Immenhof, sondern auf einer Koppel im Wald von Genthin. Hier stehen 8 der 15 Ponys der Sturms.

"Der ganz normale Pferdewahnsinn"

"An ein Leben ohne Pferde kann ich mich nicht erinnern", erzählt Nicole Sturm. Schon die Großeltern waren in der Forst aktiv, auch die Eltern hatten immer Pferde auf dem Hof. Mit vier Jahren gab es das erste Shetlandpony. "Ein Fohlen, eingewickelt in eine Decke", erinnert sich die 31-Jährige. Mit sieben Jahren die erste Reitstunde, mit zehn "richtiger" Unterricht in Niegripp und mit zwölf das erste eigene Großpferd. "Kentucky Girl", sagt Nicole. "Mit ihr folgten Reitturniere, Trainingslager und Nachzucht. Der ganz normale Pferdewahnsinn eben."

Geerbt hat sie den Pferdevirus wohl vom Vater, Uwe Sturm, der den Grundstein für die Ponyzucht legte. "Begonnen hat alles mit Georgia", erzählt der 53-Jährige. Eine eingetauschte Araberstute, die Sturm auf der Fohlenschau keinen Preis, sondern den letzten Platz und viel Gelächter einbrachte. Beirren ließ er sich trotzdem nicht.

Etliche Nachkommen zog er aus Georgia. "Sunshine zum Beispiel", sagt Nicole Sturm und zeigt auf eine braune Stute. "Sidney und Scarlett sind Sunshines Töchter", erzählt sie weiter. Mittlerweile hat sich auch Tochter Sturm der Ponyzucht verschrieben. "Jedes Wochenende zum Turnier, das funktionierte irgendwann wegen Abi und Studium nicht mehr, aber ganz ohne Pferde ging es nie."

"Zuchtgemeinschaft Nicole und Uwe Sturm" heißt ihr Hobby nun. Vier Ponys gehören ihr, der Rest dem Vater. "Ponys sind handlicher als Großpferde. Wenn die mal zutreten, wird nicht gleich der ganze Fuß blau", sagt Nicole. Zeitaufwendig sind aber auch die Ponys. "Die Pferde stehen zwar auf der Weide, die muss aber jeden Tag überprüft werden, die Ponys brauchen Futter und auch die Nachzucht entsteht nicht von alleine.

"Bei einem guten Hengst muss man bleiben"

Sturms haben etliche Mutterstuten aus eigener Zucht, jedes Jahr gilt es den passenden Hengst für die Stuten zu finden. "Der muss nicht nur gut aussehen, sondern auch klar im Kopf sein", erklärt Nicole. Will heißen: Gesucht wird ein braver Hengst, der seine Manieren auch vererbt. "Wir verkaufen viele der Fohlen. Die werden später von Kindern geritten. Da ist es wichtig, dass sie nicht zu nervös und ängstlich sind."

Im Züchterlatein heißt das: "Auf keinen Fall zu viel xx-Blut."

Dann lieber Merlin-Blut. Der Schimmelhengst Merlin aus dem Besitz von Christian Quenstedt aus Genthin ist Vater und mittlerweile auch Großvater von vielen Pferden der Sturms. "Bildschön und superbrav war der", schwärmt Nicole Sturm. Ein Rezept von Uwe Sturm: "Wenn du einen richtig guten Hengst gefunden hast, bleibst du dabei, um möglichst viele von seinen Eigenschaften in deiner Nachzucht zu etablieren."

Vielleicht liegt es auch an diesem Rezept, dass Sturm Championatsplaketten sammelt wie kaum ein anderer Züchter im Jerichower Land.

Zum Championat dürfen die besten Fohlen fahren, die Schau in Hohenseeden ist quasi die Qualifikation. Ein Championat ohne ein Ponyfohlen aus dem Stall Sturm gab es in den vergangenen Jahren selten.

Die Preise seien aber nicht das Wichtigste, sagt Nicole. "Viel toller ist, wenn man ein Pony verkauft hat und es Jahre später auf dem Turnier wiedersieht. Wenn es da unter einem Kind tolle Arbeit macht, das ist ein richtig gutes Gefühl."

Zu Reitpferden für Kinder sollen auch Wembley, Sharlien und Sun Flower, drei Fohlen aus dem Jahrgang 2014, heranwachsen. Bis zur Fohlenschau am 25. Juni haben sie noch Zeit auf der Weide zu fressen und zu toben. "Dabei zuzusehen entspannt mich total", sagt Nicole, während Wembley die anderen beiden über die Koppel jagt.

Gute Chancen auf eine vordere Platzierung in Hohenseeden haben alle drei. Ende gut, alles gut. Ein bisschen Immenhof eben.