Etliche richtige Antworten gab es beim Heimaträtsel in der vergangenen Woche. Ein paar Anekdoten zu diesem Genthiner Fleckchen hatten einige Leser zu erzählen.

Genthin l Zu sehen ist die Brandenburger Straße an der Ecke zur Poststraße. Im Fokus des Bildes steht ein Haushaltswarengeschäft, das den Genthinern in lebhafter Erinnerung geblieben ist. Edelgard Schlaffke berichtet beispielsweise: "Da habe ich 1955 den ersten Kinderwagen für meine Tochter gekauft." Außerdem gab es Geschirr und Besteck. "Allerdings aus Aluminium, da musste man ordentlich schrubben."

"Man sah nur noch Paletten."

"Standau - so hießen die Besitzer des Geschäfts", sagt Ruth Hopp am Lesertelefon. Auch sie war Stammkundin in dem Geschäft. Ihr Taschengeld von 50 Pfennig pro Monat sparte sie auf Teller mit Silberstreifen. "Die habe ich noch immer." Und noch mehr ist Hopp aus dem Laden der Standaus geblieben: Ein Puppenwagen inklusive passender Puppe. Nicht irgendeine. Bei Standaus gab es die von Käthe Kruse. "Die waren so teuer", erzählt Ruth Hopp. "Mein Vater hat gespart und dann bekam ich sie tatsächlich."

Das Geschäft von der anderen Seite kennt Annegret Schenk. Die Brettinerin hat dort als Verkäuferin gearbeitet. "Wenn wir Ware bekamen, war auf der Straße kein Durchkommen mehr, die Kurve dort war ja so eng. Man sah nur noch Paletten." Der Laden hätte dann immer für einen halben Tag geschlossen gehabt.

"So ein schönes Bild", sagt Heinz Köppe. "Damals war Genthin eine aufstrebende Stadt. Auf dem Bild sieht man eine richtige Einkaufsmeile." Heute bekäme man in Genthin nicht mehr alles, viele Läden stünden leer. Einkaufen konnte man laut Köppe damals besser. Auch die langen Schlangen hätten ihn nicht gestört. "Da konnte man sich wenigstens mal unterhalten."

Auch Dorlies Lüke aus Genthin erkannte die Straße auf Anhieb. Nicht ohne Grund, hätte sie dort 1972 doch fast einen Unfall gebaut: "Ich fuhr mit meinem Trabant die Brandenburger entlang, da krachte eine Straßenlampe zu Boden. Was für ein Schreck." Die Beleuchtung hätte damals quer über der Straße gehangen. "Das Schiebedach des Trabbis hätte gegen die Lampe sicher nicht viel ausrichten können", sagt Lüke.

Ernst Viets wusste ebenfalls sofort, welche Straße wir suchen. "In dem Geschäft war ich oft, um zum Beispiel Porzellan zu besorgen. Ich war schließlich der Einkäufer in der Familie", sagt der Genthiner lachend.

"Da musste man oft lange anstehen."

Beim Anschauen des Bildes musste Ina Jäger aus Schlagenthin an ihr langersehntes Kaffeeservice denken. Das habe ich bei Standaus bekommen. Da musste man sich oft lange anstellen."

In der Brandenburger gab es allerdings noch mehr als das Haushaltswarengeschäft. Die grüne Kachel zum Beispiel. Von dieser Gaststätte berichtet Günter Müller aus Genthin. "Das Haus war unten grün gekachelt. Daher der Name." Außerdem hätte es in der Straße Sattler, Optiker und Fleischer gegeben.

"Bevor die Brandenburger Straße ihren Namen bekam, hieß sie Bahnhofstraße", sagt Klaus Börner. Ganz früher habe man angenommen, dass Genthin im Mittelalter nur rund um das Rathaus besiedelt war. Falsch, wie sich bei Ausgrabungen herausstellte. An der heutigen Brandenburger Straße fand man zum Beispiel einen Brennofen. "Die mittelalterliche Besiedlung vollzog sich also weiter Richtung Brandenburger Straße, als angenommen", sagt Börner.

Sieger des Heimaträtsels ist in dieser Woche Ernst Viets aus Genthin. Der kleine Preis kann in der Redaktion abgeholt werden. (Brandenburger Straße 55-57, montags bis freitags zwischen 9 und 17 Uhr)

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