Mit einem großen Konzertabend begeisterte der Schwarzmeer Kosakenchor unter der Gesamtleitung von Peter Orloff die Besucher in der Kleinwusterwitzer Schinkelkirche.

Von Mike Fleske

Kleinwusterwitz l Selten ist die Kirche derart bis auf den letzten Platz besetzt. "Ihr Pfarrer würde sich freuen, wenn beim nächsten Gottesdienst auch so viele Besucher da wären", meinte Orloff zu Beginn des Abends. Es sei eine Ehre, in einer vom Baumeister Schinkel erschaffenen Kirche auftreten zu dürfen, fügte der Sänger hinzu. Orloff zog mit seinem Namen sicherlich den ein oder anderen Zuhörer mehr in die Kirche.

Als jüngster Sänger begann er mit 14 Jahren seine Karriere bei den Schwarzmeer-Kosaken. Nach seiner erfolgreichen Schlagerkarriere ist er mittlerweile seit mehr als 20 Jahren der Kopf des Traditionsensembles. Vier Tenöre (Oleg Kulyshov, Georgi Serbesov, Fjodor Kunitsky und Ognian Wladimirow) mit einem unglaublichen Tonumfang, dazu zwei Baritone und ein kraftvoller Bass.

Auf diese gesanglichen Tonumfänge konnte sich Ataman Kosakenführer Orloff stützen. Überstrahlt wurden sie ein ums andere Mal vom Sopran Igor Ishchak, der besonders mit Franz Schuberts "Ave Maria" für Begeisterungsstürme sorgte. Mit besonderem Applaus wurden immer wieder die Bässe von Stefan Wassilew und Stefan Arininsky bedacht, die tiefe Töne in einer schieren Unendlichkeit halten konnten. Aber besonders im Ensemble gediehen die Stimmen aufs Prächtigste. Verdis Gefangenenchor aus der Oper Nabucco ließ den Besuchern wohlige Schauer über den Rücken laufen. Mit den alten russischen, georgischen und ukrainischen Volksweisen zelebrierte das Ensemble den ganzen Klang der osteuropäischen Seele.

Mal melancholisch verträumt, mal ausgelassen heiter und fröhlich. Die russische Original-Variante des bekannten Pop-Hits "Those were the days" (Dorogoi dlinnoyu) ließ besonders den Funken überspringen. Aber auch die große ukrainische Hymne "Ich bete an die Macht der Liebe" und die "Ballade des Stenka Rasin" wurden auf eine Weise präsentiert, wie sie heute selten zu hören sind. Peter Orloff führte mit erläuternden Worten durch das Programm, reihte sich gesanglich in das Ensemble ein, um dann und wann mit solistischen Akzenten das Publikum zu begeistern.

Zwischendurch würzten mitreißende Instrumentalstücke das Konzert, Ilya Kurtev brillierte mit seinem Akkordeon (Bajan), Stefan Kripakov gab an der Bassbalalaika mit wallender Mähne den Rockstar und Irina Kripakova zeigte an der oft sehnsuchtsvoll klingenden Mandoline (Domra) ihr Können. Erst als Zugabe gab es den Gassenhauer "Kalinka".

Mit dem Abendlied von Johannes Brahms beschlossen die Schwarzmeer-Kosaken den Abend unter großem Beifall. "So viele Besucher hatten wir in der Kirche noch nie", stellte Heike Staschull, Vorsitzende des Fördervereins der Schinkelkirche, fest. Es sei eine Möglichkeit, die Kirche in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Die Besucher nahmen beste Erinnerungen mit. "Das waren enorme Stimmen, ein fantastisches Konzert", lobte Besucherin Doris Behrend aus Zabakuck. Für Eileen Besser aus Schönebeck war es ebenfalls ein besonderer Abend, wurde sie doch in das Ensemble zu einem Tänzchen geholt. "Das war rein zufällig, weil ich günstig am Rand saß", lachte sie nach ihrem gekonnten Auftritt.