Tucheim l Zu einem Kurzbesuch weilte der Minister für Landwirtschaft und Umwelt, Hermann Onko Aeikens, am vergangenen Donnerstag in Tucheim. Auf dem Programm standen der Besuch der Agrargenossenschaft Tucheim und die Teilnahme an einer Gesprächsrunde mit Landwirten zum Thema "Landwirtschaft und Naturschutz", auf Einladung des Kreisbauernverbandes, in der Gaststätte "Zum Fiener".

Sören Rawolle, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft, informierte den Minister über das aktuelle Geschehen in der Agrargenossenschaft, die derzeit 54 Mitarbeiter zählt. Sören Rawolle zeigte seinen Gästen Hermann Onko Aeikens, Markus Kurze, Edmund Herrmann und Lutz-Georg Berkling den neuen Milchviehstall, der gestern auch der Bevölkerung für eine Besichtigung offen stand.

Bei einem Vor-Ort-Termin im Fiener machte der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft den Minister auf die Problematik der Zusammenarbeit zwischen den Landwirten und dem Förderverein Großtrappenschutz aufmerksam. So sei durch den Förderverein ohne Rücksprache mit der Agrargenossenschaft ein Schild zur Großtrappe aufgestellt worden. "Wir stehen zur Trappe. Wir wollen sie auch, aber mit einer echten Zusammenarbeit. Diese gibt es derzeit aber nicht",beklagte Sören Rawolle. Es müsse entsprechende "Spielregeln" geben, zum Beispiel einen Ausgleich für nicht bewirtschaftete Fläche. Die Agrargenossenschaft Tucheim ist mit rund 3000 Hektar betroffen. "Wir müssen versuchen, einen Konsens zu finden", hielt der Minister dagegen. Laut Edmund Herrmann vom Kreisbauernverband Jerichower Land liege die Verantwortung beim Landkreis, "ist aber nicht ,oben` angesiedelt".

Neue EU-Förderperiode sichert die Grundsubstanz

Am Abend waren dann einige Landwirte aus der Region der Einladung zu einer Gesprächsrunde mit dem Minister gefolgt. Dieser zeigte sich nach dem Besuch der Zirkusveranstaltung der Grundschule Tucheim erfreut darüber, dass "Schule und Kita gut ausgelastet sind. Das hat nicht jede Region". Er informierte darüber, dass mit der neuen EU-Förderperiode die Grundsubstanz des Systems gesichert werden könne. "Wir werden annähernd so viel Geld haben wie bisher."

Für den Breitband-Ausbau stehen 70 Millionen Euro zur Verfügung. Aeikens: "Ich bin heute wieder durch Gebiete gefahren, wo ich keinen Empfang hatte."

Auch für den Hochwasserschutz wurden die Mittel deutlich erhöht. Damit sollen viele Deichbauprojekte bis 2020 realisiert werden.

Bezüglich der Landwirtschaft meinte der Minister: "Wir werden um unsere Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt beneidet." Aber jeder Landwirt sei auch ein Botschafter seines Berufsstandes. Konflikte gebe es zuweilen zwischen der Landwirtschaft und dem Umweltschutz. Die Vorgaben dazu kämen aber aus Brüssel.

Durch die gesamte Diskussion zog sich wie ein roter Faden die mangelnde Kommunikation zwischen Landwirten und Verwaltung/EU/Ministerien. Dies sei so bei dem geplanten Landschaftsschutzgebiet "Vorfläming und Fiener", bei Schutzgebietsausweisungen und Biotopen oder bei Antibiotika in der Tierhaltung der Fall gewesen.

Fachkompetenzen gehören zusammen

Das Landschaftsschutzgebiet, so Edmund Herrmann, sei nun wegen Präzisierung bis Ende September zu den Akten gelegt. Ziel sei es, dass es eine Verordnung im Einvernehmen mit den Landwirten gibt. "Der Landkreis tut gut daran, erst mal die Grundsatzentscheidung abzuwarten", machte Aeikens deutlich.

Auf Veranstaltungen mit dem Landkreis, so Sören Rawolle, werde nur gesprochen. Es gibt keine Protokolle und es werden keine Verantwortlichkeiten festgelegt. "Die Fachkompetenzen von Landwirtschaft und Umweltschutz müssten zusammenfließen." Gerhard Flügge aus Hohenseeden mahnte an, dass FFOG für die Bevölkerung publiker zu machen.

Sören Rawolle regte an, die Ausbildung von Fachkräften umzustellen, denn "wir bekommen auch in Zukunft keine besseren Schüler". Auch an die Fachkräfteentwicklung von "Rückkehrern" müsse gedacht werden. Einige beginnen erst mit 25 Jahren eine Ausbildung.

Für Lutz-Georg Berkling ist es sinnvoll und zwingend erforderlich, im Landkreis eine Stabsstelle als direkten Ansprechpartner für Firmen und Unternehmen, auch für die Landwirtschaft, zu installieren. Und Genthins Bürgermeister Thomas Barz machte deutlich, dass "es Ihnen (den Landwirten) möglich sein muss, Ihre Arbeit auszuführen, ohne dass sie dabei behindert werden".