Jerichow l "Ach, was haben wir schon gelacht!", berichten einige Besucher der Theater-Comedy des "gat", als sie während der Pause draußen vorm Malzkellersaal des Klosters Jerichow ein wenig Luft schnappen und versuchen, ihr Zwerchfell etwas zu entspannen, damit es bereit ist für die nächste "Runde". Denn dann würde unter anderem noch das "Taxi-Chaos" dran sein, das dem Programm den Namen gab.

"Taxi-Chaos und andere Lieblosigkeiten" hatte zum Valentinstag Premiere im Genthiner Lindenhof. Nun kam das Genthiner Amateurtheater mit diesem Programm nach Jerichow. Hatte es in Genthin noch mächtig Lampenfieber gegeben, so war die Atmosphäre diesmal recht entspannt. Darsteller und Publikum waren gleichermaßen gut drauf.

Nach all den "Lieblosigkeiten" im ersten Teil und der kleinen Erholung in der Pause hatten die Zuhörer dann eine Tagung des "Seniorenrats" zu ertragen, geleitet von gat-Chef Eckhard Neumann persönlich. Im ersten Diskussionsbeitrag erklärte "Gustav Altermann" alias Jürgen Wapniarz den Anwesenden, warum er sich nicht ins Seniorenheim abschieben lässt, sondern statt dessen einen Dauerplatz auf der "Aida" bucht - ein kräftiger Hieb gegen explodierende Pflegekosten, dazu der Vergleich mit dem Rundum-Service auf dem Luxusschiff, natürlich ordentlich zugespitzt und unterm Strich einfach köstlich.

Noch eins drauf setzte "Anna Anders" alias Elke Hinze mit dem Vorschlag, man sollte seinen Lebenslauf besser mit dem Ableben beginnen: "...du gräbst dich ans Licht..." Dann gehts rückwärts vom Renten- zum Arbeitsalter, am wird immer rüstiger statt hinfälliger, geht schließlich zur Uni und hat dort genug Geld, um das Studentenleben richtig zu genießen. Und so weiter.

Nach Alfred Janskys Hohelied auf die spendable alte Tante stimmten Manfred Göbel und Christiane Schwarz mit dem Lied "Im Wagen vor mir fährt ein hübsches Mädchen ..." auf das "Taxi-Chaos" ein. Doch während in dem Lied nur dem Mädchen des Missverständnisses wegen etwas unwohl ist, entwickelt sich die Taxi-Fahrt zum Horror-Trip für alle. Der Einakter von Thorsten Böhner hat es in sich: Die verschiedensten Typen prallen im wahrsten Sinne des Wortes aufeinander, denn zum Schluss sitzen sechs Personen eng zusammengepfercht im Auto, und der Fahrer (köstlich: Manfred Göbel) fährt wie ein Henker, was von den Akteuren durch entsprechende Körperbewegungen und gelegentliche Angstschreie imitiert wird. Hier ist in geballter Ladung zusammengepackt und noch kräftig zugespitzt, was Taxifahrer und Fahrgäste so alles erleben können. Nein, so extrem sollte es im wahren Leben wirklich nicht werden ...