Genthin l Deutschland ist im Fußballfieber. Genau wie vor 40 Jahren. Damals gab es in der Region aber noch eine Besonderheit zu feiern. Im Juni 1974 stiegen die Männer von Chemie Genthin in die Bezirksliga, die damals höchste Spielklasse des Bezirkes Magdeburg, auf.

Die Mannschaft hatte sich zuvor in den Aufstiegsspielen bestens präsentiert, so dass im letzten Spiel gegen Post Magdeburg ein 1:1 als Ergebnis reichte, um den Erfolg perfekt zu machen. 40 Jahre nach dem größten Triumph in der Vereinsgeschichte trafen sich 40 Ehemalige in der Gaststätte Bullenwinkel, um den Jahrestag des großen Erfolges zu feiern. "Es war eine große Leistung", macht Chemie-Urgestein Wulf Thomas deutlich. "Zu DDR-Zeiten gab es die Oberliga, die DDR-Liga und dann kam schon die Bezirksliga."

Stimmung kam auf, als ein Volksstimme-Beitrag vom Juli 1974 herumgereicht wurde, in dem der Mannschaft der symbolische "Blumenstrauß der Woche" überreicht wurde. "In den 34 Punkt- und Aufstiegsspielen des Spieljahres 1973/74 reifte ein Kollektiv heran, das hauptsächlich mit spielerischen Mitteln den Erfolg suchte, den kämpferischen Einsatz in kritischen Phasen aber nicht vermissen ließ", wurde den Spielern in dem Text bescheinigt.

"So war`s ja auch", meinten einige der Anwesenden und mussten doch darüber lachen, wie die "besondere Ehrung der Mannschaft durch den Vorsitzenden des Kreisvorstandes des FDGB Genthins" in dem Beitrag beschrieben wurde.

Die ehemaligen Fußballer erinnerten sich auch lebhaft an die Reisen zu den Spielen. "Heute fahren die Spieler in Bussen oder Vans zu den Partien", sagt der damalige Spieler Jochen Schmälzlein.

"Damals waren auf der Ladefläche eines Lkw Bänke aufgestellt auf denen wir Platz nahmen." Der Transporter zockelte mit Tempo 60 durch die Landschaft und brachte die Mannschaft an die Spielorte. Die Männer vertrieben sich die oft stundenlangen Fahrten derweil mit Gesängen.

"Da war es auch egal, ob wir gewonnen oder verloren hatten, wir haben immer gesungen", bestätigt Harald Wüst. Auch bei ihrer Jubiläumsfeier entpuppten sich die Fußballer wieder als sehr sangesfreudig und schmetterten dank Akkordeonspieler Herwig Werner nochmal die gut 20 Fußball-Lieder aus längst vergangenen Zeiten. Erstaunlich war dabei, wie textsicher die jetzt 60 bis 80-Jährigen nach all den Jahren noch waren.

Mit dem Versprechen auf ein Wiedersehen gingen sie auseinander und das Lied "Da wo man Fußball spielt und ein Tor erzielt, da ist es herrlich, herrlich auf der Welt" wird dann sicherlich aus drei Dutzend Männerkehlen erklingen.