Parchen l Der Landkreis war stets bemüht. Das ist die zentrale These einer Erklärung, die Pressesprecher Henry Liebe am Dienstagabend verschickte.

Thema der Erklärung? Die Fusion der Förderschulen "Astrid Lindgren" in Burg und "Albrecht Dürer" in Parchen.

"Dem Landkreis wird unterstellt, er hätte die Möglichkeiten, die beschleunigte Umsetzung zu blockieren, nicht ausgeschöpft", schreibt Liebe. Und lässt dann eine Aufzählung an "Bemühungen eine Ausnahmeregelung für das kommende Schuljahr zu erreichen" folgen.

Zur Erklärung: Das Landesschulamt will die Fusion in diesem Sommer, der Landkreis plädierte für ein Jahr Aufschub. Bis zum 4. Juni jedenfalls. Da zog Lother Finzelberg den Widerspruch gegen die Entscheidung des Schulamtes in der Sitzung des Kreistages zurück. Anders als die Mitglieder von Bildungsausschuss und Kreistag es gefordert hatten.

Nun aber zu den Bemühungen des Landkreises. Henry Liebe zählt auf: Die Parchener Schule unterschreitet die geforderte Mindestschülerzahl von 90. Sie sei daher nicht bestandsfähig und hätte geschlossen werden müssen. Um das zu vermeiden, hätte der Landkreis beschlossen, die Förderschule mit Ausgleichsklassen in Burg mit der Förderschule für Lernbehinderte in Parchen zusammenzuführen. Das Problem: In Parchen werden lernbehinderte Schüler unterrichtet, in Burg verhaltensauffällige. "Zwei Gruppen, die überhaupt nicht zusammenpassen", sagt Pädagoge Lutz Nitz auf Volksstimme-Anfrage.

Weil die Fusion schwierig scheint und keine Erfahrungswerte im gemeinsamen Unterricht von L- und V-Schülern vorliegen, beantragte der Landkreis die Bildung einer Außenstelle in Burg für ein Schuljahr. Das hätte den Schulen ein Jahr Zeit verschafft, die Fusion vorzubereiten. Das Landesschulamt lehnte dies ab. Dagegen legte der Landkreis Beschwerde ein. Die Argumente, die die Kreistagsmitglieder zum Widerspruch veranlassten, sind im Infokasten aufgeführt.

Die Beschulung, so das Amt, der unterschiedlichen Schülergruppen sollte weitestgehend getrennt voneinander erfolgen. Dies hätte umfangreiche Baumaßnahmen bedeutet, worauf der Landkreis seinen Widerspruch stützte. Verantwortlich für das Gebäude ist der Landkreis, für Schulinhalte ist das Landesschulamt verantwortlich.

Ein Konzept aus Magdeburg, wie die Schüler künftig unterrichtet werden, liegt noch nicht vor. Nur so viel: "Inzwischen beabsichtigt das Land eine eher integrierende Beschulung" der beiden Gruppen. Das hat zwar den Nachteil, dass die L-Schüler auf einen Großteil ihrer Gewohnheiten in Zukunft werden verzichten müssen (frei zugängliche Räume, Toiletten, Fenster...), bietet aber auch den Vorteil, dass nicht so viel umgebaut werden muss.

Ein Argument, was Finzelberg überzeugt zu haben scheint: "Mithin mangelt es an einer tragfähigen Begründung und damit auch realistischer Erfolgsaussicht, um mit Rechtsmitteln die Fusion zu verzögern", heißt es in der Erklärung von Henry Liebe.

"Folgerichtig" hätte Finzelberg entschieden, die ihm vom Kreistag gegebene Ermächtigung, gegen die Anordnung des Landesschulamtes vorzugehen, zu ignorieren. Stattdessen hat er den "unverzüglichen Beginn der Baumaßnahmen veranlasst".