Genthin l Miteinander und Füreinander da sein. So die Mission der sieben Brettiner Sekundarschüler, die seit März alle 14 Tage im Johanniterhaus Genthin-Wald vorbei schauen. Jeder der Neuntklässler kümmert sich um einen der Bewohner. Mit den Monaten sind daraus teils ganz persönliche Patenschaften geworden.

Malen, miteinander Rätseln, Vorlesen, spazieren gehen oder - wie heute- gemeinsam einen Obstsalat aus frischen Zutaten schnippeln.

"Darf ich das alles alleine aufessen?", fragt Johanniterbewohnerin Martha Köppe ihre junge Patin Lisa Rente, nachdem ihre Schüssel gut gefüllt mit frischem Obst vor ihr platziert wird. Lisa selbst ist von der Physalis im Salat nicht begeistert: "Die schmecken mir nicht", entgegnet sie der Seniorin bei der Plauderei am Esstisch.

Am anderen Ende der Tafel sitzt der Älteste der Runde. Herbert Tappe ist im 92. Lebensjahr. Er ermuntert Sekundarschüler Chris Klinkowski Apfel-, Bananen- und Birnenstücke zu vertilgen. "Na denn hau mal rein." 76 Jahre trennen die Beiden. "Er hat mir schon viel über seine Vergangenheit erzählt", so der 15-jährige Sekundarschüler. Er selbst kann sich nur schlecht vorstellen, wie es zu Kriegszeiten gewesen sein muss. Aber auch aktuelle Themen sind am Tisch präsent. So diskutieren die jungen Männer über die neuesten Trends bei Smartphones.

Einander zuhören und voneinander lernen

"Mit den Patenschaften kann man den Jugendlichen die Erfahrungen des Alters nahe bringen", erläutert Streetworkerin Petra Schiele, die den Kontakt zwischen Schule und Johanniterhaus herstellte. Im Johanniterhaus geht es ruhig zu. Es ist Zeit, um einander zuzuhören. "Es ist eine angenehme Atmosphäre, da hier das Zuhören nicht eingefordert wird, wie es in der Schule zum Lernen notwendig ist." Für die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Schule und Johanniterhaus wurden bewusst ältere Menschen ausgesucht, die nicht so oft Besuch bekommen oder kaum noch familiäre Verbindungen haben.

Mit vor Ort ist auch Schulsozialarbeiterin Ines Blachney. "Es ist ein freiwilliges Angebot für die Schüler und für beide Parteien sehr interessant", sagt sie.

Voneinander lernen konnten in den vergangenen vier Monaten auch das Patenpaar Schüler Chris Borgmann und der ehemalige Genthiner Fahrradhändler Rolf Schultz. Der Neuntklässler reparierte unter fachmännischer Anleitung des Senioren erfolgreich einen Drahtesel.

Zwei Hochbeete im Garten von Genthin-Wald zeigen, dass einige der Senioren und ihre Sekundarpaten ein Händchen für das Schöne haben. Interessen und Wünsche einander erzählen, sich respektieren und dem ungleichen Gegenüber Einblick in die jeweilige Welt geben. All das ist im Projekt bisher sehr gut gelungen.

Dabei haben die Sekundarschüler auch die Chance, in den Beruf des Altenpflegers zu schnuppern. Manch einer stellt dabei fest, dass er sich nicht vorstellen kann, einmal in diese Richtung zu gehen. "Der Beruf ist nichts für mich. Ich möchte lieber im Bereich Metallbau arbeiten", sagt Jean-Claude Przychodni. Dies ist eine wichtige Entwicklung im Hinblick auf die berufliche Zukunft der jungen Menschen.

Gegen 11 Uhr reisen die Schüler wieder in Richtung Brettin. In zwei Wochen werden sie das vorerst letzte Mal in Genthin-Wald zu Gast sein. "Da könnt ihr euch schon mal was zum Abschied überlegen", regt Streetworkerin Schiele an. Einige der Sekundarschüler werden vielleicht im nächsten Schuljahr wiederkommen, andere machen ihren Hauptschulabschluss und verlassen die Schule bald.

In Zukunft könnten die Paten jünger werden

"Vielleicht können wir das Projekt in Zukunft auch mit jüngeren Schülern starten", so eine der Überlegungen von Schulsozialarbeiterin Blachney für die Projekt-Fortsetzung. Dann müssen sich die Generationspaare in Zukunft auch nicht schon nach ein paar Treffen voneinander verabschieden.

Bilder