Eine Aktion der Gewerkschaft Verdi am Krankenhaus Burg gab es gestern Mittag mit 40 Mitarbeitern. Grund sind mehrere Entlassungen durch Klinik-Betreiber Helios. Betroffen sind bisher 18 Mitarbeiter.

Burg/Gommern/Zerbst l "Wir streiken nicht!" Thomas Mühlenberg spricht per Megafon zu den knapp 40 Mitarbeitern des Burger Krankenhauses. Der Verdi-Gewerkschaftssekretär bezeichnet die Zusammenkunft im Eingangsbereich an der Schranke als "aktive Mittagspause". Erst im Anschluss setzt der Regen ein - doch das Wetter spiegelt die Stimmung unter den Mitarbeitern wider: Mies!

In weißem Kittel und blauer Strickjacke steht Karina Augustiniak unter den Zuhörern. Die Schermenerin hat einst Medizinisch-Technische Assistentin gelernt, arbeitet seit 24 Jahren im Hause, seit 18 Jahren in der Apotheke - und jetzt das!

Am Freitag hat sie ihre Kündigung bekommen. Dazu ein Angebot, die gleiche Arbeit für einen neuen Dienstleister zu erledigen, allerdings für rund 30 Prozent weniger Lohn: "Wir haben drei Arbeitstage Zeit, uns für oder gegen dieses Angebot zu entscheiden."

Betroffen von den betriebsbedingten Kündigungen sind in Burg fünf Mitarbeiter der Versorgungswirtschaft und neun Kollegen der Personalabteilung. An den weiteren drei Standorten in Gommern, Zerbst und Neindorf sind vier Mitarbeiter aus der Versorgungswirtschaft betroffen.

Helios-Sprecherin Natalie Erdmann erklärt auf Volksstimme-Nachfrage: "Im Bereich Personal haben wir alle neun Arbeitsverhältnisse einvernehmlich und sozialverträglich beendet."

"Von einvernehmlich kann keine Rede sein", findet nicht nur Karina Augustiniak, "alles ging ganz schnell, die betroffenen Kollegen bekamen ihre Schreiben völlig unvorbereitet, viele sind schockiert."

Der Betriebsrat hat Widerspruch gegen die Kündigungen eingelegt. Bisher sind Mitarbeiter aus dem "weißen Bereich" wie Krankenschwestern und das andere medizinische Personal nicht betroffen: "Aber vielleicht arbeiten wir alle bald in Zeitarbeitsfirmen", sagt eine OP-Schwester. Eine andere meint: "Es ist traurig, wie das Unternehmen mit langjährigen Mitarbeitern umgeht. Jetzt ist Verdi gefordert, mit Helios zu verhandeln, um solche Dinge künftig auszuschließen."

Gewerkschafter Mühlenberg hat noch immer das Megafon in der Hand. Er sagt: "Rechtlich ist das Vorgehen des Unternehmens nicht zu beanstanden, aber moralisch ist es eine Schweinerei." Aus seiner Sicht könnte es im Zusammenhang mit künftigen Verhandlungen früher oder später durchaus zu Streiks kommen: "Dann müssen wir alle zusammen kämpfen."

Unterdessen begründet Helios diese Maßnahmen nach der Übernahme von vier Kliniken von Rhön im Februar mit Anpassungen an die Struktur des Unternehmens. Sprecherin Erdmann: "Für die Kliniken in Burg, Gommern, Neindorf und Zerbst haben wir entschieden, die Abteilungen Personal und Versorgungswirtschaft zum Jahresende zu schließen und diese Dienstleistungen in unsere eigenen Service-Strukturen einzubinden." Erdmann zufolge haben die meisten der von den Schließungen betroffenen Beschäftigten Arbeitsvertragsangebote durch einen der neuen Dienstleister erhalten. Gewerkschafter Mühlenberg: "Den wenigsten kann man einen Umzug aus Burg oder Zerbst nach Berlin zumuten."

Einen weiteren Vorwurf der Gewerkschaft formuliert Mühlenberg so: "Die Kündigungen gehen scheibchenweise vonstatten. Zuerst acht Kollegen der Personalabteilung, dann vier aus der Materialwirtschaft. Immer in kleinen Mengen, dass weder Interessenausgleich noch Sozialplan verhandelt werden." Dazu Helios-Sprecherin Erdmann: "Diesem Vorwurf widersprechen wir. Die Maßnahmen verhindern das doppelte Vorhalten und damit doppelte Kosten für identische Verwaltungsstrukturen. Personalabbau steht für uns nicht im Fokus."

Die Krankenhäuser in Burg, Gommern, Zerbst und Neindorf gehören seit Februar zu den bundesweit 110 Kliniken der Heliosgruppe.