Wie zahlreiche andere Feuerwehren ist auch die Scharteucker in diesem Jahr 80 geworden. Gründungsdatum war der 2. Juni 1934. Die Festveranstaltung fand mit einigen Gästen im Zelt vorm Gerätehaus statt.

Scharteucke l Für Ortswehrleiter Marcus Timpe war es bereits die zweite Jubiläumsfeier. Als vor fünf Jahren das 75-jährige Bestehen gefeiert wurde, war er gerade einige Monate im Amt, das er von Matthias Haberlandt übernommen hatte, der 13 Jahre Wehrleiter in Scharteucke war. Haberlandt wurde dann Stellvertreter und hatte sich zuletzt nicht mehr zur Wahl gestellt. Im Februar übernahm Oliver Gronwald das Stellvertreteramt.

In seinem Rückblick auf die Geschichte der Scharteucker Wehr nannte Marcus Timpe auch die Namen aller seiner Amtsvorgänger: Seit der Gründung war es für viele Jahre Wilhelm Kanning, es folgten Kurt Witte, Heinz Ziem und Willi Schulze. Zur Gründung der Feuerwehr am 2. Juni 1934 hatten sich 14 Mitglieder zusammengefunden.

Aber schon vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr gab es Maßnahmen zum Schutz des Dorfes: 1908 wurde in Scharteucke ein Feuerlöschverband gegründet. Eine eigene Spritze hatte dieser noch nicht, durfte aber die des Rittergutsbesitzers von Brauchitsch nutzen. Um diese zu bedienen, wurden 16 Männer benötigt.

Einschnitte bei der Mitgliederzahl der Wehr gab es im zweiten Weltkrieg: Viele Männer mussten in den Krieg, deshalb wurden alle, die noch da waren, für die Feuerwehr zwangsverpflichtet. Die erste Tragkraftspritze bekam die Wehr im vierten Kriegsjahr.

Marcus Timpe erinnerte auch an herausragende Brand-ereignisse: 1920 gab es zwei schwere Brände der Gutsscheune. Brände im Dorf blieben später zum Glück die Ausnahme, jedoch zu Waldbränden mussten die Kameraden immer wieder ausrücken. Der größte war der im Juni 2000 bei Fischbeck. Und auch beim Hochwasser 2002 und 2013 waren Scharteucker Kameraden mit im Einsatz. Dafür haben inzwischen alle, die mit dabei waren, die Fluthelfernadel erhalten.

In den vergangenen Jahren rückte mehr und mehr die technische Hilfeleistung in den Vordergrund, berichtete Marcus Timpe. Immer wieder war die Hilfe der Kameraden bei Verkehrsunfällen gefragt.

Das Kapitel Feuerwehrsport hat in Scharteucke eine glanzvolle Geschichte. Es begann 1965 mit dem ersten Kreismeistertitel, der bis 1969 jährlich verteidigt und mit einem Bezirksmeistertitel gekrönt werden konnte, sogar einen 2. Platz bei den DDR-Meisterschaften gab es. Einige Erfolge gab es auch nach der Wende noch.

In den 60-er Jahren wurde eine Frauengruppe gegründet, in den 90-er Jahren eine Jugendfeuerwehr. Heute fehlt leider auch hier der Nachwuchs.

Größte Errungenschaft in den vergangenen Jahren war das neue Feuerwehrgerätehaus, betonte Marcus Timpe. Der Umbau dieses Gebäudes erfolgte 2003 bis 2005, und 2006 wurde es eingeweiht.

In den vergangenen Jahren seien auch neue Traditionen entstanden, fügte der Ortswehrleiter an: das Osterfeuer, Kameradschaftsabende und auch die regelmäßige Teilnahme an den Volleyballturnieren der Altenplathower Feuerwehr.

"Die Scharteucker Feuerwehr hat was zu bedeuten", scherzte Harald Bothe, Bürgermeister der Einheitsgemeinde Stadt Jerichow. "Der Klietznicker Wehr ist es nie gelungen, Scharteucke zu schlagen! Aber einmal sind wir mit euch zur Kreismeisterschaft gefahren!" Bothe ist selbst seit langem Feuerwehrmitglied, wenn auch in den vergangenen Jahren nicht mehr aktiv.

Der Bürgermeister unterstrich, wie wichtig eine gute Zusammenarbeit zwischen den Feuerwehren ist, um die Einsatzbereitschaft zu sichern - die Einheitsgemeinde hat immerhin 17 Wehren! Die Stadt sei auch ständig bemüht, die Ausrüstung der Wehren zu verbessern, was bei den knappen finanziellen Mitteln nicht leicht ist - zumal die Zuweisungen vom Land schon wieder gekürzt werden sollen. "Der Stadtrat hat jetzt 80 000 Euro für ein Einsatzfahrzeug bereitgestellt, allerdings noch nicht für euch, sondern für Schlagenthin." Aber es werde alles getan, damit auch Scharteucke bald dran ist.

Ortsbürgermeister Detlef Lucht bedankte sich für die Einsatzbereitschaft der Kameraden und speziell auch für den Einsatz am Deich und gab noch einen Obolus für die Finanzierung der Feier dazu.

Dankes- und Grußworte sowie ein Erinnerungspräsent hatte Stadtwehrleiter Ralf Braunschweig mitgebracht. Er brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass vielleicht doch mal wieder eine Jugendfeuerwehr in Scharteucke gegründet werden könnte. "Denn wie sollen wir Nachwuchs gewinnen, wenn nicht so!"

 

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