Passend zum Thomas-Morus-Gedenktag feierte das Jugendhaus in Genthin sein 20-jähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür. Besucher konnten sich durch die Räume führen lassen, auf dem Hof gab es Musik und Aktionen, ein Fußballspiel war der Höhepunkt des Tages.

Genthin l Mit einem umfangreichen Programm feierte das Jugendhaus Thomas Morus sich am Wochenende selbst. Gründe gibt es genug. Seit Eröffnung des Hauses kamen bis heute weit mehr als 270000 Besucher.

Heute seien es im Durchschnitt 30 Kinder und Jugendliche am Tag. "Wir haben seit Jahresanfang sogar eine eher steigende Besucherzahl", freute sich Jugendhausleiter Bernd Neumann. Am Jubiläumstag waren anders als an gewöhnlichen Tagen auch viele Besucher im vorgerückten Alter in den Räumen unterwegs. "Ich habe es nicht so schön erwartet", meinten Christa Wolfram und Monika Lortzig, die sich einer Führung durch das Haus angeschlossen hatten. "Es ist alles sehr schön gestaltet, und es gibt viele Möglichkeiten, wie sich junge Leute betätigen können."

Die hatten viel Spaß an dem Treiben im bunten Haus am Wasserturm. "Am besten gefällt mir der Turnraum", sagte die zehnjährige Hannah, die gemeinsam mit dem sechsjährigen Lukas und der achtjährigen Emma in den großen Ordnern mit den Fotos aus der Geschichte der Einrichtung blätterten. Was die Kinder mit großen Augen bestaunten, haben einige Ältere selbst miterlebt. "Ich war bis 2006 regelmäßige Besucherin im Morushaus", erinnert sich die heute 28-jährige Kerstin Lüdecke, die mit ihren Begleitern Robin Brettin und Mandy Plomitzer eine Tour durch das Haus unternahm.

Immer wieder wurde sie von alten Bekannten oder den Mitarbeitern freudig begrüßt und fand: "So viel hat sich gar nicht verändert, ich finde mich immer noch zurecht." Es sei wichtig, dass Jugendliche eine Anlaufstelle in der Stadt haben, in der sie sich treffen und aufhalten können, sagte sie. "Wir sind auch immer Lebensberater und Unterstützer der jungen Leute", fügt Streetworkerin Petra Schiele hinzu. "Wenn wir sehen, dass die Jugendlichen später gut im Leben vorankommen, ist das auch ein Lob für unsere Arbeit." Für den zukünftigen Landrat Steffen Burchhard stand nach seinem Rundgang fest: "Es ist eine Einrichtung, die unbedingt erhalten werden muss." Gegen die Jugendlichen lieferte er sich ein spannendes Tischtennisduell, bei dem er als eifriger Sportler stets gut kontern konnte.

Viele Aktionen, die das Morushaus einst angestoßen hat, sind später auch von Schulen und anderen Organisationen übernommen wurden", hat Pfarrer Willi Kraning beobachtet. Er war nach der Wende maßgeblich am Aufbau des Thomas-Morus-Hauses beteiligt. Stadtturniere, spielerische Informationen über fremde Länder oder Kochkurse gehören dazu. Die Mitarbeiter hatten in den vergangenen Jahren viele Ideen für Projekte, mit denen sie die Jugendlichen in die Einrichtung zogen. Auch eine derzeit viel beachtete Musikkarriere startete im Genthiner Morushaus.

Sänger Robby Schulze war in den 90er regelmäßiger Gast im Jugendhaus. "Er war insgesamt 574 Tage bei uns und steht damit auf Platz 75 in der "ewigen Besucher-Bestenliste", hat Bernd Neumann gezählt. "Im Keller des Hauses habe ich mit meiner Band `Blue Flame` begonnen", erinnert sich Schulze noch genau. "Es ist selbstverständlich, dass ich heute wieder hier spiele", sagte Schulze vor seinem kurzen Konzert im Hof. Dort teilte er sich die Bühne mit der Gruppe "Ice Cream" des Tanz- und Gesangszentrums Parey und dem Genthiner Chorleiter Moses Sherman, der eine musikalische Kostprobe auf dem Akkordeon präsentierte.

Das Programm, das auch durch Spiele und kleine Aktionen angereichert wurde, gefiel auch den Gästen aus dem Thomas-Morus-Haus in Düren. "Ich finde es gut, dass es ein Haus nur für die Jugendlichen ist", meinte die 16-jährige Anna Falter, die bereits zum zweiten Mal aus Düren in Genthin zu Besuch ist. "Unser Morushaus ist ein multifunktionales Gebäude, in dem auch andere Veranstaltungen stattfinden", erläutert der Dürener Einrichtungsleiter Wolfgang Bauer. "Ein Vorteil in Genthin ist auch, dass das Haus jeden Tag geöffnet ist, bei uns ist an mehren Tagen geschlossen", sagte die 15-jährige Angie Schwarz.

Natürlich waren die Gäste auch Teil der Fußballmannschaft, die gegen ein Team der Sparkasse Jerichower Land antrat. Zwar besiegten die "Bänker" das Morus-Team, aber für jedes Tor, das die Morushäusler schossen, bekamen sie 50 Euro. Die Sparkasse rundete den Betrag auf 500 Euro auf. "Mit dem Geld wollen wir unseren Billardtisch von Grund auf wieder herrichten lassen", kündigte Bernd Neumann an. Danach soll dann die 15. offene Meisterschaft des Morushauses im Billard steigen.

   

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