Eine weitere Informationsveranstaltung zum geplanten Deichneubau zwischen Jerichow und Fischbeck fand diese Woche im Jerichower Bürgerhaus statt. Die Entwurfsplanung steht. Jetzt geht es an die Terminplanung und in die Ausschreibung sowie um die Anbindung der ländlichen Wege.

Jerichow/Fischbeck l In der Planung enthalten seien unter anderem auch die Sonderlösungen am Fichtenwiel und am Junkernwiel mit Spundwänden sowie Neuprofilierung und Ausbau des Grabensystems im Hinterland und die Herstellung eines dauerhaften Ablaufs des Junkernwiels, erläuterte Sebastian Dornblut von ISP (Ingenieurgruppe Steinbrecher und Partner). Erstmal herausgenommen aus der Baumaßnahme sei die Umgestaltung des Durchlasses für den Altarm unter der B 188, weil hier noch zu viele Fragen offen sind.

Am 23. Juli werde die Kampfmittelsondierung im gesamten Planungsbereich einschließlich der festgelegte Lagerflächen beginnen, mit kurzem Nachlauf werden sich die Untersuchungen der Archäologen anschließen. Diese Arbeiten werden später parallel zu den Bauarbeiten weitergehen.

Die Ausschreibung der Arbeiten soll in der kommenden Woche beginnen. Bauanlaufberatung wird im August sein, Baubeginn Ende August, und die Fertigstellung ist für Ende November 2015 geplant.

Im Zuge des Deichneubaus müssen auch Deichüberfahrten und damit die zugehörigen ländlichen Wege neu geplant beziehungsweise umverlegt werden, teilweise soll auch ein Ausbau als Deichverteidigungsweg erfolgen. Dazu werde es auch eine Terminabstimmung mit den Bewirtschaftern der Flächen geben.

Eine neue Entwurfsplanung gibt es für das Bauernwiel: nach der alten Planung sollte die Deich-Trasse das Wiel mittig queren, nach der neuen erfolgt eine Verschwenkung wasserseitig um das Wiel herum, mit geringerer Deichbreite und Spundwand an dieser Stelle. Der Eingriff in die Natur ist dadurch bedeutend geringer.

Parallel zur technischen Planung des Deichbaus laufen Machbarkeitsstudien, die "Löpsche" wieder durchgängig zu machen, damit Kleintiere und Fische wieder aufwandern können, und zweitens zu einer möglichen Wiederanbindung des Altarms an die Elbe nördlich der B 188, informierte André Pasemann, Projektverantwortlicher vom LHW (Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft). Die Löpsche werde natürlich keine Anbindung an die Stromelbe bekommen, betonte er, da es hierzu bereits Missverständnisse gebe.

Havarieplan für Bauphase

Dazu werden hydraulische Modellierungen erfolgen, um zu prüfen, ob es durch diese Maßnahmen eventuell zu einer schnelleren Überflutung kommen könnte. "Wir müssen die Ergebnisse abwarten und nicht mit Mutmaßungen hantieren", unterstrich er.

Für die gesamte Bauzeit gebe es einen konkreten Havarieplan, damit auch bei Hochwasser die Sicherheit gewährleistet ist. Notwendiges Material, um den Hochwasserschutz zu gewährleisten, werde dann direkt vor Ort lagern. Des weiteren erhalte der Baubetrieb jeweils nur eine Freigabe für 250 Meter, wo er den Deich schwächen darf - außer im Bereich des Fichtenwiels, da hier die Spundwandlänge 300 Meter betragen wird. Zudem werde auch nur auf insgesamt knapp 800 Meter Länge im Bereich des alten Hauptdeichs gebaut, der Rest außerhalb.

Zur Deichtrassierung an der Bruchstelle beim Hochwasser 2013 gab es Fragen: Sollte man die Störung im Erdboden an dieser Stelle nicht besser umgehen? Das sei sorgfältig untersucht und abgewogen worden, betonte Burkhard Henning, Leiter des LHW Sachsen-Anhalt. Würde man diese Stelle umgehen, käme man an anderer Stelle in eine Störung. Hier werde es außerdem landseitig eine Auffüllung geben, da das Gelände hier wasserseitig höher ist als landseitig.

Aufwertung des Auenlands

Bei aller Dringlichkeit der Deichbaumaßnahme wurde zugleich auch der Frage des Naturschutzes ein großer Stellenwert eingeräumt. Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sind von Gesetzes wegen ohnehin gefordert. Henning betonte: "Wenn alles so funktioniert wie geplant, haben wir sogar einen viel höheren Ausgleich als notwendig!" Kernpunkte sind hierbei die Löpsche und die Anbindung des Altarms. "Es erfolgt damit eine Aufwertung des Auenvorlands", fügte André Pasemann an.

Nicht toleriert werden kann freilich, dass Biber im Deich graben. Deshalb sei wasserseitig auf der Lehmschicht ein Maschendrahtgitter als Biberschutz vorgesehen.

Aktuell haben Fischbecker nördlich der Brücke frische Biberlöcher im Deich gesichtet. Deshalb richtete Burkhard Henning die Bitte an alle, die am Deich unterwegs sind: Wer so etwas beobachtet, möchte das bitte dem LHW melden. "Eine Deichschau einmal im Jahr reicht da nicht aus!"

In einer Kurve werde zudem noch Deckwerkspflaster auf der Deichböschung unter dem Boden aufgebracht. Zwar wäre die Fließgeschwindigkeit laut den hydraulischen Untersuchungen hier nicht sehr hoch, jedoch könnte bei Eisgang eine Gefahr der Beschädigung des Deichkörpers bestehen.

Thema war auch das Wegekonzept während der Baumaßnahmen. Es solle gewährleistet werden, dass die Baufahrzeuge nicht durch die Ortslage Fischbeck fahren, sondern nach Norden über die alte B 188 und einen ländlichen Weg, nach Süden an der Eberstation vorbei und über einen Teil der alten Fährstraße. Auf der B 107 werde während der Arbeiten tagsüber zeitweise Ampelverkehr eingerichtet, damit die Baufahrzeuge eine Chance zur Ausfahrt haben.

Der alte Deich wird nach dem Neubau noch eine Zeitlang stehen bleiben, denn während der ersten zwei Jahre wird von einer allmählichen Setzung ausgegangen. Deshalb werde der neue Deich auch etwas höher gebaut. Voraussichtlich werde deshalb auch der Bitumenweg erst später aufgebracht, aber das sei noch nicht entschieden.

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