Genthin l Von der Festwiese am Genthiner Stadtkulturhaus ist fast nichts mehr zu sehen. Menschen, wohin das Auge reicht. Junge Frauen mit bunten Haaren neben ältere Herren ohne Haare. Kinder, Mütter, Väter, Feuerwehrleute, Lehrer, Rentner ... Ganz Genthin scheint auf den Beinen. Sie singen, schunkeln, klatschen, halten Feuerzeuge, Leuchtstäbe oder ihre Handys in die Luft ...

Als Karat-Sänger Claudius Dreilich "Über sieben Brücken musst du geh`n" singt, ist der Abend schon ziemlich weit fortgeschritten. Für Thomas Barz trotzdem zum ersten Mal Gelegenheit, kurz zu verschnaufen. Aufregende Wochen liegen hinter Genthins Bürgermeister.

Begonnen hatte alles mit der Anfrage des Mitteldeutschen Rundfunks. Sommertour in Genthin? Barz und Stadtrat waren sich schnell einig, dass die Großveranstaltung an den Kanal geholt werden soll. Imagefilme wurden gedreht, ein Sicherheitskonzept erarbeitet, Sponsoren gesucht ... Im Hinterkopf immer die Frage: Können wir das schaffen?

"Sieben Mal wirst du die Asche sein", singt Claudius Dreilich. "Aber einmal auch der helle Schein." Spätestens jetzt ist klar, Genthin ist wie gemacht für solche Feten. Dass dies so sein wird, stand für Barz eigentlich außer Frage. Aber: "So eine Veranstaltung ist Neuland für uns. Das gab es hier noch nicht. Ganz ehrlich, mir fällt ein Stein vom Herzen." Nicht zuletzt dank Paul Karle. Er ist verantwortlich für das Sicherheitskonzept. Für seine Mitarbeiter ist Barz an diesem Abend voll des Lobes: "Großes Kino!"

Gleiches gilt für die Truppe von der Touristinfo. Leiterin Marina Conradi hat dafür heute kein Ohr. Sie bewegt sich im Laufschritt durch die Massen, hier ein Foto mit dem Tablet, dort die Lösung für ein mittelschweres Problem.

Der Sänger von Karat hält sein Mikrofon in die Menge. "Sieben dunkle Jahre überstehen..." aus 6000 Kehlen. Gänsehaut in Genthin. Es ist nicht der erste Gänsehautmoment an diesem Abend. Da war zum Beispiel der Augenblick, wo Robby Schulze mit Moderatorin Susi Brandt "Über den Wolken" sang und die ganze Festwiese einstimmte. Oder der Moment, in dem Bellini ein Selfie von sich und den Gästen machten und 12 000 Hände gen Bühne winkten. Oder die Sekunde, in der Thomas Barz die letzte Krawatte an die 200 Meter lange Wäscheleine knotete. Dank der Unterstützung der Genthiner wurde die Stadtwette gewonnen.

Der Lohn: Susi Brandt wusch die Socken der Borussia-Jungs und ließ 1000 Euro für die Stadtkasse in Genthin. Damit will Barz alle Kinder zum Weihnachtsmärchen des GAT einladen. Was Eckhard Neumann und seine Truppe in diesem Jahr spielen werden, ist noch nicht bekannt. Was die 6000 Menschen auf der Festwiese am Stadtkulturhaus Freitagabend gesehen haben, schon: Genthin - ein Sommermärchen.

   

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