Genthin l Viele Fans hatten vor der Bühne ausgeharrt und dem Auftritt der Gruppe Karat entgegengefiebert. Wann immer das MDR-Moderatoren-Duo Susi Brandt und Stephan Michme den Namen der Band erwähnte, schallte ihnen lauter Jubel aus dem Publikum entgegen.

Gegen 22 Uhr, als die ersten Töne des Titels "Steh wieder auf" erklangen, war die Stimmung sofort auf dem Höhepunkt. Schwungvoll und voller Kraft präsentierte sich die Band und Sänger Claudius Dreilich brach sofort den Bann, indem er immer wieder am äußersten Bühnenrand, fast zum Greifen nah, für Stimmung sorgte.

"Wir sind eine junge aufstrebende Band und lieben jede Stunde", witzelte der Sänger vor einem großen Hit der Band. Zum Lied wurden auf der LED-Wand im Hintergrund Bilder aus der fast 40-jährigen Bandgeschichte eingespielt. Immer wieder schälte sich das Gesicht des vor zehn Jahren verstorbenen Sängers Herbert Dreilich aus den Filmausschnitten und Fotos der Vergangenheit heraus. Um so klarer wurde die Ähnlichkeit seines Sohnes Claudius mit dem Vater. Die gleiche Hingabe beim Singen, die gleiche Stimme.

Dennoch ist Claudius Dreilich kein Ersatzmann, sondern drückt der Gruppe seinen Stempel auf, hat er doch eine Reihe von Titeln des letzten Albums beigesteuert und ist der Dreh- und Angelpunkt der Live-Auftritte. Das Konzert besteht in Genthin natürlich aus den großen Hits der vergangenen Jahrzehnte "Blumen aus Eis", kommt mit seiner Begleitung aus zwei Akustikgitarren ein wenig anders daher, als es mancher von früher im Ohr hat. "Die akustische Begleitung haben wir entdeckt, als wir das Lied am Lagerfeuer gespielt haben", witzelte der Sänger.

Einen weiteren großen Hit erkannten die Zuhörer bereits am symptomatischen Keyboardpluckern. Spätestens als sich eine blaue Weltkugel im Hintergrund drehte, war klar, dass der "Blaue Planet" lief. Schon bei diesem Titel sangen Tausende Besucher eifrig mit und dann fehlte eigentlich nur noch ein Lied zum krönenden Abschluss. Karat blieben auch ihren größten gesamtdeutschen Hit nicht schuldig. Bei "Über sieben Brücken" verwandelte sich die Menschenmenge vor der Bühne in den größten Chor Genthins und sorgte für einen krönenden Abschluss des Abends.

Mit der Zugabe "König der Welt" verabschiedeten sich Karat von einem begeisterten Genthiner Publikum. "Es war fantastisch", rief Besucher Ingo Kühndorf mit der letzten stimmlichen Kraft, die ihm nach dem Mitsingen geblieben war. Im Trio mit seinen Kumpels Andrè und Gerhard hatte er das Konzert gefeiert.

"Wir sind ebenfalls ganz und gar begeistert", stimmten Arlette Riemenschneider und Dennis Weigelt zu. Es sei insgesamt eine ganz wunderbare Veranstaltung gewesen. Denn neben den großen Rockern von Karat hatte am frühen Abend auch Genthins bekanntester Sänger auf der Bühne gestanden und mit Titeln aus seinem neuen Album begeistert. Darunter auch ein Song, dem ihm Ex-Dire-Straits-Gitarrist David Knopfler zur Verfügung gestellt hatte.

"Bernadette", riss das Publikum genau so mit wie Robbys eigene Stücke "Ans Meer" oder "Das letzte Blatt am Baum". Für Schulze und seine Mitstreiter Dirk Ballarin, Roger Tietze und Sebastian Symanowski bot die MDR-Bühne die Möglichkeit, die Lieder einem großen Publikum vorzustellen, bevor am Album letzte Hand angelegt wird, damit es im Juli erscheinen kann.

Ohrwurmqualität besitzen auch die Titel des Mädchentrios Bellini, die als Vorband für Karat auf der Bühne standen. In ganz neuer Besetzung hatte sich die Gruppe in diesem Jahr neu gegründet. Mit brasilianischem Flair und heißem Hüftschwung zogen die drei jungen Damen das Publikum vor die Bühne. Mit im Gepäck hatten sie den extra für die laufende Fußball-WM umgetexteten Hit "Samba de Brasil".

Insgesamt bot der MDR den Genthinern eine der größten Sausen der vergangenen Jahre. "Es ist schön, dass wir diese Veranstaltung in unsere Stadt holen konnten", resümierte Bürgermeister Thomas Barz. "Es ist die beste Bewerbung, um im nächsten Jahr wieder Sommertour-Stadt zu werden."