Einen beeindruckenden Abend erlebten die Besucher des kulinarisch-literarisch-musikalisches Kräuterprogramms im Kloster Jerichow. Die "Tischreden" der Katharina Luther sind eine ganz wunderbare Kost. Feinsinnig "erdet" Katharina alias Elisabeth Haug die Theorien ihres Mannes. Das Kräutermenü der Stiftung rundete das Programm köstlich ab.

Jerichow l Das Kloster Jerichow und die Reformation - das ist schon ein besonderes Verhältnis. "Jerichow war damals ein Anti-Reformator-Standort. Hier wurde 20 Jahre nach der Reformation noch mal ein Propst installiert, der die Anti-Reformation leiten sollte", hielt Jan Wißgott, Leiter der Stiftungsverwaltung, zu Beginn der Veranstaltung einen kurzen Rückblick in die Geschichte. Mit dem Einmarsch der Schweden sei es damit dann bald vorbei gewesen. "Danach wurde das Kloster als Landwirtschaftsstandort ausgebaut."

Tatsächlich war einst ein Schweinestall, wo die Gäste nun an stilvoll gedeckten Tischen saßen. Denn die drohenden Regenwolken waren Anlass gewesen, die Veranstaltung vom Klostergarten hierher in den "Malzkellersaal" zu verlegen. Gut so, denn der Regen kam dann wirklich.

Gut geeignet war dieser Raum durchaus für das Programm. Zwischen den in mittelalterlichem Stil errichteten Säulen und Rundbögen dieses ehemaligen Stallgebäudes konnten sich die die Gäste gut in die Zeit Katharina und Martin Luthers versetzen. Man hatte das Gefühl, mit ihnen am Tisch zu sitzen - an einer Tafel, die lang war. Katharina alias Elisabeth Haug spricht auch davon: "Ich zähle jedes Mal, wenn wir uns setzen. Elf verwaiste Kinder aus der Verwandtschaft, dazu unsere eigenen fünf, macht sechzehn Kinder..." Dazu kamen die Schüler, die an Luthers Lippen hingen...

Aus dem Blickwinkel der Katharina Luther - der ehemaligen Nonne Katharina von Bora - erleben die Zuschauer einen Blick auf Martin Luther, wie er in der "offiziellen" Geschichte keinen Platz hat. Es ist ein Blick durch die Augen der liebenden Ehefrau, die aber keinesfalls bereits ist, sich ihrem Manne unterzuordnen und sich dagegen wehrt, dass dieser etwas anderes lebt als er predigt. Es ist der Blickwinkel einer starken, selbstbewussten, intelligenten, liebenden Frau - zeitlos, und somit jeder Frau von heute - und auch jedem Mann - ein guter Ratgeber.

Die vielseitige Künstlerin Elisabeth Haug aus Berlin hat die Katharina wunderbar dargestellt, Markus Virck trug mit seinen Gitarrenimprovisationen dazu bei, die Gäste in die Zeit Luthers zu versetzen.

Zu dieser Veranstaltung gehörten natürlich auch die Gaumenfreuden. Keinerlei Kompromisse hat Jan Wißgott dabei zugelassen. "Wir kochen schon 14 Tage, und ich habe es jedesmal durchfallen lassen", beschrieb er die Vorbereitungen augenzwinkernd und fügte an: "Aber ich denke, jetzt wird es klappen!"

Und es hat geklappt. Schon die Vorsuppe war ein Genuss: Es war natürlich eine Kräutersuppe, und sie enthielt Petersilie, Kresse, Dill, Kerbel, Schnittlauch, Sauerampfer, Borretsch, Pimpinelle und Thymian. Das Hauptgericht war ebenfalls sehr kreativ und nicht weniger wohlschmeckend: "Saltimbocca aus der Hähnchenbrust, gefüllt mit Serrano-Schinken und Salbeiblatt, dazu lila Möhren und Kartoffelpüree, abgerundet mit Süßkartoffel und Pastinake, übergossen von Salbei-Honig-Kräutersoße". Übrigens: Die lila Möhren waren keinesfalls irgendwie gefärbt. Es gibt solche Sorten wirklich!

Nicht fehlen durfte ein Dessert: "Griesflammeri mit Minze und zweierlei Fruchtsoße - Erdbeere und Pfirsich - dekoriert mit frischen Erdbeeren und Minzblättern."

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