Jerichow l Fast nichts erinnert mehr an die alten Anlagen der Spritbrennerei hier im Kloster, die viel Platz brauchten und zuletzt schrottreif waren. Längst ist die alte Brennerei entkernt worden: Der Brüdersaal wurde wieder an den Museumsbereich angeschlossen, davor gibt es jetzt einen Durchgang zu Malzkellersaal, Museumseingang und Klostergarten, oben im verbliebenen Teil der alten Brennerei die neuen Büros der Stiftung, unten neue Toiletten - und daneben einen gemütlichen Raum mit langem Tisch übers Eck, Bänken und Hockern, wo künftig weniger das "Geistliche" als vielmehr das "Geistige" eine Rolle spielen wird.

Zu einem deftigen Essen als Grundlage können Besucher dann hier die verschiedenen Geiste probieren, auch die, bei deren Herstellung sie vielleicht gerade zugeschaut haben.

Denn im Nachbarraum, der von außen direkt durch ein großes Tor erreichbar ist, steht die neue Anlage - übersichtlich und glänzend in Kupfer und Edelstahl. "Das ist eine Hochleistungsdestille K 700 NE der Firma Kothe aus Eislingen", erläutert Jan Wißgott, Leiter der Stiftungsverwaltung. Mit dieser Anlage könne durchaus richtig gebrannt werden, aber das sei aufwändiger und teurer und an Brennrechte gebunden.

Beim Vergeisten wird der Alkohol nicht hergestellt, sondern veredelt, und da seien der Fantasie (fast) keine Grenzen gesetzt. Hier im Kloster nun wurde mit verschiedenen Kräutermischungen begonnen - das passt gut hierher.

Während es in der Anlage bereits zu brodeln anfängt und schließlich der erste "Geist" aus dem Hahn ins Auffanggefäß läuft - überwacht von Daniel Schünicke, der neben seinen verschiedenen anderen Talenten nun auch noch das des Brenn-"Meisters" entdeckt hat, erklärt Jan Wißgott, was hier passiert: Im Mittelteil wird der Roh-Alkohol mit den Kräutern und Wasser erhitzt, wobei ein Rührwerk für gute Durchmischung sorgt. Bis etwa 75 Grad Celsius heiß müsse die Mischung werden, denn dann werde der Alkohol gasförmig, das enthaltene Wasser siede aber noch nicht.

Der Alkohol mit den ätherischen Ölen gelangt über eine Leitung in den linken Teil, in die "Kolonne" mit "Dephlegmator". Die Kolonne ermögliche es, reineren Alkohol in einem einzigen Prozess zu gewinnen. Hier werde das hochprozentige Gas vom niederprozentigen getrennt, letzteres gehe zurück in den Mittelteil. Der Dephlegmator diene der Aromaverstärkung.

Von hier aus wird der Geist auf die rechte Seite der Anlage in die Kühlung geleitet. Wenn er anschließend aus dem Hahn kommt, soll er bis zu 75 Prozent Alkohol haben können. Wieviel es im Einzelfall genau sind, muss gemessen werden. Denn er muss, um trinkbar zu sein, noch aufs richtige Maß verdünnt werden.

Mit ihrem ersten Ergebnis sind die Männer schon recht zufrieden. Erwartungsgemäß entspricht der erste Teil des Geistes, der aus dem Hahn kommt, noch nicht den Qualitätskriterien. Aber schon wenig später hat sich der anfangs etwas dumpfe Geruch radikal verändert: Ein wunderbarer Kräuterduft beginnt ganz zart den Raum zu erfüllen und wird intensiv, wenn man direkt an der Flüssigkeit riecht.

Eine erste Verkostung musste dann natürlich auch sein, allerdings nicht pur. Am richtigen Verdünnungsgrad muss noch gefeilt werden, aber eins ist bereits sicher: Ja, es klappt! Die Stiftung Kloster Jerichow wird künftig ihren eigenen Geist der Marke "Klosterwiese" - und später auch noch andere Sorten - im Angebot haben.

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