Genthin (mfe) l Die aktuelle Berichterstattung über die Insolvenz der Hansa Group und die Auswirkung auf den Standort des Waschmittelwerkes in Genthin veranlasste Stadtrat Karl-Heinz Rutkowski (Die Linke) zu einer Anfrage an den Genthiner Bürgermeister Thomas Barz (parteilos).

"Wie steht die Stadt zu der aktuellen Entwicklung, wie können wir als Stadtrat damit umgehen, ich denke dabei vor allem an die Arbeitsplätze?" Der Bürgermeister verwies darauf, dass nichtöffentliche Sachverhalte nicht im öffentlichen Teil der Sitzung besprochen werden können, nahm sich der Beantwortung der Frage aber anschließend umfänglich an.

Dabei warnte der Bürgermeister davor, die Bemühungen aller Beteiligten öffentlich zu zerreden. "Es ist für uns alle eine schwierige Situation", sagte er und machte deutlich: "Es ist keine Insolvenz, sondern ein Insolvenzplanverfahren, dass es in dieser Form erst seit einigen Jahren gibt."

Die Hansa Group überprüfe dabei eigenverantwortlich die Möglichkeit zur Sanierung des Unternehmens. "Das Unternehmen ist nicht überschuldet, sondern hat die Insolvenz wegen seiner Zahlungsunfähigkeit angemeldet."

Einem Teil der Medien warf der Bürgermeister vor, den Sachverhalt verkürzt dargestellt zu haben.

Auch das Wirtschaftsministerium sei in die Bemühungen einbezogen. "Mir macht Mut, dass die Firma Solvay ihre Tensidanlage im September eröffnen wird, das bedeutet, dass der Standort zukunftsfähig ist", stellte der Bürgermeister fest.

Barz sah die Unternehmensschwierigkeiten aus diesem Grund nicht so düster, wie es manche Medienberichte darlegten und kündigte an: "Wir werden mit aller Kraft versuchen, den Standort Genthin zu erhalten." Dafür erntete Barz beipflichtendes Klopfen der Fraktionen der CDU und SPD, während Linke, Grüne und die Ländliche Wählergemeinschaft Fiener die Ausführungen des Bürgermeisters mit einiger Skepsis verfolgten.

Am Donnerstag hatte die Hansa Group Düsseldorf Insolvenzantrag in Eigenverantwortung gestellt (Volksstimme berichtete). Gestern wurde der Düsseldorfer Rechtsanwalt Horst Piepenburg als Insolvenzverwalter bestimmt, teilte Thomas Barz am Nachmittag mit.

Allerdings hat das Unternehmen angekündigt, den Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten zu wollen. Auch die Vorfinanzierung des Insolvenz- geldes für die Löhne und Gehälter der Beschäftigten solle laut dem Unternehmen sichergestellt werden.

Am Standort Genthin sind 130 Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen. Sie wurden am Donnerstag während einer Betriebsversammlung über die Insolvenz informiert.