Der Weimarer Dr. Wieland Meinhold ist nicht nur ein begnadeter Musiker, sondern auch ein wunderbarerer Vermittler der Orgelkunde. In der Roßdorfer Kirche konnten sich die Besucher kürzlich von den Fähigkeiten des Universitätsorganisten überzeugen.

Roßdorf l Als echter Publikumsmagnet erwies sich Meinhold bei seinem Gastspiel in der Roßdorfer Kirche. Bereits die vor das Konzert mit englischer Barockmusik gestellte Orgelführung erfreute sich größter Beliebtheit. Zurecht. Meinhold versteht es wie wenige andere, mitreißend, informativ und humorvoll in die Welt der Orgel zu entführen. Obwohl das Roßdorfer Instrument nur mit einem einfachen, schlichten Prospekt ausgestattet ist, brachte es der Universitätsorganist zum Glänzen. "Es ist ein wirklich schönes Instrument, ich bin ganz begeistert", sagte er nach einer ersten Spielprobe.

Die Orgel wurde von der Orgelbaufirma G. Voigt aus Halberstadt im Juli 1861 aufgestellt. Lange erklang sie nicht, bis sie zwischen 2006 und 2010 aufwendig restauriert wurde. Meinhold zeigte, warum sich der Aufwand gelohnt hat. Er präsentierte Orgelmusik aus dem alten England. Allen voran standen die Werke Georg Friedrich Händels. "Er ist wohl der größte Komponist des alten Englands", erläuterte Meinhold. Händels Largo, seine Ouvertüre und Doppelfuge g-Moll, aber auch die berühmte "Pifa" und "Sarabande" präsentierte der Organist mit einer großen Klarheit und mit viel Feingefühl für die Nuancen.

Mit großer Hingabe wusste er auch die hohen Töne des Registers in Charles Stanleys "Voluntary" zu präsentieren. Aber immer wieder überraschten die nahtlosen Wechsel in Tempo und Klangfarbe, die Meinhold auf der Roßdorfer Orgel zu vollziehen wusste. Da das Instrument keine Obertöne besitzt, musste Meinhold oft umgreifen. "Wenn es zwischendurch rumpelt, bin ich nicht umgefallen, sondern muss die Register neu stellen", hatte er vor dem Konzert bemerkt. Sehr festlich gelang Thomas Tallis "I am lucis orto sidere", wo Meinhold den chorischen Kirchengesang mit der Orgel voll und ganz umzusetzen wusste. In Henry Purcells "Trumpet tune" gab es zum feierlichen Abschluss sogar die Trompete zu hören, ein Instrument, das bei einer Orgel eigentlich nicht vorhanden ist. In den stürmisch vom Publikum geforderten Zugaben, ließ Meinhold weihnachtliche Klänge aufblitzen und präsentierte für ein anwesendes Silberhochzeitspaar "Tochter Zion" und auf besonderen Wunsch Händels Toccata Fuge, das sich auf einer so kleinen Orgel eigentlich nicht spielen lässt.

"Ich hoffe, dass sich meine Finger nicht verknoten", sagte Meinhold vor dem Stück. Natürlich meisterte er den Händel-Hit mit Bravour. Bereits vor dem Konzert waren mehr als 30 Besucher der Orgelführung gefolgt. Meinhold sprühte vor Begeisterung für die "Königin der Instrumente", die ihren Namen aufgrund ihrer Größe und ihres Tonumfanges erhalten hat.

"Eine Orgel muss atmen", hatte der Experte zu Beginn erklärt und das Prinzip sinnbildlich mit der menschlichen Lunge verglichen. Einige ältere Besucher konnten sich sogar noch erinnern, dass in früheren Zeiten ein Blasebalg von Hand bedient werden musste, um die nötige Luft in das Instrument zu bekommen. "Die Orgel ist ein Blasinstrument", machte der Musiker deutlich. Heute funktioniert das alles elektronisch.

Wenn die Register gezogen werden, ist die Orgel spielbereit. "Ein wichtiges Register ist das Prinzipal, sozusagen das klangliche Rückgrat der Roßdorfer Orgel", erläuterte Meinhold die Prinzipalpfeifen der Orgel. Die größte Pfeife des Registers sei acht Fuß lang, nach dem englischen Längenmaß. In Roßdorf seien es umgerechnet 2,40 Meter. Übrigens: Gerechnet wird nicht die gesamte Länge, sondern ab der Öffnung, dem sogenannten Mund der Pfeife. Nicht immer seien diese aus Metall. "Was Sie hier sehen, ist es eine Zinnlegierung." Bei der Schätzung der Anzahl der Pfeifen lagen die Besucher etwas daneben. Weder 150, noch 200 sind es. "Hier sind es rund 600." Viel sei das nicht, die Kirchenorgel in Passau habe 18000 Pfeifen, die größte Pfeifenorgel der Welt in New Jersey in den USA gar 65000 Pfeifen.

Besonders interessant waren die Beispiele des tiefsten und des höchsten Tones. Die tiefen Töne lassen das Instrument regelrecht vibrieren. "Das kann man selbst auch am eigenen Körper spüren."

Diese Töne lassen sich kaum schnell spielen. Aber erst in der Verbindung mit den hohen Tönen entstehe ein Wohlklang, der als angenehm empfunden werde.

Obwohl die Mixtur, die Klangkrone der Roßdorfer Orgel nur zweifach vorhanden sei, könne man damit dennoch eine unglaubliche Fülle erzeugen. Mit diesem Glanz der hohen Töne würde der unverwechselbare Kirchenorgelklang entstehen.

"Wenn diese Töne erklingen, gibt es für ein Hochzeitspaar am Altar kein zurück mehr, dann wird geheiratet." Auch deshalb trägt die Orgel ihren Beinamen "Königin" zurecht.