Jerichow l Die Klostermauer rückt in die Aufmerksamkeit des Landesamtes für Hochwasserschutz. Vertreter der Stadt, des Landkreises, der Denkmalschutzbehörde, des Kreises, Projektplaner und Stiftungsvertreter verschafften sich in der vergangenen Woche einen Überblick über den Zustand der Mauer, die direkt am Deich verläuft. "Das Hochwasser 2013 hat gezeigt, dass wir eine bauliche Maßnahme am Deich brauchen", sagte André Pasemann vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW) bei der Deichbegehung entlang der Mauer. Jan Wissgott erklärte dem Projektplaner: "Wir hatten beim Hochwasser im vergangenen Jahr 15 Zentimeter Drängwasser auf der Klosterwiese. Eine Deichverteidigung von der Innenseite der Mauer ist wegen der angrenzenden Grundstücke nicht auf der kompletten Strecke der Mauer möglich."

Deich vor der Mauer wird um 20 Zentimeter erhöht


Damit die Mauer künftig dem Hochwasser stand hält, muss bei der Erhöhung des Deichs um 20 Zentimeter auch auf ihre historische Bedeutung eingegangen werden. "Die Klostermauer steht komplett unter Denkmalschutz, weil das Kloster früher von einem Ring umgeben war", erklärte Falko Grubitzsch vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Und schlägt für den besseren Erhalt der Mauer in den kommenden Jahrzehnten etwas vor, dass Stiftungsleiter Jan Wissgott gar nicht gern hört: "Wenn wir die Mauer sanieren, beziehungsweise an einigen Stellen neu bauen wollen, sollte sie verputzt werden." So seien die Mauersteine besser vor der Witterung geschützt.

Jan Wissgott kann sich mit dieser Variante gar nicht anfreunden: "Wir sind der älteste Backsteinbau Europas. Eine verputzte Mauer passt schon rein optisch nicht zum Kloster", sagte er bei der Begutachtung mit dem Kollegen der Denkmalschutzbehörde.

"Noch sind wir bei Phase Null der Baumaßnahme", betonte Projektleiterin Kristiana Rotter vom LHW. Die Begutachtung der Mauer und des Deiches soll die verschiedenen Interessen berücksichtigen. Bei der Erhöhung des Deiches müsse die Mauer auf jeden Fall mit bearbeitet werden, stellten die Projektleiter klar. Auch ein teilweiser Neubau ist laut Denkmalschutz nicht ausgeschlossen: "Wichtig ist, dass der historische Verlauf beziehungsweise die Bedeutung der Mauer für den Besucher zu erkennen ist", sagte Grubitzsch.

Bürgermeister Harald Bothe begrüßte die Vorplanung. "Die Mauer ist schön und soll für die Besucher des Klosters auch erhalten bleiben", sagte er.

Bei der Begehung fanden die Bauplaner einen recht unterschiedlichen Zustand der Klostermauer vor.

Herausforderungen für die Planer


Die Teile vor der Klosterwiese sind komplett erneuert worden. An der Deichscharte wiederum grenzt die Mauer an ein Privatgrundstück an. Hier sieht man noch unterschiedliche Steinarten und Arbeitsweisen. Einheitlich wird die Mauer jedoch auch nach der Deichsanierung nicht aussehen: "Infrage kommen Sanierung, Erhalt oder Neubau", erklärte die Projektplanerin. André Pasemann (LHW) ergänzte: "Manchmal ist ein Neubau sogar günstiger als eine Sanierung." Damit die Hochwassersicherheit wieder hergestellt werden kann, müsse das gesamte Stück von Scharte zu Scharte betrachtet werden.

Bei der Begehung fällt ein anderes bautechnisches Hindernis auf: Der Geländeunterschied zwischen Deichoberkante und Klosterwiese beträgt an manchen Stellen gut vier Meter. Bei der Arbeit am Deich könnte zum einen der Unterschied in der Geländetiefe für Schwierigkeiten im Hinblick auf die Stabilität der Mauer sorgen. "Bauen bringt auch immer Bewegung", machte Jan Salomo, Mitarbeiter des Bauplanungsbüros, deutlich. Zum anderen muss die Mauer während eines neuen Hochwassers auch dem Druck angepasst werden. "Der Druck des Wassers überträgt sich auf die Mauer." Der Unterschied vor und hinter der Mauer sei auch eine Aufgabe für die Statiker.

"Ziel ist es eine Variante vorzustellen, die alle Interessen berücksichtigt", sagte Rotter. Beim nächsten Treffen werde dann über die Grundplanung des Projekts an der Klostermauer gesprochen.

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