Damit die Senioren noch bis ins hohe Alter mobil bleiben können, gibt es viele Hilfsmittel. Die Verkehrswacht zeigte in Jerichow wie Sie sicher im Straßenverkehr teilnehmen können. Dass man mit Rollator nicht ohne Übung klarkommt, teste Volksstimmevolontärin Juliane Quägwer mit den Jerichower Senioren.

Jerichow l Je älter man wird, um so wichtiger erscheinen die Dinge, die für mich selbstverständlich ist. Zu Fuß einkaufen, Fahrrad oder Auto fahren.

Die Verkehrswacht Börde organisierte mit der Volkssolidarität für die Senioren Jerichow ein Verkehrssicherheitstraining, zu diesen Themen. Der Vorsitzende der Kreisverkehrswacht Oschersleben Klaus Glandien und seine Kollegen brachten den Jerichowern Elektro-Fahrräder mit, erklärte ihnen die neuen Verkehrsschilder und präsentierte auch einen Rollator. Ausgestattet mit Licht und Klingel.

Rollatorfahren ist gar nicht so einfach

Meine Oma ist auch auf solch ein "Geschoss", wie sie sagt, angewiesen. Die Jerichower Senioren lassen den Rollator allerdings links liegen. Sie kommen, um sich ihre Fahrräder richtig einstellen zu lassen, testen die E-Bikes. "Eine tolle Erfindung", sagt Ingrid Klemm, Vorsitzende der Volkssolidarität Jerichow, die mit dem Rad eine große Runde dreht. "Wenn man nicht mehr kann, schaltet man einfach den Motor an", erklärt Klaus Glandien den Interessierten.

Fahrradfahren kann ich gut. Doch mit einem Rollator war ich noch nie unterwegs. "Muss man das denn üben?", frage ich Klaus Glandien.

"Na klar". Er stellt den Rollator auf meine Höhe ein und los gehst. Fußgänger sind Verkehrsteilnehmer und sollen mithelfen, dass sie nicht übersehen werden. "Toll, mein Rollator blinkt", freue ich mich, als mir Glandien die "Ausstattung zeigt. Wir machen einen ersten Test, der mich beindruckt. Brigitte Mayer von der Volkssolidarität Jerichow setzt sich in den Wagen der Verkehrswacht und ich stelle mich in den toten Winkel, den die Verkehrswacht neben dem Auto mit einer Plane ausgelegt hat.

Ich bin 1,8o Meter groß und schiebe ein gefühlt, unübersehbares Vehikel vor mir her. "Ich sehe Sie gar nicht", sagt Brigitte Mayer aus dem Auto. Erschreckend. Die Blinkelichter würden mir da nicht helfen. Doch viele unterschätzen, wie schnell auch Fußgänger unter normalen Sichtverhältnissen übersehen werden", erklärt Glandien.

Weiter geht es zum Kegelparcour. Ich schiebe das "Geschoss" drei Meter und mache schon alles falsch, was man falsch machen kann. "Sie müssen sich aufstützen. Der Rollator soll doch eine Hilfe sein", sagt Gladien. Schon der kleinste Huckel auf dem Übungsplatz zwingt mich, langsam zu laufen. Nicht dass mein Rollator nicht wendig wäre. Doch alle drei Räder zu koordinieren und meine Füße dazwischen zu setzten, ist gar nicht einfach. Und noch was mache ich falsch: "Sie kucken nur auf die Strecke", ermahne mich der Experte. "Wie soll ich denn sonst ordentlich, um die Kegel kommen?", entgegne ich ihm. Deshalb sollten Senioren den Umgang üben, macht Glandien klar. Schieben, hochkucken, auf die Strecke schauen. Wenn ich damit zum Einkaufen wollte, müsste ich auch noch auf den Verkehr achten. Und wäre total überfordert. "Alles eine Frage der Übung", beruhigt mich Glandien.

Die Senioren sind neugierig geworden. Fritz Bierotte geht am Stock, kennt den Rollator nur von seiner Frau, die schon verstorben ist. Der 85-Jährige fährt Auto und erledigt die meisten Dinge des Alltags allein. Den Rollator will er eigentlich noch nicht nutzen. "Man ist ja doch ein wenig eitel" gibt er zu. Das kann ich vollkommen nachvollziehen. Man fühlt sich alt mit dem Gefährt. Fritz Bierotte macht sich gut auf dem Parcour, nimmt sich die Hinweise der Verkehrswacht zu Herzen. Und ist plötzlich schneller unterwegs als zu Fuß.

Uns trennen mehr als 50 Jahre. Doch wir sind uns einig: "Früher oder später, werde ich so ein Ding brauchen". Mit Licht sind wir dann nicht nur mobil, sondern gut sichtbar.

 

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