Mit einem ehrgeizigen Projekt möchte der Filmemacher Matthias Paeper seiner Heimatstadt Genthin ein filmisches Denkmal setzen. In einer Dokumentation soll die Entwicklung der Stadt von den frühesten Ursprüngen bis in die Gegenwart gezeigt werden - aus der Vogelperspektive.

Genthin l "Ich möchte Genthin auf eine ungewöhnliche Weise zeigen", sagt Matthias Paeper. Der junge Filmemacher brennt für seine Idee, für ein Projekt, mit dem er auch die Genthiner begeistern will. Zusammen mit einem Team, das genau so ehrgeizig ist wie er, möchte Paeper die erste Dokumentation über die Kanalstadt aus der Vogelperspektive drehen. "Es ergeben sich ganz neue, sehr spannende Ansichten", beschreibt es der 38-Jährige, der mit seinem Grafik-Design Studio bereits für ARD, ZDF und Vox gearbeitet hat.

"Als Ur-Genthiner ist die Stadt auch nach 15 Jahren in Köln immer meine Heimat geblieben." Jetzt will er die nahezu 1000-jährige Geschichte der Kanalstadt lebendig werden lassen. Von der ersten Siedlung in Altenplathow über die Industrialisierung bis zur Gegenwart. Dabei sollen auch die Veränderungen während des Kaiserreiches, des Dritten Reiches und der Nachkriegszeit nicht ausgespart werden. "Die Stadt hat sich immer verändert. Es wurde gebaut und abgerissen, Moderne und Historie liegen oft dicht beieinander", sagt Paeper und gibt ein prägnantes Beispiel: "Aus der Höhe erkennt man, wie dicht Wasserturm, Trinitatiskirche und Volkspark nebeneinander liegen. Aus der Vogelperspektive kommen sie auf einem Punkt zusammen." Auch die Umrisse der jüngst abgetragenen Wohnblöcke in der Einsteinstraße sind aus der Luft noch zu erkennen.

Oft verkannt: Das Grün der Kanalstadt

Auch sei erst aus der Höhe zu ermessen, wie grün die Stadt sei. Ein Aspekt, der im Alltag oft untergehe. "Wenn man hoch genug über der Stadt herunterschaut, sieht der Marktplatz aus wie ins Grüne gepflanzt." Möglich macht diese Ansichten ein Quadkopter bzw. eine Drohne mit vier Antriebsrotoren, an die eine Kamera gebaut ist. Diese Kamera macht fernsehtaugliche wackelfreie Bilder, die der Dokumentation als spektakuläre Grundlage dienen.

Eine Reise in die Vergangenheit

Als weiteres Element dient die Aufbereitung historischen Fotomaterials mittels einer sogenannten 2,5 D-Technik. Tricktechniker Paeper ist hier voll in seinem Element, wenn er erzählt: "Wir können auf diese Weise Kamerafahrten in der längst vergangenen Geschichte unternehmen. Aus einem flachen zweidimensionalen Bild wird mittels Technik ein filmisches Diorama. Es sei eine filmische Aufarbeitung der Geschichte einer Kleinstadt.

"Die meisten Menschen leben in Städten mit 10 000 bis 20 000 Einwohnern", sagt Paeper. Genthin sei ein ganz typisches Beispiel dafür - aber auch ein Beispiel, wie sich eine Stadt entwickeln könne. "Ich habe einen Mitarbeiter aus der Partnerstadt Datteln." Einer Stadt, die doppelt so groß ist wie Genthin, die aber keine Schwimmhalle, keinen Personen-Bahnhof, keine Disko und kein Kino habe. "Die Menschen sollen mit dem Film auch sehen, was sie an ihrer Stadt haben. Nur weil am Sonnabendnachmittag niemand mehr auf dem Marktplatz ist, heißt es nicht, dass die Stadt tot ist."

Das Projekt stieß in Genthin bereits auf erste positive Resonanz. Bürgermeister Thomas Barz hatte nach einem Besuch des Filmemachers im Rathaus seine Unterstützung angeboten. Auch einige alte Genthiner Bekannte, unter anderem Dirk Ballerin, werden an dem Projekt mitwirken. Er soll für die klangtechnische Abmischung zuständig sein. "Wir werden einen professionellen Sprecher engagieren, um die Produktion auch in diesem Bereich hochwertig werden zu lassen", sagt Paeper. Im Genthiner Union-Kino soll Ende des Jahres die Premiere der Dokumentation stattfinden. Zuvor steht aber viel Arbeit an. Im August wird der Drehplan für den etwa 60-minütigen Film stehen. Im September sollen die Aufnahmen in Genthin entstehen. "Zu dieser Zeit werde ich im Stadtarchiv und im Kreismuseum historisches Material recherchieren. Außerdem muss das Manuskript fertiggestellt werden." Im Oktober wird die Post-Produktion des Films beginnen, bevor im Dezember der fertiggestellte Film vorgeführt wird. Nicht nur im Kino, auch als DVD und Blu-ray, soll die Dokumentation erhältlich sein.

   

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