Die vieldiskutierte Neugestaltung des Mahnmals in Genthin-Wald rückt in greifbare Nähe. Möglicherweise schon im September kann das Vorhaben in Angriff genommen werden.

Genthin l Als sich die Sitzung des Bau- und Vergabeausschusses am Dienstag schon ihrem Ende entgegen neigte, meldete sich noch einmal Franz Schuster (Ländliche Wählergemeinschaft Fiener) zu Wort.

Er wolle wissen, was aus dem Mahnmal in Genthin-Wald werde. "Wir haben uns vor eineinhalb Jahren im Stadtrat den Mund fusselig geredet und haben eine Entscheidung getroffen. Bis jetzt, das habe ich bei einer Durchfahrt festgestellt, ist immer noch nichts geschehen", zeigte sich der Paplitzer deutlich verärgert.

Fachbereichsleiterin Dagmar Turian konnte daraufhin darlegen, dass inzwischen durchaus Bewegung in die Angelegenheit gekommen ist.

Schusters Unmut ist verständlich. Ein Rückblick: Seit mehr als eineinhalb Jahren liegt das Mahnmal Genthin-Wald in geschändetem Zustand brach. Im Februar 2013 wurde die bronzene Frauenskulptur von der Erinnerungsstätte in einer Nacht-und Nebel-Aktion gestohlen.

Die Ermittlungen der Polizei führten, was bisher nicht öffentlich wurde, zum Erfolg. Ein dringend Tatverdächtiger aus Dessau, der polizeibekannt ist, konnte dingfest gemacht werden. Das Verfahren wurde im weiteren Verlauf an die Staatsanwaltschaft Dessau abgegeben, gab Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch zur Auskunft. Demnächst erwartet den Dieb ein Gerichtsverfahren. Die Skulptur wurde allerdings nicht mehr aufgefunden.

Davon ging auch der Stadtrat zu keinem Zeitpunkt aus. Deshalb entschied er im Herbst des vergangenen Jahres, dass die Betonwand, vor der die gestohlene Frauenfigur an das Leid der KZ-Häftlinge erinnerte, mit einem Kratzputz, einem sogenannten Sgraffito, gestaltet werden soll.

An die Magdeburger Grafik-Designerin Gudrun Seffers erging daraufhin der Auftrag zur Gestaltung eines Entwurfs. Sie legte fünf Entwürfe vor. Die Entscheidung für eine endgültige Variante erfolgte gemeinsam mit der 90-jährigen Künstlerin Ursula Schneider-Schulz aus Magdeburg, bei der die Urheberrechte für das Denkmal liegen.

Die Gestaltungsvariante habe inzwischen durch die Untere Denkmalschutzbehörde und durch das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie die Zustimmung erhalten, konnte Fachbereichsleiterin Dagmar Turian den aktuellen Fortgang der Neugestaltungspläne belegen.

Jetzt stünde ein weiteres Gespräch mit der Urheberin an. Zugleich müssten Gespräche mit Fachfirmen geführt werden, bevor dann die Ausschreibung und die Auftragserteilung in Angriff genommen werden können. Die Fachbereichsleiterin rechnet damit, dass Ende September die Neugestaltung abgeschlossen sein kann.

Im Haushalt sind für dieses Vorhaben 20 000 Euro eingestellt.

Dagmar Turian rief den Ausschussmitgliedern in Erinnerung, dass der Baulastträger, der Bund, einen Antrag zum Aufstellen von Schildern, die auf die Anlage des KZ-Außenlagers hinweisen würde, bereits vor mehr als zwei Jahren abgelehnt hat.