Wenn Rasenmäher nicht gemütlich über die Wiese tuckern, sondern mit 80 Sachen um die Wette rasen, dann veranstaltet Rainer von Ende auf dem Rodelberg sein Rasentraktorrennen. Die 15. Auflage gab es am Sonnabend.

Genthin l Idyllisch liegt er da, der Genthiner Rodelberg. Eine große Traube Zuschauer schaut ihm erwartungsvoll entgegen. Knatternde Motoren heizen die Stimmung an. "Der Berg ruft", sagt Moderator DJ Kreitling. Sein Sohn Lian Steffan hält ein Schild in die Luft, noch 20 Sekunden.

Als das Startsignal erklingt, ist es mit der Idylle vorbei. Die Motoren der Rasentrecker machen richtig Krach. Die Zuschauer, die Veranstalter Rainer von Ende anfeuern, der mit der Startnummer 16 aussichtsreich auf Platz 4 liegt, machen die Geräuschkulisse komplett. Staub wirbelt durch die Luft.

In sein Gefährt hat von Ende fast so viel Zeit gesteckt wie in die Organisation dieser Veranstaltung, bei der die Rasentraktoren bereits zum 15. Mal um den Landesmeistertitel fahren. "Das beste von allem kommt hier zusammen", sagte von Ende vor dem Rennen und streichelte dabei liebevoll über den Lenker seines Traktors. Der Motor stammt aus einer Baumaschine, die Kette vom Motorrad, die Hinterachse ist Renntechnik aus dem Gokart. Es ist bereits von Endes vierter Trecker. Vor drei Jahren hat er ihn gebaut. "Aber fertig wird der nie. Nach jedem Rennen lernt man dazu und baut um."

Das Tüfteln scheint etwas gebracht zu haben. Zwar muss von Ende zwei andere Trecker passieren lassen, doch als die Hälfte der Rennzeit vorbei ist, liegt er noch immer auf Platz 6 in der offenen Klasse. Nicht schlecht für einen, der im vergangenen Jahr noch ausgeschieden ist und von sich sagt: "Ich hatte viel zu wenig Zeit zum Trainieren. Schließlich musste ich die Veranstaltung organisieren."

Von Ende startet in der offenen Klasse. Das sind die Rasentraktoren, die wegen der festen Hinterachse besonders schnell werden. Vorher waren die Gefährte der seriennahen Klasse dran. Auch sie erreichen Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern pro Stunde.

Ein bisschen hektisch wurde es vor dem Startschuss beim Team "Pfingstracer Dornstedt". Der Rasentraktor von Maik Tietz verlor bei der Einlaufrunde Sprit. Maiks Freundin Susann Kurkhaus wirkte vor dem Rennen deutlich nervöser als ihr Freund, der mit dem Abdichten des Treckers beschäftigt war. "Er macht das ja noch nicht so lange, ich habe schon ein bisschen Angst um ihn", sagte Susann. Dabei liegt das Rasentreckerfahren in der Familie. Ihr Vater Jörn Kurkhaus gehört in der seriennahen Klasse zum Favoritenkreis. "Papa ist unser Kandidat für den Pokal. Bei Maik sind wir erst mal froh, wenn er nicht vom Trecker fällt", fasst Susann die Erwartungen der Dornstedter zusammen.

Später steht sie an der Strecke und jubelt. Maik bleibt nicht nur auf dem Trecker, er erkämpft sogar den vierten Platz, während Papa Jörn tatsächlich den Pokal und damit den Landesmeistertitel nach Dornstedt holt. Auch der dritte Platz geht in die Stadt im Saalekreis. Nämlich an Uwe Schmidt, der sich mit dem Ergebnis sehr zufrieden zeigt. "Für dieses Hobby braucht man schon eine kleine Macke", sagt der 43-Jährige, der sich von seinen Kumpels dazu hat "breitschlagen lassen", sich einen Rasentraktor zu bauen. "Aber wenn du dann mit so einem Ding, das du eigenhändig angefertigt hast, Spitzengeschwindigkeiten erreichst und vorne mitfahren kannst, dann ist das ein tolles Gefühl."

Das kann auch Rennleiter Steffen Frank aus Genthin bestätigen. Vier Jahre lang war er in der offenen Klasse selbst am Start. "Das ist gesundheitlich nicht mehr drin", sagt er und zeigt bedauernd auf seinen Nacken. "Und die Rennleitung muss ja auch jemand übernehmen." Auch für die Siegerehrung, bei der die Stimmung ihren Höhepunkt erreicht, ist Steffen Frank zuständig. Erst gegen Abend haben die letzten Rasentrecker das Gelände verlassen.

Und der Rodelberg? Liegt nun wieder idyllisch da. Bis zum nächsten Jahr, wenn es am 8. August zum 16. Mal heißt: "Der Berg ruft."

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