Der Traum von der Zeitmaschine wird in der Heimatstube im Mützeler Preußenhaus wahr. Bis ins Jahr 1701 können die Besucher zurückreisen. Inklusive Erläuterungen von Ortschronist Wolfgang Ermisch.

Mützel l In der Ecke steht ein Butterfass, alte Puppen sitzen in den Dachschrägen und scheinen die Besucher zu beobachten. An den Wänden finden sich Dokumente und schwarz-weiß Bilder. Hefter und Bücher laden zum Hineinblättern ein.

Wolfgang Ermisch zeigt auf die Schautafel an der Wand. Friedrich der II. schaut den Besuchern entgegen. "Für Mützel spielt der Alte Fritz eine große Rolle", sagt Ermisch. Ließ er das Dorf doch errichten, sorgte für den Bau von Kirche und Schule und schließlich für die Entwässerung des Fiener Bruchs. "Hier gewesen ist er allerdings nie", schränkt Ortschronist Ermisch ein. "Aber dran vorbei gefahren ist er sicherlich öfter."

"Wo heute Spielplatz ist, war früher nur Wasser"

In den zwei Räumen der Heimatstube hat Wolfgang Ermisch die Geschichte seines Ortes liebevoll nachgezeichnet. Dabei geht er auf die Geschichte des Staates ebenso ein wie auf die des Preußendorfes. Jeden Donnerstag öffnet er die Stube für Besucher, heute ist eine Gruppe aus Zerben angereist. "Was ist das?", fragt einer von ihnen und zeigt auf ein Bild an der Wand.

"Die alte Dorfkahnschleuse", erklärt Ermisch. Und führt aus, dass da, wo heute der schöne Holzspielplatz zum Toben einlädt, früher alles voller Wasser war.

An der anderen Wand findet sich ein Stammbaum Edlef Köppens. "Sein Opa war Land- und Gastwirt in Mützel. Seine Kneipe gibt es heute allerdings nicht mehr", sagt Ermisch. Und empfiehlt seinen Gästen Köppens Buch "Heeresbericht", in dem der Genthiner Schriftsteller seine Erfahrungen im Ersten Weltkrieg beschreibt. Die Namen der Mützeler Kriegsopfer sind auf einer Tafel verewigt, die in der Kirche hängt. "Die habe ich im Dreck gefunden", erzählt Ermisch der Besuchergruppe aus Zerben. Die Tafel wurde gereinigt und erinnert nun an dieses schreckliche Stück Mützeler Geschichte.

Aber auch erfreulichere Themen finden in der Heimatstube Platz. Zwei Schautafeln widmen sich der Kirchen- und Schulgeschichte. "Das war früher eng verknüpft", erzählt der Ortschronist. Und lässt seine Gäste wissen, dass Kirche wie Schule 1767 auf Geheiß Friedrich des II. erbaut wurden.

Für Einheimische besonders interessant dürften die alten Klassenfotos sein. So manch Besucher hat sich oder seine Vorfahren darauf wiedererkannt, erzählt Ermisch.

Wer über Mützel redet, darf die Mühlen nicht auslassen. Zwei Stück gab es ursprünglich, eine wurde 1973 "vom Sturm weggeblasen". Die andere steht noch am Ortsausgang, Richtung Hüttermühle. Sie ist im Besitz von Klaus Kageler, dessen Großvater sie um 1900 kaufte. Jedes Jahr zum Mühlentag erklärt Kageler bereitwillig, was es mit der Bockwindmühle auf sich hat. Auch Führungen werden dann angeboten.

Die Zerbener Besucher wenden sich von der Mühle ab und der Fotowand mit Bildern von der Heuernte und der alten Schmiede zu. Auch das Landschulheim, in dem Kinder nach 1945 Ferien im Preußendorf machen konnten, ist hier abgebildet. Wer sich intensiver informieren möchte, kann in der Chronik nachschlagen. Zum Nachschlagen liegen auch etliche Hefter bereit, viele Seiten darin sind von Hand beschrieben.

"Die Liebe zu Mützel ist geblieben"

Viel Arbeit und Zeit hat Ermisch in die Recherche und Dokumentation der Dorfgeschichte investiert. Angegangen hat alles im Jahr 2000 als ABM-Maßnahme. "Dieter Rohr hat mir bei meinen Recherchen sehr geholfen", blickt Wolfgang Ermisch auf die Anfänge der Heimatstube zurück. Der Genthiner Historiker Rohr war es auch, der mit ihm ins Preußenarchiv nach Berlin fuhr. Auch in Magdeburg und Potsdam sind sie fündig geworden. Außerdem wurden Kirchenbücher studiert und die Dorfältesten befragt.

Ermisch, der Hallenser war, bevor er 1992 Mützeler wurde, hat sein Herz nicht nur an die Heimatforschung verloren, sondern auch an das kleine Dorf an der Zernau. "Hergekommen bin ich der Liebe wegen. Diese Liebe ist vergangen, aber die Liebe zu Mützel ist geblieben."

Geblieben ist auch Ermisch, der nach Auslaufen der ABM-Maßnahme ehrenamtlich zu Mützels Geschichte forscht. Ein Ende ist nicht in Sicht. "Fertig wird man nie, es gibt immer etwas Neues zu entdecken."

Die Mützeler Heimatstube (Käthe-Kollwitz-Platz) ist donnerstags ab 15 Uhr und nach Absprache unter (039 33) 80 78 82 geöffnet.