Von Schnee ist Genthin seit fast vier Wochen verschont geblieben. Ruhe um den Winterdienst gibt es dennoch nicht. Die Firma, die der Stadt drei Räumfahrzeuge vermietet hat, kritisiert den "wenig fachmännischen" Umgang mit den Unimogs. Unter Umständen steht der Stadt eine Klage ins Haus.

Genthin. Das öffentliche Lob für den Winterdienst des städtischen Bauhofs, das Mitte Januar auf der Sitzung des Genthiner Hauptausschusses ausgesprochen wurde, ist von der brandenburgischen Firma, die die drei Räumfahrzeuge an die Stadt verliehen hat, mit wenig Verständnis aufgenommen worden. Der Einsatz der Unimogs sei teilweise nur möglich gewesen, weil die Fahrzeuge immer wieder repariert worden seien, manchmal sogar in den Nachtstunden. Einige, aber nicht alle Fahrer seien wenig fachmännisch mit der Technik umgegangen.

Neben der Kritik an dem Zustand der Räumfahrzeuge führt das Unternehmen in einem Brief an die Volksstimme an, dass es auf den "bisherigen Forderungen aus Reparaturrechnungen und den nun fast völlig zerstörten Fahrzeugen wahrscheinlich bis zu einer gerichtlichen Klärung sitzen bleiben" wird. Außerdem seien die Mieten nicht pünktlich gezahlt worden. Es könne also nicht verwundern, wenn "kaum noch ein privatwirtschaftliches Unternehmen mit kommunalen Verwaltungen zusammenarbeiten möchte".

Dass die Fahrer auf den Räumfahrzeugen teilweise eine Eingewöhnungsphase benötigt haben, hatte Bürgermeister Wolfgang Bernicke ebenfalls vor dem Hauptausschuss Mitte Januar schon eingeräumt (Volksstimme berichtete). Nach dem technischen Zustand der Unimogs hatte sich damals Heinrich Telmes (Pro Genthin) erkundigt.

Gutachter wurde eingeschaltet

Der Leasingvertrag zwischen der Stadt Genthin und der brandenburgischen Firma regelt die Inanspruchnahme der Fahrzeuge, die Reparaturleistungen und die Zahlungsverpflichtungen.

Dass es seit der Übernahme und des Einsatzes der drei Unimogs Schäden und Reparaturbedarf gebe, bestätigte Bauamtsleiterin Dagmar Turian auf Nachfrage der Volksstimme. Die Firma habe zwei Rechnungen zur Begleichung der Reparaturkosten gestellt. Posteingang war laut Stadtverwaltung am 13. und am 18. Januar.

"Der Gegenstand der Rechnungen ist mehrheitlich als strittig darzustellen, da Eigenverschulden der Mitarbeiter gegen nicht beeinflussbare Schäden an Altfahrzeugen abzuwägen sind", erläuterte die Bauamtsleiterin.

Für eine fachgerechte Bewertung sind technische Überwachungen und der Einsatz eines Gutachters veranlasst worden. "Im Ergebnis dessen sollte dann zweifelsfrei festgestellt werden, zu wessen Lasten diese Schäden zu begleichen sind", setzte Dagmar Turian hinzu. Die Stadt werde ihren vertraglich vereinbarten Verpflichtungen nachkommen.

Unimogs zurück in Brandenburg

Vorbehaltliche Abschlagsrechnungen habe die Firma nicht akzeptiert. Stattdessen seien die Fahrzeuge zurückgenommen worden.

Den Winterdienst 2010/11 hatte der städtische Bauhof übernehmen müssen, weil trotz Ausschreibungen keine Firma gefunden worden war. Von Ende November bis Anfang Januar hatten die Männer gleich sechs schnee- und eisreiche Wochen zu bewältigen.