Wohlfühlmomente in den eigenen vier Wänden sind für einige Mieter im Hohenbelliner Weg in Brettin zur Zeit rar. Mehrere Mieter klagen über die Zustände. Und stoßen bei ihrem Vermieter auf wenig Verständnis.

Brettin l Wer Dietmar Mahrenholz in diesen Tagen besuchen will, muss geduldig sein. Auf Klingelzeichen reagiert er nicht. Kein Wunder, die Klingeln an seinem Block funktionieren seit Wochen nicht. Gleiches gilt für die Beleuchtung im Treppenhaus. Mahrenholz wohnt im Hohenbelliner Weg in Brettin. "Im Winter war es in der Wohnung eiskalt", kritisiert er. Besitzer des Objekts ist die Immobilienvermietung Elsner aus Tangerhütte. Vermieter Hans-Jörg Elsner macht keine Hoffnungen auf Reparaturen. "Der Block wird abgerissen. Wir sanieren nichts mehr." Elsner geht noch einen Schritt weiter: "Nächste Woche wird das Wasser abgestellt." Die Mieter wüssten seit Dezember 2013, dass sie raus müssen. Neben Mahrenholz leben hier noch zwei weitere Mietparteien, alle anderen Wohnungen stehen leer.

"Wenn der Block leer steht, kann er auch abgerissen werden", sagt Jerichows Bürgermeister Harald Bothe. Die Stadt unterstützt den Abriss, genehmigen muss ihn der Landkreis. Das steht noch aus. "Wir sind daran interessiert, günstigen Wohnraum vorzuhalten", sagt Bothe. In der Region gebe es davon allerdings genug. "In Kleinwusterwitz, Schlagenthin und Jerichow zum Beispiel."

Auf dem Außengelände der Wohnanlage wuchert Unkraut, Schutt liegt herum, im Sandkasten finden sich Betonblöcke. "Das Haus wird abgerissen. Da machen wir auch draußen nichts mehr", erklärt Elsner.

Das stört nicht nur die Mieter im Haus, das abgerissen werden soll, sondern auch die im Block nebenan. Auch dieser ist im Besitz der IVG Elsner.

"Die Betonblöcke im Sandkasten sind gefährlich", sagt Mieter Stefan Potyka. Außerdem stören ihn das Unkraut und der Schutt. In seiner Wohnung geht der Ärger weiter. "Wir haben unreines Wasser", sagt Potyka und zeigt Fotos vom Waschbecken, das mit einer gelben Brühe vollgelaufen ist. "Das kommt mal vor", sagt Hans-Jörg Elsner. Und verweist darauf, dass das Wasser mittlerweile wieder sauber aus der Leitung kommt.

Das neue Heizhaus ist in Arbeit

"Nach einem Blitzeinschlag hatten wir tagelang kein warmes Wasser", führt Stefan Potyka weiter aus. "Für das Wetter kann ich nichts", kommentiert Vermieter Elsner. Ein neues Heizhaus sei in Arbeit, so lange laufen die Anlagen durch Handbetrieb. Das heißt, der Hausmeister muss mehrmals täglich Wasser nachfüllen. Pikant: Als Hausmeister arbeitet hier Dietmar Mahrenholz, der Mieter ohne funktionierende Klingel und Treppenbeleuchtung aus dem Block, der abgerissen werden soll. Er arbeitet vier Stunden in der Woche. Lohn habe er dafür laut eigener Aussage seit Monaten nicht gesehen. "Stimmt", sagt Arbeitgeber Hans-Jörg Elsner. "Weil er Mietschulden bei mir hat."

Zurück in die Wohnung von Stefan Potyka. "Meine Wohnzimmertür lässt sich nicht schließen, Badewanne und Toilettenbecken sollten ausgetauscht werden und die Beleuchtung im Treppenhaus funktioniert nicht."

Potyka sagt, er hätte den Vermieter mehrmals auf die Missstände hingewiesen. "Das mit der Treppenbeleuchtung höre ich zum ersten Mal", sagt dagegen Hans-Jörg Elsner auf Volksstimme-Nachfrage. Und sichert zu, sich darum zu kümmern. In der Wohnung von Stefan Potyka wolle er dagegen nichts unternehmen. Auch er hätte bei ihm Mietschulden. Potyka sagt dazu: "Bis Juni 2014 haben wir jeden Monat pünktlich die Miete gezahlt." Dann hätte er die Zahlungen eingestellt, weil die Mängel nicht behoben wurden.

Miete nur nach Absprache mindern

Noch immer gebe es kein heißes Wasser. "Um duschen zu können, muss ich das Wasser eine viertel Stunde laufen lassen", sagt Potyka. Über die mangelnde Kooperation Elsners klagen auch andere Mieter. "Ich hatte einen Monat keinen Strom", sagt zum Beispiel Kathlen Meiler. "Um den Elektriker musste ich mich selber kümmern." Im Flur brenne noch immer kein Licht.

Kaltes Wasser, kaputte Klingeln, Schutt auf dem Gelände - das alles seien Gründe, die Miete zu mindern, sagt Sigrid Kubica vom Mieterverein Magdeburg. Dies könne man aber nicht einfach so tun, sondern man müsse sich an die gesetzlichen Rahmenbedingungen halten. Das bestätigt auch Frank Schulze vom Brandenburger Mieterverein. Er rät den Betroffenen, sich an einen Fachanwalt für Mietrecht zu wenden.

Es gibt aber auch andere Stimmen im Hohenbelliner Weg. "Die Kritik ist übertrieben", sagt Uwe Heinrich. Zwar habe auch er eher lauwarmes, als heißes Wasser, aber damit könne er leben, schließlich sei das neue Heizhaus in Arbeit. "Ich wohne hier seit 1995 und fühle mich sehr wohl."

   

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