Das Jerichower Oldtimertreffen wird bei immer mehr Fans auch von weiter her zu einer festen Größe im jährlichen Terminplan. Insbesondere am Sonnabend waren noch mehr Gäste also im Vorjahr auf dem Gelände hinter der Klosterkirche. Auch Ausfahrt und Teilemarkt kamen super an.

Jerichow l "Erst dachte ich, es wären weniger Besucher als voriges Jahr, aber danach zu urteilen, was alles gegessen wurde, müssen es wohl doch mehr gewesen sein", scherzte Gerold Giese, Vorsitzender der Jerichower Oldtimerfreunde. Zwei Grillschweine, zusammen 150 Kilogramm schwer, 600 Grillwürste und jede Menge Kuchen wurden "verdrückt". "Wir sind 24 Mitglieder, und jede der Frauen hat mindestens zwei Kuchen gebacken", berichtete Giese.

Er und seine Vereinsfreunde freuen sich sehr über den Erfolg ihres Oldtimertreffens, das mit dem Superwetter das I-Tüpfelchen bekam. Während des kurzen Regengusses am Sonnabendnachmittag waren zum Glück die Teilnehmer an der Ausfahrt schon wieder zurück auf dem Hof.

Die Ausfahrt lief diesmal etwas anders ab als gewohnt. Uwe Kemnitz, der dafür den "Hut auf hatte", erklärte das: "Wir hatten dieses Jahr das Problem, dass nur zwei von uns bei der Ausfahrt dabei sein konnten. Die anderen mussten das Fest betreuen." Als Streckenbegleiter würden aber mehr Ortskundige gebraucht, weil nicht 30 Fahrzeuge einfach so als Konvoi fahren dürften. Es muss also in mehreren Gruppen gefahren werden.

So kam die Idee, nach den international gültigen Zeichen für eine Oldtimerrallye zu fahren, sagte Uwe Kemnitz und zeigte drei der Schilder, die auf der Strecke ausgehängt wurden: Ein Ring bedeutet - angelehnt an einen Kreisverkehr - rechts abzubiegen, ein Quadrat heißt Linksabbiegen und ein Dreieck, dass geradeaus zu fahren ist.

So konnte jeder individuell entsprechend der Straßenverkehrsordnung die Strecke abfahren, ohne Angst haben zu müssen, sich zu verfahren, und das klappte auch gut. Einer der Jerichower fuhr als Erster und einer als Sicherheitsposten hinterher. Etwa 25 Fahrzeuge waren dabei, darunter ein Trabi mit Wohnanhänger, eine alte Feuerwehr, ein Barkas, Zweiräder der Marken S 51, MZ und andere - eine bunt gemischte Truppe also.

Die Strecke führte diesmal Richtung Mangelsdorf, dann weiter über Wust, Briest, Wulkow nach Redekin und zurück nach Jerichow.

Sehr gut angenommen wurde der Teilemarkt - auch der spricht sich unter Oldtimerfreunden immer mehr herum.

Viele Besonderheiten von "Horch 6" bis Polizei-MZ

Es war auch wieder so manche besondere Attraktion unter der alten Technik, die zum Treffen mitgebracht wurde. Und an jeder hängt eine ganz individuelle Geschichte.

Zu den größeren besonderen Fahrzeugen zählte ein Lkw "Horch 6", Baujahr 1957. Der Besitzer kommt aus Menz und war gerade auf dem Rückweg von einem Treffen an der Küste.

Ebenfalls auf dem Rückweg von einem anderen Treffen war Imke Siemens aus Hamburg: Mit ihrer MZ auf dem Hänger kam sie vom Oldtimertreffen in Woltersdorf. Warum die gebürtige Hamburgerin ein MZ-Fan wurde, ist auch so eine besondere Geschichte: "Mein Vater hatte 1976 eine MZ aus dem Neckermann-Katalog bestellt. Das ging damals! Als Zwölfjährige bin ich darauf mitgefahren."

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands hat sie dann selbst versucht, eine MZ zu bekommen. Es sollte eine vollverkleidete sein. So ergatterte sie eine ehemalige Polizeimaschine aus Stralsund. Der Schriftzug "Volkspolizei" ist noch zu erkennen. Leider war aber nicht mehr alles original, sagt sie.

Sie hat sich diese MZ als Tourenmaschine aufgebaut. 1994 fuhr sie damit zum Oldtimertreffen nach Rochlitz (Sachsen) und hatte unterwegs Motorschaden. Das erwies sich dann sogar als Glücksfall, denn sie fand eine Werkstatt, wo der Schaden solide in Ordnung gebracht wurde. "In Rochlitz habe ich dann gleich zwei Preise bekommen: den für die weiteste Anreise und den für den Pechvogel", lacht Imke Siemens, die übrigens auch noch Simson und Sperber fährt...

Für die Jerichower Oldtimerfreunde gibt es nach diesem Wochenende keinen Zweifel, dass es weitergehen wird mit diesen Veranstaltungen. Und die Ausfahrt werde nun sicher weiterhin ähnlich wie eine Rallye gestaltet, meint Gerold Giese. Denn das kam gut an. "So können auch ganz unterschiedliche Fahrzeuge teilnehmen. Die Mopeds zum Beispiel sind ja langsamer als die Motorräder oder Autos." So brauche sich keiner vernachlässigt fühlen, weil er mit seinem Fahrzeug nicht schnell genug hinterherkommt. So wird auch diese Tour noch attraktiver.

   

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