Mehrere tausend Euro hat die Stadt Genthin in eine Wärmebildkamera für die Feuerwehr investiert. Dass das gut angelegtes Geld ist, zeigt Wehrleiter Achim Schmechtig während einer Vorführung in der Übungswohnung.

Genthin l In der kleinen Wohnung sieht man nichts. Es ist stockdunkel, heiß und voller Rauch. Achim Schmechtig beschreibt den 29. Juni 2012, als wäre es gestern gewesen. "Solche Momente vergisst man nicht", sagt der Leiter der Genthiner Feuerwehr. An diesem Tag brannte in der Gillhoffstraße eine Wohnung, schnell war klar, dass sich drinnen noch eine Person befand.

Etwa 17 Minuten kann ein Mensch in einem verrauchtem Raum überleben. Wenn man bedenkt, dass die Feuerwehr laut Gesetz zwölf Minuten Zeit hat, um nach der Alarmierung am Ort des Brandes zu sein, bleiben noch fünf, um die Person zu finden. Im seitlichen Kriechgang wird der Raum nach einem bestimmten Schema abgesucht, zuerst an den Wänden entlang, dann ins Innere vordringend... So lief auch der Einsatz im Juni 2012 in der Gillhoffstraße ab. Erfolgreich, die Person konnte gefunden und reanimiert werden. "Das ist aufwendig, kräftezehrend und nervenaufreibend", sagt Schmechtig. "Vor allem, wenn man im Kopf hat, dass jede verlorene Sekunde über Leben und Tod entscheiden kann."

Der seitliche Kriechgang gehört für die Genthiner Feuerwehrleute zur Vergangenheit. Dank der neuen Wärmebildkamera können sie nun durch den Rauch "hindurchschauen". In der Übungswohnung auf dem Gelände der Feuerwehr demonstriert Achim Schmechtig mit Dirk Röber und Marcel Otto, die beide Atemschutzgeräteträger sind, wie so ein Einsatz heute, nach Anschaffung der Kamera, ablaufen würde.

Die Männer stürmen den Raum. Schmechtig geht vor, in der Hand die Kamera. Trotz der Dunkelheit weiß er, dass sein Kollege Dirk Röber sich am Ende des Flurs aufhält. Die Kamera zeigt es ihm an. "Sie erkennt alles, was Temperatur abgibt und macht es auf dem Bildschirm sichtbar", erklärt Schmechtig. Durch die Infrarotmesstechnik sieht man innerhalb von Sekunden, wo sich Personen befinden. Auch Marcel Otto, der bei der Übung das Opfer mimt und eingehüllt in eine Decke auf dem Bett im Nebenraum liegt, wird von Schmechtig dank der Kamera innerhalb weniger Sekunden gefunden.

Außerdem kann er sofort erkennen, wo es brennt. "Ohne die Kamera sieht man sonst nur Rauch. Die eigentlichen Brandherde kann das menschliche Auge nicht so schnell identifizieren", erklärt Dirk Röber.

Für die Feuerwehrleute wird der Einsatz durch die Kamera sicherer. Nicht nur, weil das Gerät die Orientierung erleichtert. "Durch unsere Schutzkleidung merken wir relativ spät, wie heiß es eigentlich ist", sagt Schmechtig. Es kann also passieren, dass sich Einsatzkräfte bei 300 Grad noch im brennenden Objekt aufhalten, obwohl solche Temperaturen lebensgefährlich sind. "Mit der Kamera hat man eine bessere Orientierung." Außerdem hilft sie bei der Personensuche im Dunkeln, bei der Feststellung von Gewässerverschmutzungen und bei der Füllstandbestimmung von Behältern. Die erste Wärmebildkamera wurde im Jerichower Land bereits 1997 angeschafft. "Für das fahrende Labor der Umweltfeuerwehr", sagt Schmechtig. Mittlerweile gibt es die Geräte auch in den Wehren Burg, Gommern, Schopsdorf und nun auch in Genthin.

Alle Einsatzkräfte der Genthiner Wehr erhalten nun eine Einweisung für das neue Geräte. Vorrangig werden die Atemschutzgeräteträger mit der Kamera vertraut gemacht. "Die gehen rein, wo andere rausrennen", sagt Schmechtig. "Bei solchen Einsätzen hilft diese Technik enorm."