Der Sachsen-Anhalt-Melder (SAM) ist zu einem festen Bestandteil der Genthiner Verwaltungsarbeit geworden. Rund 220 Hinweise haben aufmerksame Bürger im vergangenen Jahr online an die Stadt gemeldet.

Genthin l "Wir haben im stadteigenen Computersystem die Übersicht über alle Meldungen", sagt Bürgermeister Thomas Barz. Insgesamt sind seit dem Start vor einem Jahr rund 220 Meldungen eingegangen. "Wir sieben hier doppelte und unsinnige Hinweise vor der Veröffentlichung aus."

Über den Rechner des Bürgermeisters laufen die eingegangenen Meldungen und werden an die entsprechenden Fachbereiche weitergeleitet. 154 Hinweise von Bürgern waren bis zum gestrigen Nachmittag veröffentlicht worden. Zu zwei Dritteln sind es Meldungen zu defekter Straßenbeleuchtung. Auch wilde Müllkippen, nicht geleerte Mülltonnen, wucherndes Grün oder fehlende Straßenschilder sind häufig genannte Mängel. Der Melder wurde heute vor einem Jahr als Pilotprojekt gestartet. Damals gab Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) das Portal frei. "Mit dem System soll neben mehr Transparenz, eine einfachere und schnellere Kommunikation der Bürgerinnen und Bürger mit der Verwaltung ermöglicht werden", hoffte er damals.

Genau das sei auch eingetreten, sagt Thomas Barz. Denn zu jedem veröffentlichten Sachverhalt geben die Bearbeiter der Stadt einen Kommentar ab. Zudem zeigt ein Ampelsystem den Bearbeitungsstand an. Dass der Melder eine Art Meckerkasten für unzufriedene Bürger ist, kann der Bürgermeister nicht bestätigen im Gegenteil: "Die Qualität der Hinweise ist zum großen Teil sehr gut und wir können damit arbeiten. Ausgesiebt würden Meldungen mit namentlicher Nennung von Verursachern und Werbeeintragungen, die auch vorkommen. Ein Problem habe sich dennoch ergeben. "Wenn uns Straßenzüge gemeldet werden, die insgesamt in einem schlechten Zustand seien, können wir diese Schäden nicht in kurzer Zeit beheben." Diese Hinweise, werden wie gewöhnliche Eingaben in der Verwaltung weiterbearbeitet und tauchen nicht im Melder auf. Dennoch können sie dort eingegeben werden.

In Sachsen-Anhalt gibt es das Meldesystem mittlerweile unter anderem auch in Halle, Wolmirstedt und Magdeburg. In der Landeshauptstadt wurde vor einigen Wochen eine positive Halbjahresbilanz gezogen.

Allein in den ersten zwei Wochen nach dem Start des MD-Melders gingen mehr als 300 Meldungen ein, weshalb die Bearbeitungszeiten anfangs deutlich höher waren, als geplant. "Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase sind wir aber mittlerweile in der Lage, alle Bürgerhinweise innerhalb kurzer Zeit zu beantworten, auch wenn damit, dass das Problem nicht automatisch gelöst ist", resümiert Frank Ehlenberger, Leiter des Fachbereiches Bürgerservice und Ordnungsamt bei der Stadt Magdeburg. Die eingehenden Mitteilungen bewegen sich wie in Genthin zumeist im Bereich Straßenbeleuchtung, Müllablagerungen oder Wildwuchs. 97 Prozent der insgesamt 1550 Meldungen wurde erfolgreich abgearbeitet. Monatlich gehen 180 Hinweise ein.

Etwa ein Drittel aller gemeldeten Mängel fallen nicht in die Zuständigkeit der Stadtverwaltung, sondern betreffen beispielsweise andere Unternehmen und Behörden oder auch Privatpersonen. "Die Meldungen werden weitergeleitet und die Bürger über die Bearbeitung informiert", so Ehelnberger. Falsch gewählte Kategorien machen rund ein Fünftel der Eingänge aus. Dort will die Stadt Magdeburg die Kategorien um weitere Auswahlmöglichkeiten erweitern.

Während der Sachsen-Anhalt-Melder noch eine recht neue Form der Online-Kommunikation zwischen Bürgern und Verwaltung ist, gibt es das Hinweissystem in der Form des Maerkers im Land Brandenburg bereits seit fast fünf Jahren. Auch dort stößt das System auf eine hohe Resonanz berichtet Wolfgang Brandt, Sprecher des brandenburgischen Innenministeriums. "Heute bieten 60 Kommunen in Brandenburg und drei Bezirke in Berlin diesen Dienst." Da die Meldungen beim landesweiten Maerker zusammengeführt werden, sind in den fünf Jahren mehr als 26000 Hinweise im Internet eingegangen.

Manche Zusendungen regen auch zum Schmunzeln an. "Einmal hat eine ältere Dame das Portal genutzt, um sich öffentlich bei einem Mitarbeiter des Grünflächenamtes zu bedanken, der ihr die heruntergesprungene Fahrradkette wieder befestigt hatte", berichtet Brandt. In einem anderen Fall habe ein Feriengast den Vorschlag gemacht, Umkleidekabinen am nahegelegenen Badesee aufzustellen. "Dazu hat er über die Fotofunktion eine eigene Konstruktionsskizze für die Kabinen beigefügt."