Das sowjetische Ehrenmal an der Berliner Chaussee hat wieder ein würdiges Antlitz. Die Anfang 2013 gestohlene bronzene Gedenkschrift und die Tafeln mit den Namen der Opfer wurden durch Kunstharzplatten mit neuen Namensinschriften ersetzt.

Genthin l Eine letzte Überprüfung mit der Wasserwaage, ein kurzes Wischen mit einem Staubtuch und die Namensplatte hat ihren vorgesehenen Platz am Sowjetischen Ehrenmal an der Berliner Chaussee. Verantwortlich für die Rückkehr der Gedenkschrift und den Platten mit den Namen der gefallenen sowjetischen Soldaten ist Restaurator Oliver Guhr aus Berlin. Mit seinem Kollegen Burkhard Bluhm hat der erfahrene Fachmann gestern die letzten Arbeiten an der Gedenkstätte vorgenommen.

Notwendig wurde die Wiederherstellung, weil im Frühjahr 2013 Metalldiebe sowohl die Bronzefigur vom Mahnmal in Genthin-Wald, als auch Teile der Gedenkstätte in der Berliner Chaussee gestohlen hatten. Dabei wurden von der Gedenkschrift rund zwei Drittel der Buchstaben entwendet, einige waren zudem stark beschädigt und verbogen. Die sechs Bronzetafeln mit den Namen von 342 sowjetischen Gefallenen, die auf dem Ehrenfriedhof beigesetzt sind, wurden ebenfalls gestohlen. Von Beginn an habe die Forderung bestanden, das Ehrenmal zu rekonstruieren, heißt es seitens der Stadt Genthin. Es waren nach dem Diebstahl auch Putzarbeiten notwendig, denn die Diebe hatten bei ihrer Tat brachiale Gewalt angewendet und die Wand stark beschädigt. Die nun wieder angefügten Bereiche sind anders als in der Vergangenheit nicht aus Bronze sondern aus dem Kunstharz Epoxid. Dieser ist günstiger als Bronze und es soll damit auch die Gefahr eines neuerlichen Diebstahls verringert werden. "Wir haben die neuen Bereiche des Ehrenmals in Handarbeit angefertigt", erläutert Restaurator Guhr.

Sie wurden optisch dem einstigen Zustand der Schrift angepasst. "Hilfreich war, dass während der Vorbereitung für die Arbeiten Fotos des Ehrenmals zur Verfügung standen." Auf dem Ehrenfriedhof waren nach den bisherigen Erkenntnissen die Gräber von 342 namentlich bekannten und 271 unbekannten Gefallenen. Während der Vorbereitungen für die Restaurierung übergab die Russische Botschaft der Stadt Genthin weitere 66 Namen, sodass sich die Anzahl der namentlich Bekannten auf 408 erhöhte und die der Unbekannten auf 205 sank. Dadurch wäre auch die Anzahl der Zeichen auf den Tafeln angewachsen. Um die Schrift lesbar zu gestalten wurde eine weitere Tafel mit den Namen der Gefallenen angebracht. Dadurch gibt es jetzt sieben, statt früher sechs Platten. Auch die Anordnung der Namen hat sich geändert. Sie läuft nun nicht mehr alphabetisch, sondern beginnt mit den höchsten Rängen, bis hin zu den einfachen Soldaten. Am Ende stehen die Namen ohne Zuordnung zum Dienstgrad.

Die Wiederherstellung der Gedenkstätte stieß besonders bei den Mitgliedern des Fördervereins für Stadtgeschichte auf Zustimmung. "Es kann nur ein erster Schritt sein", sagt die Vorsitzende des Vereins Lisa Wolf und erinnert damit auch an die noch ausstehende Restaurierung in Genthin-Wald. "Aber wir begrüßen die Maßnahme sehr, da ein würdiges Gedenken an dieser Stelle ermöglicht wird." Der Förderverein hat sich bei seiner Arbeit auch den Erhalt und die Erforschung der Genthiner Denkmäler und Gedenkstätten zur Aufgabe gemacht. Insgesamt wurden für die Wiederherstellung des Ehrenfriedhofs 44000 Euro im Rahmen des Gesetzes über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zur Verfügung gestellt. In die Planung eingebunden war neben den Denkmalschutzbehörden auch das Innenministerium Sachsen-Anhalt, das eng mit der russischen Botschaft zusammenarbeitete.