Mehr Anerkennung brauchen junge Menschen auf dem regionalen Arbeitsmarkt - ist ein Fazit, das Alexander Otto nach Auswertung seiner wissenschaftlichen Abschlussarbeit zieht. Nur gemeinsam können Kommunalpolitik und regionale Unternehmen Nachwuchs für das Jerichower Land begeistern.

Genthin l Die Kanalstädter werden immer älter. Immer weniger Nachwuchs und scheinbar zu wenig Jugendförderung in der Region zeigen sich in der "Abwanderungskultur" junger Menschen vom Land in die Stadt, ähnlich wie nach dem Mauerfall zu Beginn der 1990er. Die Folgen: Unbesetzte Ausbildungsstellen, Schwächung der Wirtschaft und Leistungsabfall.

Zehn Wochen lang hat sich Student Alexander Otto aus Genthin im Rahmen seiner Abschlussarbeit mit der Jugend- und Nachwuchsförderung der Einheitsgemeinde beschäftigt. Das Ergebnis seiner Recherchen: Die Projekte der Kommunalpolitik kommen bei den Jugendlichen an, nun muss die Wirtschaft nachziehen, um der "Abwanderungskultur" mit konkreten Projekten zur beruflichen Nachwuchsförderung entgegen zu treten.

"Um den Stellenwert der Jugend in der Politik zu untersuchen habe ich zwei Experteninterviews geführt", erklärt der 22-Jährige. Mit dem Genthiner Bürgermeister Thomas Barz für die kommunalpolitische Sicht und Wilfried Köhler, Leiter der Stabsstelle für Demographie beim Ministerium für Landesentwicklung Sachsen-Anhalt, sprach er ausführlich über konkrete Projekte, die die Jugend in ländlichen Regionen fördern sollen

Regionale Unternehmen noch stärker einbinden

Dabei fand er heraus, dass teils EU-geförderte Projekte wie "Yura (Your region your future)", die junge Menschen in ländlichen Regionen in beruflicher Hinsicht unterstützen, ihre Karriere-Vorstellungen in der Heimat zu verwirklichen, im Jerichower Land bisher keine Anwendung finden. "Darin sehe ich persönlich zukünftig eine der Chancen, die Jugend zu ermutigen, hier zu bleiben", sagt der Student.

Was die regionalen Unternehmen betrifft, sieht sowohl Otto, als auch die Jugend der Region in einigen Punkten Nachholbedarf: "Es beginnt bei den hierarchischen Strukturen in den Unternehmen, geht über den Umgang mit jungen Arbeitnehmern, bis hin zu fehlenden Fortbildungsplanungen und adäquater Vergütung", zählt der Genthiner auf. Die Politik müsse die Wirtschaft aktivieren, um zukünftig mehr qualifizierten Nachwuchs im Jerichower Land zu halten.

Mit einem Fragenbogen an die Zielgruppe zwischen 14 und 29 Jahren in der Region Genthin wollte Otto herausfinden, wie die Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Möglichkeiten der kulturellen Freizeitgestaltung und berufliche Perspektiven einschätzen. Die Erhebung bestätigt, dass mehr als die Hälfte der Befragten ihre Chancen auf dem regionalen Arbeitsmarkt als negativ bewerten. Auch im Bereich Freizeitgestaltung ist in den Augen der Zielgruppe Platz für Optimierung.

57 Schüler, Studenten, Auszubildende, Berufstätige und Arbeitssuchende in einem ausgeglichenen Verhältnis beteiligten sich an Ottos Fragebogen. Besonders erfreulich sei für den 22-Jährigen während der Auswertung gewesen, dass die kommunalpolitischen Bemühungen für die jungen Landkreisbewohner mit hiesigen Projekten wie dem Lokalen Aktionsplan oder Genthin2020 und offenen Jugendeinrichtungen ankommen. Nun muss die Wirtschaft mit entsprechenden Angeboten nachziehen. "Die Firmenkontaktmesse und das Jobspeeddating wurden nur vereinzelt von den Jugendlichen genannt", sagt Otto. Er mutmaßt, dass fehlende Kommunikation über das Internet die Ursache ist.

Die Jugend auf ihren "Kanälen" erreichen

"Wenn Wirtschaft und Politik die Jugend erreichen wollen, müssen sie digitale Medien und insbesondere die sozialen Netzwerke noch stärker nutzen."

Fast der Hälfte der Befragten war das Jugend- und Zukunftsprojekt von Genthin2020 ein Begriff, obwohl es erst seit einem Jahr besteht. Für diese Resonanz ist in den Augen des Bachelors in spe und Leiters des Projekts die eigene Internetseite und der Facebook-Auftritt ausschlagend.