Genthin l Aus dem brandenburgischen Forst in der Lausitz verschlug es die 90-jährige Ruth Paulsen einst nach Genthin. "Wir sind damals meiner Tochter nachgezogen", erzählt die Jubilarin am Geburtstagstisch. Nun ist sie seit 30 Jahren Kanalstädterin.

Noch heute bekommt Tochter Evelyn einmal wöchentlich professionelle Hilfe von der gelernten Rechtsanwalts- und Notariatsgehilfin. Dann kümmert sich die Stilke-Bewohnerin um ihre Buchhaltung. "Sie weiß besser als ich, was ich auf dem Konto habe", scherzt ihr einziges Kind.

"Früher ist man mit der Schreibmaschine ins Krankenhaus gefahren, um zum Beispiel ein Testament zu tippen", erzählt sie eine heute steinzeitlich daherkommende Anekdote aus ihrem Berufsleben. Neben Geschichten aus ihrem Arbeitsleben am Amtsgericht in Forst plaudert die Jubilarin auch über ihre Jugend- und Ehejahre.

"Meinen Mann lernte ich damals mit 17 Jahren über den Kanusport kennen. Er war mein Trainer", erzählt Paulsen. Zehn Jahre trennten die beiden, deshalb wäre sie auch nicht auf die Idee gekommen, dass sie einmal heiraten würden. Doch 1949 ging es dann vor den Standesbeamten. "Vor 14 Tagen wäre er 100 Jahre alt geworden", sagt die 90-Jährige, die seit 12 Jahren ohne ihn auskommen muss.

Eine liebe Freundin sei ihr Waltraud Betenstehl geworden. Sie besucht Ruth Paulsen mindestens einmal wöchentlich. "Kennengelernt haben wir uns vor zirka vier Jahren bei einem Museumstreff hier in Genthin." Seitdem sind sie enge Freundinnen, denn auch Betenstehl ist ursprünglich Forsterin.

Seit dem 40. Lebensjahr arbeitete die 90-jährige Seniorin nach einer Herz-OP bis zum Rentenalter nur noch stundenweise in ihrem Beruf. Ihre körperliche Fitness hat sie sich aber bis heute bewahrt.

"Eine halbe Stunde täglich treibe ich Sport, um mich in Schwung zu halten", so ihr Rezept für Beweglichkeit bis ins hohe Alter. "Meine Figur ist noch die gleiche wie mit 18."

Freude machte ihr bis vor einiger Zeit der regelmäßige Kulturausflug nach Magdeburg. "Da hatte ich ein Abonnement beim Theater", sagt Paulsen. Von Operetten bis hin zum Ballett hätte sie alles mitgenommen. Das fehle ihr ein bisschen in der Kanalstadt.

Erst vor Kurzem hatte sie Besuch von ihrer zehnjährigen Urenkelin, die in Gera lebt. "Wir waren viel zusammen unterwegs. Zum Beispiel in Zabakuck, aber auch shoppen", verrät die modebewusste Seniorin.

Am Freitag wird im Bootshaus gefeiert. Sonnabends kommt die Familie aus Thüringen, um mit Ruth Paulsen den runden Geburtstag zu begehen.