Es gibt noch eine Bibliothek in Elbe-Parey, und das ist zwei Frauen zu verdanken: Christa Vaupel und Hannelore Dümecke. Denn die beiden kümmern sich ehrenamtlich um Buchbestand und Ausleihe - seit zehn Jahren. Das war Anlass für eine kleine Feier.

Parey l Ein Ständchen von den Kindergartenkindern des "Sonnenschlösschens" bildete den Auftakt, und die Kleinen wurden natürlich auch gleich als künftige Leser der Bibliothek geworben. Denn an einstige Zahlen von Lesern und Ausleihen reichen die heutigen nicht im geringsten mehr heran. Trotzdem sind auch kleine Bibliotheken nach wie vor wichtig. Die Pareyer Bibliothek hat einen festen Leserstamm, und über jeden "Neuen" freuen sich Christa Vaupel und Hannelore Dümecke.

Volker Zunder in seiner Funktion als stellvertretender Bürgermeister erinnerte an die lange, Jahrzehnte zurückreichende Tradition der Pareyer Bibliothek. Am 1. Juli 1996 wurde die Zentralbibliothek Parey in die Trägerschaft der damaligen Verwaltungsgemeinschaft Elbe-Parey übernommen und blieb es bis Ende 2003. Es wurden Ausleihstellen in Bergzow, Derben, Ferchland, Hohenseeden und Zerben eingerichtet. In Güsen gab es die Bibliothek in der Schule.

Die Nutzung dieser Angebote sei mit dem sich wandelnden Medienangebot immer mehr zurückgegangen, blickt Zunder zurück. Mit einem Beschluss des damaligen Gemeinschaftsausschusses wurde schließlich das vorläufige Aus der Bibliothek besiegelt. Die Arbeitszeit der damals noch fest angestellten Bibliothekarin sollte massiv gekürzt werden. Das gelang nicht, und so fiel im Juni die Entscheidung, die Bibliothek zum Jahresende ganz zu schließen.

Am 6. September 2004 wurde die Bibliothek wieder eröffnet, nachdem zwischen der Gemeinde und den beiden Frauen aus Parey und Bergzow eine Vereinbarung über eine entsprechende Freiwilligenarbeit geschlossen worden war.

Eine "Treueprobe" für die beiden Ehrenamtlichen nannte Volker Zunder, was dann 2006 kam: In diesem Jahr begann die Sanierung des Jugendclubs in Parey, und um den Jugendlichen eine Alternative zu bieten, wurde die Bibliothek kurzerhand geräumt, der Buchbestand in den Keller des Gemeindeamts verfrachtet. Dort türmten sich Kartons und Stapel "wild" durcheinander, und kaum jemand hatte damals noch daran geglaubt, dass daraus noch einmal eine gut sortierte Bibliothek werden könnte.

Aber es gelang, wobei wohl niemand mehr weiß, wie viele Stunden die beiden Frauen dafür aufgewendet haben, diesen "Bücherberg" wieder übersichtlich in die Regale zu bringen.

"Eins steht fest", ist Volker Zunder überzeugt, "wenn dieses Ehrenamt von euch nicht angetreten worden wäre, würde es diese Bibliothek nicht mehr geben!"

Etwa 9 000 Bücher hat die Bibliothek heute im Bestand. Wenn auch die Zahl der Ausleihen, die 1998 noch bei 14 441 in Parey und den Außenstellen lag, lange nicht mehr erreicht wird, so sind es doch noch etwa 2 000 Ausleihen pro Jahr, was 40 bis 50 Ausleihen pro Öffnungstag bedeute. Geöffnet ist zuverlässig jeden Dienstag von 14 bis 16 Uhr. Die Arbeitszeit von Christa Vaupel und Hannelore Dümecke ist darauf freilich nicht beschränkt. Sie verbringen noch weitaus mehr unentgeltliche Stunden in diesen Räumen, und sie tun es mit großer Freude.

Das ist unter anderem notwendig, um immer wieder neue Bücher einzusortieren und gegebenenfalls auch etwas auszumustern. Denn der Buchbestand wird regelmäßig aktualisiert, wobei Christine Schreiber große Unterstützung leiste und viele Bücher sponsere, betonte Volker Zunder. Auch aus privaten Spenden kommt vieles dazu.

Blumen und eine tolle "Geburtstags"-Torte gab es für Christa Vaupel und Hannelore Dümecke. Letztere schnitten die beiden gleich an, um sie mit ihren treuen Lesern zu teilen.

Volker Zunder informierte auch noch über Lesungen im Rahmen der Landesliteraturtage in Elbe-Parey und lud insbesondere zur Lesung von Luise Winkelmann "Lyrische Rückschau einer Greisin" am 30. September, 18.30 Uhr, im Zerbener Schloss ein.

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