Ihr letztes Schuljahr begannen die Schüler der 10. Klassen der Sekundarschule Elbe-Parey gleich mit einer größeren Reise. Zu Lasten des Unterrichts ging die aber nicht, im Gegenteil. Es war eine Bildungsreise nach Polen zu den Gedenkstätten des KZ Auschwitz und nach Krakau.

Parey l Die Fahrt ist weit - über 700 Kilometer - und das Programm straff. Viel Zeit für individuelle Erlebnisse bleibt da nicht. Soll auch nicht, denn es ist Unterricht, wie er intensiver kaum sein kann. Die beiden Klassenlehrerinnen, Doris Schulze und Patricia Jorra, sind mit dabei, außerdem Ethik-Lehrerin Katrin Kitschke und Schulsozialarbeiterin Aileen Gruß sowie als männlicher Begleiter Carsten Hannig, dessen Sohn zu den Schülern gehört.

"Die Schüler hatten in der 9. Klasse ein dreitägiges Antisemitismus-Projekt gegen das Vergessen", blickte Doris Schulze zurück. In diesem Rahmen hatten sie auch den Film "Schindlers Liste" gesehen. "Beide Klassen waren sehr interessiert, deshalb haben wir überlegt, mal eine größere Tour zu machen." Denn eine Fahrt zu einer KZ-Gedenkstätte wird immer unternommen, normalerweise nach Sachsenhausen.

Die Vorbereitung auf diese Bildungsreise ins heutige Polen begannen schon im vorigen Jahr. Aileen Gruß war damals bereits zu einer persönlichen Weiterbildung in Oswiecim. Sie hatte damals gleich eine Unterkunft für die beiden Klassen organisiert - und das war gut so, denn schon so lange vorher war nur noch in dieser einen Woche etwas frei.

Montag früh ging es los, heute Nachmittag wird der Bus wieder in Parey sein. Am Montag Nachmittag trafen die Schüler in der Internationalen Begegnungsstätte (IJBS) in Oswiecim ein. Dienstag Vormittag gab es zunächst eine Einführung in die Geschichte und Arbeit der IJBS. Am Nachmittag gab es Führungen durch das Stammlager Auschwitz I und abends eine Auswertung und Gesprächsrunde. Am Mittwoch ging es per Bus nach Birkenau, wo das Lager Auschwitz II besucht wurde und abends erneut eine Auswertung sowie die Arbeit am Projekt "Gegen das Vergessen".

Am Donnerstag ging die Reise weiter nach Krakau, in die alte polnische Hauptstadt. Bei einer Stadtführung lernten die Schüler das jüdische Viertel Kazimierz kennen, besichtigten die Remuh-Synagoge, den Friedhof, das Krakauer Ghetto, die Fabrik Oskar Schindler. Sie sahen viele Originalschauplätze, an denen der Film "Schindlers Liste" gedreht wurde. Nachmittags war dann noch Zeit für eine individuelle Erkundung Krakaus, und abends gab es wieder eine Gesprächsrunde.

Diese umfangreiche Bildungsreise ist von der Landeszentrale für Politische Bildung Sachsen Anhalt finanziell unterstützt worden. Etwa die Hälfte der Gesamtkosten konnten so gedeckt werden. Einen Anteil der Kosten zahlten die Schüler selbst.