Nachdem die TAV-Verbandsversammlung aus ihrer Mitte den Hohenseedener Gerald Buhl zum neuen Vorsitzenden bestimmt hatte, entwickelte sich im Hauptausschuss des Genthiner Stadtrates eine bizarre Auseinandersetzung um die Besetzung dieses Ehrenamtes. Die CDU sieht ihren Mann Klaus Voth durch Lutz Nitz ausgebootet. Er widerspricht dem.

Genthin l Schnell und zielstrebig verlief am Dienstagabend die Wahl zum neuen Vorsitzenden der Verbandsversammlung, die nach den Kommunalwahlen notwendig geworden war.

Dass der bisherige Vorsitzende Lutz Nitz nicht mehr der zukünftige sein kann, war schon im Vorfeld klar, als der Stadtrat mehrheitlich dafür votierte, Klaus Voth in das Gremium zu entsenden und Nitz in der Abstimmung unterlag. Einzig mit Cornelia Vietmeyer (Möckern) zog ein bekanntes Gesicht in die Verbandsversammlung ein, während auch der bisherige Stellvertreter für Wilfried Vaupel, Gerald Buhl (Parey), und Ute Lichtenberg (Jerichow) in der Verbandsversammlung mitarbeiten werden.

Dass Lutz Nitz bis zur Wahl eines neuen Vorsitzenden der Verbandsversammlung noch die Versammlungsleitung übernahm, sollte ihm später, bei der Hauptausschusssitzung, massive Kritik der CDU-Fraktion einbringen.

Nitz nutzte zunächst die Gelegenheit, auch in eigener Sache Worte an die neue Verbandsversammlung zu richten. "Der Genthiner Stadtrat, und hier die CDU-Fraktion, meinte parteipolitisch zu entscheiden, als sie den Vertreter bestimmte, obwohl wir jahrelang fachlich sehr gut zusammengearbeitet haben", sagte er.

Der Bündnisgrüne empfahl den Mitgliedern der Verbandsversammlung, sich zukünftig bei Beschlüssen das Votum der Stadträte einzuholen. Dabei sei die Verbandsversammlung in erster Linie dem TAV und dem Gebührenzahler im gesamten Verbandsgebiet verpflichtet. "Halten Sie die Parteipolitik raus und denken Sie stets an den Gebührenzahler". Nitz legte den vier Mitgliedern aus eigener Erfahrung nahe, in ihrer zukünftigen Arbeit auf die Fachkompetenz des Geschäftsführers zurückzugreifen, was sich über Jahre hinweg bewährt habe.

Dass bei der sich anschließenden geheimen Wahl zum Vorsitzenden der Verbandsversammlung Gerald Buhl durch Nitz für das Ehrenamt aufgrund seiner Stellvertretertätigkeit empfohlen wurde, sollte später zum Kernpunkt der Kritik werden, die die CDU inzwischen geltend macht.

Nachdem Nitz die Personalie Buhl ins Spiel brachte, informierte TAV-Geschäftsführer Bernd Kremkau, dass auch Klaus Voth am Vortag telefonisch ihm gegenüber seine Bereitschaft erklärt habe, den Vorsitz der Verbandsversammlung zu übernehmen.

Bernd Kremkau stellte fest, dass alle vier entsandten Mitglieder der Verbandsversammlung durch ihre langjährige kommunalpolitische Tätigkeit qualifiziert wären, das Ehrenamt des Vorsitzenden auszuüben. Nachdem Cornelia Vietmeyer und Ute Lichtenberg erklärten, sich nicht zur Wahl des Vorsitzenden zu stellen, gab es die Wahl zwischen Klaus Voth und Gerald Buhl, die letztlich Buhl mit 3 zu 1 Stimmen für sich entschied.

Für Empfehlung Buhls wird Nitz nun massiv von der CDU-Fraktion im Genthiner Stadtrat angegriffen. "Sie hatten kein Mandat für diesen Vorschlag", entfesselte Stadtrat Andreas Buchheister einen lebhaften Dialog mit dem Grünen im Verlaufe der Hauptausschusssitzung. Buchheister warf Nitz vor, Genthiner Interessen missachtet zu haben. Nitz ließ dies nicht zu: "Bis eine neue Verbandsversammlung gewählt ist, leite ich die Versammlung. Es ist mein Recht, Vorschläge zu unterbreiten. Wer gewählt wird, ist nicht meine Sache." Bürgermeister Thomas Barz wollte die angespannte Situation offensichtlich entschärfen, indem er den Tagesordnungspunkt in den nichtöffentlichen Teil verlegte. Dem Vernehmen nach wurde er dort allerdings nicht behandelt. Eine erschöpfende Klärung der beiden Auffassungen erfolgte bisher nicht.

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