Genthin l Kaum in der Wohnung von Margarete Karwacki angekommen, hört man schon die fröhliche Runde, die sich anlässlich ihres 90. Geburtstages in ihrem Wohnzimmer eingefunden hat. Neben Familienmitgliedern hat sich ein alter Wegbegleiter aus dem Arbeitsleben dazu gesellt.

"Ich habe viel von ihr gelernt."

Dr. Jürgen Dan, ehemaliger Chef von Margarete Karwacki

So plauscht die Jubilarin mit ihrem ehemaligen Chef im Pareyer Ambulatorium, Dr. Jürgen Dan, der als Überraschungsgast in den Genthiner Baumschulenweg gekommen ist. "Ich habe viel von ihr gelernt", sagt der damalige Sportarzt über eine seiner besten Mitarbeiterinnen. Er habe damals niemanden gekannt, als er in Parey zu arbeiten begann, darum sei sie ihm eine hervorragende Stütze gewesen. Margarete Karwacki war hier als "Chefschwester" tätig, wie Dan es gerne nennt.

Parey war jedoch nur eine Station der 90-jährigen Genthinerin. "Geboren in Helmstedt, in Bremerhaven eingeschult, aber auch im schlesischen Glogau drückte sie die Schulbank", erzählt Sohn Heinz Fischer nur einen Teil ihrer bisherigen turbulenten Lebensgeschichte. Viele Ortswechsel begleiteten sie auf ihrem Weg.

"In Parey wollte ich nicht alt werden", wusste die Seniorin aber schließlich und kam, letztlich auch auf die Empfehlung ihrer Schwester Lisbeth Butgereidt hin, vor vier Jahren in die Kanalstadt. "Wenn es sein muss, koche ich auch noch für mich selbst", sagt Karwacki und schmunzelt. Sonst lässt sie sich aber auch gern von Sohn Klaus versorgen.

Dass seine Mutter nicht auf einem Dorf leben wollte, sondern ein bisschen Kleinstadtleben gern genießt, weiß auch ihr jüngstes Kind. Der 61-Jährige kauft oft für die geborene Helmstedterin ein und kennt ihre Abenteuerlust. "Schließlich war sie mit 85 noch Ballon- fahren", erinnert er sich.

Vielleicht rührt ihre Abenteuerlust auch daher, dass schon in ihrer Kindheit immer viel Trubel um sie herum herrschte. "Wir waren zu Hause neun Kinder", sagt die 90-Jährige, die inzwischen zehnfache Oma und achtfache Uroma ist.

Zweimal war Margarete Karwacki verheiratet. Die Beziehung zu ihrem ersten Ehemann ging in die Brüche. "Es hat nicht mehr funktioniert, dann haben wir uns scheiden lassen." Ein zweites Mal trat sie 1992 vor den Traualtar. Dann mit ihrem einstigen Schwager. Leider muss sie seit 2003 ohne Lebensbegleiter auskommen.

Langweilig wird es der nunmehr 90-jährigen aber nicht. In ihrer Freizeit macht sie gern Handarbeiten. Ihre gestrickten "Puschen" sind im Winter schön warm, sagt die Familie, die mit den individuellen Fußkleidern beschenkt wird. Aber auch Kreuzworträtsel stehen hoch im Kurs. "Ab und zu entspanne ich auch einfach mal nur", so Karwacki.

"Einen Apfel am Tag essen."

Margarete Karwacki

Um ihren Hals trägt sie ein goldenes Medaillon auf dem das Helmstedter Juleum eingraviert ist: "Es ist mein Talisman geworden." Neben dem Schmuck sei sie für ihren großen Tag extra noch beim Friseur gewesen. Die Frage nach ihrem Rezept für ein langes Leben bringt die 90-Jährige kurz ins Grübeln, dann sagt sie: "Einen Apfel am Tag essen." Wenn das weiter so gut klappt, hat sie zum 95. eine Verabredung mit dem Bürgermeister.