Die Genthiner kennen sich aus im Gleisverkehr. Dies stellten sie bei der Auflösung unseres letzten Heimatfotorätsels klar. Ob zur Arbeit oder Abschlussprüfung, der Bahnhof ist ein (Abfahrts)Ort, mit dem viele Volksstimme-Leser etwas verbinden. Doch nicht immer nur Schönes.

Genthin l Der Schuppen, in den die Fahrräder reingehängt wurden, die gemütliche Gaststätte oder die freundliche Toilettendame...viele Genthiner meldeten sich am Volksstimme-Telefon mit der richtigen Lösung des Heimatfotorätsels und plauderten über ihre ganz persönlichen Erlebnisse rund um den Genthiner Bahnhof.

"Nach dem Motto: Wir haben Sozialismus und die haben Vorfahrt."

Herbert Hülße aus Genthin

"Fünf Ostmark kostete die Wochenkarte und für eine Mark mehr konnte man auch mit dem D-Zug fahren", erzählt Herbert Hülße. Und das ist nicht das einzige Detail, an das sich der Genthiner erinnert: "Zweimal haben sie mir dort das Fahrrad geklaut, und wenn Transitzüge kamen, wurde unser Zug erstmal aufs Nebengleis geschoben. Nach dem Motto: Wir haben Sozialismus und die haben Vorfahrt." Elf Jahre lang pendelte er mit dem teils knackevollen Zug um fünf Uhr morgens nach Magdeburg.

Pendlerin war auch Wiechenbergerin Helga Hoppe. Die 66-Jährige fuhr während ihrer Ausbildungszeit als Konditorin regelmäßig nach Magdeburg. "Zur Abschlussprüfung haben wir unsere vorbereitete Kuchencreme in einem Kessel nach Magdeburg mitgenommen. An dem Tag war es sehr heiß, so dass sie uns im Zug weggelaufen ist", beschreibt Hoppe ein Erlebnis, das ihr besonders in Erinnerung blieb. Die Magdeburger Prüflinge hatten den Vorteil, dass sie ihre Creme nicht in der überhitzten Eisenbahn mitnehmen mussten.

Anneliese Brett aus Klitsche und Renate Weinholz aus Genthin verbinden nicht nur schöne Anekdoten mit dem Kanalstädter Pendelzentrum. Ihnen fällt dabei eines der traurigsten Kapitel in der Geschichte des Bahnhofs ein. "Aber ich kenne es nur vom Hörensagen und von Erzählungen der Eltern", so Weinholz. Ihre Mutter fuhr früher mit der Eisenbahn zur Berufsschule.

Das wohl dunkelste Kapitel in der Geschichte des Kanalstädter Bahnhofs ist das Eisenbahnunglück in der Nacht auf den 22. Dezember 1939, bei dem durch den Zusammenstoß zweier D-Züge 278 Menschen zu Tode kamen. 2014 jährt sich der Unglückstag zum 75. Mal.

Aus einer anderen Perspektive schilderte Volksstimme-Leserin Susanne Strathaus am Telefon ihre Sicht auf den Eisenbahnverkehr. "Ich habe bei der Bahn gelernt", erzählt die Jerichowerin. Mit dem Triebwagen ging es oft von Jerichow nach Genthin und von dort aus weiter nach Magdeburg.

Auch Pareyer Hubertus Kleinoth war früher viel mit der Bahn unterwegs. Damals habe der Zug auch in Parey Halt gemacht. "An den Zeitungsladen, der früher im Genthiner Bahnhofsgebäude war, erinnere ich mich noch."

Neben diesem soll auch das Speisenangebot in der Gaststätte einladend gewesen sein. Dies nahm zum Beispiel Helga Hoppe gern in Anspruch. "Wir hatten ja nicht viel, gerade mal 54 Mark Lehrlingsgeld. Ab und zu sind wir aber in der Mitropa für Bratwurst und Kartoffelsalat eingekehrt."

"Ob Schnitzel oder Bratwurst, es gab dort vieles zur Auswahl."

Frieda Salomon, Großwulkow

Auch Großwulkowerin Frieda Salomon hat ab und zu im Bahnhofsgebäude gegessen. "Ob Schnitzel oder Bratwurst, es gab dort vieles zur Auswahl."

Heutzutage schimpfen Bahn-Pendler gerne auf die verspäteten Züge. "Man hat auch früher schon mal gewartet", erinnert sich Siegrid Schuhknecht. In den Jahren 1955 bis 56 ging es per Schienenverkehr in die kaufmännische Berufsschule. "Aber früher gab es seltener Verspätungen", sagt Hülße über seine persönliche Wahrnehmung. "Wenn es aber so war, hat man im Winter sehr gefroren", steuert Gitta Drößler noch eine eiskalte Erfahrung bei.

Unter den zahlreichen Anrufern, die noch viel mehr spannende Erlebnisse erzählten, wurde Michael Albrecht aus Genthin als Gewinner des Überraschungspakets ausgelost. Dieses kann montags bis freitags zwischen 9 und 17 Uhr in der Genthiner Lokalredaktion, Brandenburger Straße 55-57 (Eingang Kleine Schulstraße) abgeholt werden.

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