Ein Familienrezept sorgt für den Sieg. Bei der Kartoffelsuppenverkostung kommt eine Suppe, gewürzt und zubereitet nach altem Brauch, am besten an.

Genthin l Zwölf Töpfe mit deftigem Inhalt warten auf die diesjährige Jury des Kartoffelsuppenwettbewerbs beim 21. Genthiner Kartoffelfest im Volkspark. "Wir werden heute kugelrund wieder nach Hause fahren", ist sich Landrat Steffen Burchhardt schon vor der Verkostung sicher. Dann gibt es das Startzeichen durch Moderator Stefan Bernschein.

Jedes Jahr aufs Neue stellt sich im Volkspark die gleiche Frage: Wer kocht die beste Kartoffelsuppe im Jerichower Land? Mitglied der Jury ist auch Joe Carpenter aus Rathenow. Der Sänger freut sich darauf, die Kreationen in diesem Jahr mit zu verkosten. "Es ist schwierig, denn jede Suppe hat was für sich", sagt er nach ein paar Löffeln aus verschieden Töpfen.

Neben Landrat Burchhardt ist auch Staatssekretär Dr. Klaus Klang in das Ehrenamt des Kartoffelsuppentesters geschlüpft: "Da kommt unsere Kantine noch nicht ran. Es ist total lecker, ich weiß gar nicht, wie ich mich entscheiden soll." Am Ende resümiert der ehemalige Landeswahlleiter lobend: "Alle Suppen haben die Fünf- Prozent Hürde übersprungen."

Derweil hat Landrat Burchhardt mit einem taktischen Fauxpas zu kämpfen. "Ich habe die Verkostung dummerweise mit der am schärfsten gewürzten Suppe begonnen." Damit der Landrat mit funktionierenden Geschmacksnerven seine Aufgabe auf der Bühne erfüllen kann, reicht ihm Bürgermeister Thomas Barz ein Glas Wasser. "Guck mal, in Genthin wird Wasser aus Stielgläsern getrunken", frotzelt Moderator Bernschein.

Carola Stefan, Jurorin aus dem Publikum, lässt sich die kostenfreie Versorgung nicht entgehen. Die Genthinerin habe schon so einige schmackhafte Suppen selbst gekocht und sieht sich daher als geeignetes Jury-Mitglied. Dann kehrt kurzzeitig ein einvernehmliches Genießen an die Stelle der Plauderei mit Bernschein. Die Juroren verteilen ihre Holzlöffel mit den Wertungszahlen zwischen einen und fünf Punkten in Bewertungstöpfe.

Anschließend werden die besten drei Kartoffelsuppen prämiert. "Das war die Einzige mit der ganzen Bockwurst drin", sagt Bürgermeister Barz über die Gewinnervariante. Der Stadtchef hat, wie es Moderator Bernschein formuliert, als "Jean Pütz der Politik", fleißig Jerichower Schnaps an Jury und Publikum verteilt.

Nach der Auszählung zeigt sich ein eindeutiges Votum. Vorn liegt eine Suppe aus Karow. Kredenzt vom dortigen Partyservice Holstein. Der erstplatzierte Jörg Holstein trennt sich ungern von seinem Stand, an dem er auf dem Festgelände seine Siegersuppe verkauft, verrät aber auf der Bühne: "Es ist ein altes Rezept und immer gut geworden." Die Variante wurde von der Feldküche mit 120 Litern Fassungsvermögen direkt auf das Verkostungspodest geliefert. "Ein hohes Niveau", bescheinigt auch Küchenchef Wilfried Kluge dem Teilnehmerfeld.

"Es sind einige sehr gute Suppen dabei", lobt der Magdeburger Koch. Nach der Verkostung durch die Prominenten heißt es Töpfe frei für alle, solange der Vorrat reicht. Dann konnten sich auch die Gäste des Genthiner Kartoffelfestes von der Qualität der Wettbewerbssuppen überzeugen.

Eine lange Schlange beweist, dass die Knolle nicht nur Namensgeber für das traditionelle Fest ist, sondern ein Muss, die daraus hergestellten Suppen auch selbst zu probieren. "Ich habe hier die Suppe Nr. 9, das ist nicht die Siegersuppe" weiß Erika Müller, Besucherin aus Datteln. Ganz sagt ihr die Suppe zwar nicht zu, aber sie lasse sich essen.

Günther Harms aus Havelberg hat ein anderes Kaliber erwischt: "Mensch, ist die Suppe deftig", staunt er. "Das ist bestimmt die Suppe, die der Landratzuerst probiert hat." Aber bereits nach kurzer Zeit müssen die Mitarbeiter der Touristinformation mitteilen: "Leider ist nichts mehr da."

 

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