Das Pareyer Schalmeienorchester hat am Sonnabend mit vielen Gästen sein 40-jähriges Bestehen gefeiert. Anfängliche Regenschauer haben nicht ernsthaft Missstimmung aufkommen lassen. Viel Musik war das beste Mittel dagegen, ob beim Umzug oder auf dem Platz.

Parey l Es waren dann doch nur zwei Schalmeienkappellen - Parey und Plodda - denn die Rathenower Optis mussten wegen etlicher Mitglieder, die krankheits- und arbeitsbedingt nicht dabei sein konnten, absagen. So führte der Sternmarsch nur in zwei Richtungen: Die Pareyer bogen ins Dorfzentrum ab, die Ploddaer Richtung Sportplatz. Immer auf Gemeindestraßen oder am Fußweg ging es entlang, abgesichert von Kameraden der Pareyer Feuerwehr.

Zurück auf dem Gelände des Vereinshauses in der Geschwister-Scholl-Straße, konnten sich die Hobby-Musiker erstmal "zurücklehnen", denn Kinder aus der Kita "Sonnenschlößchen" überraschten mit einem Geburtstagsständchen. Für die Kita ist das Schalmeienorchester nicht wegzudenken, wenn jeden Herbst der Martinsumzug stattfindet. Für diese Unterstützung bedankte sich Kita-Leiterin Renate Blanke - in der Hoffnung, dass es immer so bleiben möge.

Die Pareyer Kita blieb nicht die einzige, die sich beim Schalmeienorchester bedankte: Auch von der Güsener Kita "Am Eulenwäldchen" kam eine Delegation, um zu gratulieren. Auch in Güsen gibt es jährlich einen Fackelumzug mit Schalmeienmusik.

Aus dem gleichen Grund war Karows Ortsbürgermeister Bernd Franke mit einem kleinen Präsent gekommen: Dort begleitet das Orchester seit etlichen Jahren den Ernteumzug und sorgt danach auf dem Erntefest für Stimmung.

Ganz ohne Festrede ging es bei so einem Jubiläum freilich nicht. Vorsitzender Carsten Hannig stand unter dem Zwang, sich kurz zu fassen, denn über die wechselvolle Geschichte des Schalmeienorchesters könnte man wohl schon ein Buch schreiben, spiegelt sie doch auch die Geschichte von DDR, schwieriger Wendezeit und Neuanfang unter völlig anderen Bedingungen wider.

Nach fast einem Jahr Vorbereitungszeit wurde das Schalmeienorchester 1974 wieder aktiviert, blickte Carsten Hannig zurück. Denn von 1948 bis 1964 habe es schon einmal eine Schalmeienkapelle in Parey gegeben. Initiator war der damalige Bürgermeister Wernstedt, der Wilfried Kahle und Theodor Fischer ansprach: "Wir brauchen für den 1. Mai Musik..."

Das Orchester war damals als Arbeitsgemeinschaft der Schule angegliedert, das MLK Parey (Stahlbau) leistete finanzielle Unterstützung. Hauptsächlich Märsche wurden damals gespielt, um Umzüge begleiten zu können.

Hier die ganze Chronik wiederzugeben, würde den Platz sprengen. Nur so viel: Bei der ersten Teilnahme an den Bezirksmeisterschaften, damals in Wernigerode, wurden die Pareyer Sieger. 1983 und 1987 nahmen sie an den Turn- und Sportfesten in Leipzig teil, mit großen Aufmärschen im Zentralstadion.

Die Kleidung, die damals Pflicht war, haben einige Mitglieder vorgeführt: weiße Hosen und verschiedenfarbige Blusen beziehungsweise Hemden, außerdem Trainingsanzüge. Etwa 2 500 Musiker seien damals im Stadion aufgelaufen und gestalteten mit den verschiedenfarbigen Hemden Bilder... Sehr viel Spaß hatten sie damals in Leipzig und auch beim Trainingslager in Dessau.

In den besten Zeiten hatte das Schalmeienorchester 83 aktive Mitglieder.

Mit der Wende kam der Einbruch bei den Mitgliederzahlen, viele gingen weg aus Parey wegen der Arbeit, die Anbindung als Arbeitsgemeinschaft an die Schule war nicht mehr gegeben. 1991 wurde die Vereinsgründung in Angriff genommen. In diesem Jahr fuhren die Pareyer auch zu ihrem ersten Auftritt in die alten Bundesländer - nach Wolfsburg. 1994 gab es dann den Erfolg bei den Landesmeisterschaften: Die Pareyer holten den Titel.

Es folgten Jahre mit stetigem Auf und Ab, was die Mitgliederzahlen angeht, es gab mehrere Umzüge des Vereinssitzes. Diese Odyssee endete vor 10 Jahren: Zur Feier des 30-jährigen Bestehens feierte das Orchester gleichzeitig die Einweihung der Räume im heutigen Vereinshaus, das später noch komplett saniert wurde.

Der Einladung der Pareyer gefolgt war unter anderem ein besonderer Gast: Uwe Klein, früher (seit 1977) Vorsitzender des Bezirksfachausschusses Spielleute im DTSB der DDR, war nach der Wende Präsident des Spielleuteverbandes und nach dessen Auflösung Landesvorsitzender der Spielleute im Turnierbund. "Ich war damals Chef von viereinhalbtausend Musikern", blickte er zurück. Das werde heute keiner mehr schaffen... "Ich freue mich, dass ihr heute noch dabei seid, dass ihr euch engagiert für Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene, etwas Sinnvolles zu tun in ihrer Freizeit, und dass ihr das Leben im Dorf mitgestaltet."

"Wir sind stolz darauf, ein solches Orchester zu haben", betonte Volker Zunder, der in Vertretung der Bürgermeisterin gekommen war. In vielen Orten ringsum sei das Schalmeienorchester bei Auftritten dabei. Und er würdigte auch die gelungene Lösung hier im Vereinshaus, wo das Orchester als Pächter die Regie hat, was für die Gemeinde eine finanzielle Entlastung bedeute.

In dreifacher Funktion gratulierte Nicole Golz: als Ortsbürgermeisterin, Vorsitzende des Heimatvereins und des Moskito-Clubs, und wünschte sich vor allem weiterhin eine so gute Zusammenarbeit.

Neben noch etlichen weiteren Gratulanten sei hier unbedingt noch Martin Schütte genannt, Ortsbrandmeister von Brünnighausen, der Pareyer Partnerfeuerwehr. Mit Brünnighausen verbindet auch das Pareyer Schalmeienorchester eine lange Freundschaft und sehr schöne Erinnerungen.

Das Jubiläumsfest wurde von mehreren Pareyer Vereinen unterstützt: Anglerverein, Heimatverein, "Moskitos", Seniorengruppe. Es wurde ein schöner Tag für alle Generationen, bei dem Höhepunkte immer wieder die musikalischen Einlagen waren: Die beiden Schalmeienkapellen spielten abwechselnd und auch zusammen, was ein besonders beeindruckendes Erlebnis war - auch wenn nicht "ganz so viele" Musiker zusammenkamen wie vor zwei Jahren beim Weltrekord in Plodda...

Der Tag fand dann noch einen geselligen Abschluss, gemeinsam mit vielen ehemaligen Mitgliedern.

Weitere Bilder vom Fest gibt es in den nächsten Tagen.

   

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