Genthin l Der neueingeweihte "Lindenhof" war gestern Premierenort für die Interkulturelle Woche in Genthin. Das einstündige Theaterstück unter dem beziehungsreichen Titel "2xHeimat", leidenschaftlich gespielt von den Schauspielerinnen Beate Albrecht und Marina Kalmykova, wurde den Sekundarschülern aus Brettin, der Ganztagsschule Am Baumschulenweg, Spätaussiedlern und interessierten Gästen geboten.

Bevor die beiden Schauspielerinnen die Bühne betraten, nutzte Bürgermeister Thomas Barz die Gelegenheit, begrüßende Worte insbesondere an das junge Publikum zu richten. Noch unter dem Eindruck einer Russlandreise im Urlaub stehend, sagte er, dass die heimische Jugend im Vergleich zu der russischen das Privileg der Zukunft habe. "Es liegt allein in Ihrer Hand, andere Kulturen an sich herankommen zu lassen, um sie auch zu verstehen", appellierte er an die Sekundarschüler.

Mit dem Theaterstück "2 xHeimat" hatte "Aufbruch" ein Stück ausgewählt, das passender zum Inhalt der Interkulturellen Woche - die Vermittlung kultureller Vielfalt und der Abbau von Fremdenfeindlichkeit - nicht sein konnte. Ein lebhaftes, sehr gut inszeniertes Stück, das viele Vorurteile aufdeckte, die im täglichen Miteinander entstehen.

Die kurzweilige Geschichte entspinnt sich an der Teilnahme von Nadja aus Russland und von Doris aus Süddeutschland an einem Kochwettbewerb sowie um das Preisgeld in Höhe von 2000 Euro. Das turbulente Spiel, das kein Vorurteil ausließ, brachte es kurz und prägnant für die Zuschauer auf den Punkt: Vor allem Dialog ist notwendig, um einander zu verstehen. Im Anschluss an die Aufführung versuchten die Schauspielerinnen, mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen. Während sich die Schüler, Neunt- und Zehntklässler, schwer mit einer Wortmeldung taten, zeigte sich Zilly Kostbar, die als Spätaussiedlerin nach Genthin gekommen war, beherzt. Sie habe Deutschland für viel gläubiger gehalten, als sie hier ankam, sagte sie. Sie berichtet davon, wie schwer es für ihre Generation sei, die deutsche Sprache, die Sprache ihrer Vorfahren, wieder zu erlernen. Sie fühle sich in Genthin jedoch sehr wohl, betonte sie. Die Menschen hätten sie hier herzlich aufgenommen.

Ein Wermutstropfen mischte sich bereits in die Vorbereitung der Interkulturellen Woche. "Aufbruch" unter dessen Dach die Veranstaltungen bisher als eine Reihe koordiniert wurden, nahm damit im Paket die Förderung der Interkulturellen Woche über den Lokalen Aktionsplan (LAP) in Anspruch. Für die Verstaltungen, die in dieser Woche angeboten werden, hat nun jeder Organisator selbst einen Förderantrag gestellt.

Heute wird beispielsweise um 14 Uhr im Jugendhaus Thomas Morus ein Hoffest mit einem "Fünfkampf der Nationen" ausgetragen. "Dann sollen die Kinder als Vertreter verschiedener Länder kleine Wettkämpfe an unterschiedlichen Stationen liefern", erläutert Streetworkwerin Petra Schiele.

Für diese Aktion hat das Morushaus eine Förderung aus dem Aktionsfond erhalten. "Für unsere Einrichtung war die Koordinierung in der früheren Form einfacher", meint Schiele. Dadurch hätten sich die Akteure besser vernetzen können.

Mittwoch ab 13 Uhr wird im Integrationstreff an der Einsteinstraße zum ukrainischen Tag geladen, bei dem es unter anderem landestypische Gerichte gibt.