Es geht los: Morgen beginnen die 23. Landesliteraturtage. Zu diesem Anlass stellen wir daran beteiligte Autoren aus der Region vor. Heute: die Genthiner Schriftsteller Monika und Manfred Helmecke.

Genthin l Wildromantisch - das Adjektiv passt gut auf Haus und Hof von Monika und Manfred Helmecke. Draußen sucht man den akkuraten Garten vergebens, natürlich und wild sprießt das Grün. Drinnen dominieren Bücher. In jedem Raum finden sich etliche Regale, auf denen Reisetagebücher neben Geschichten für Kinder und kritischer Prosa stehen. Dass sie einmal ein ganzes Bücherregal mit den eigenen Werken füllen können, war im Lebenslauf der Helmeckes lange Zeit nicht abzulesen. Zwar sagt Monika Helmecke, dass sie "schon immer gern geschrieben" hat, studiert hat sie aber ganz solide Datenverarbeitung. Genauso wie ihr Mann schloss sie ihr Studium in Berlin mit dem Diplom ab.

Die Geburt des ersten Sohnes war der Wendepunkt. "Ich wollte nicht, dass dieser Staat mein Kind erzieht", sagt Monika Helmecke. Das Verhältnis zur DDR-Regierung war nie besonders gut. Irgendwie war man immer ein "Dorn im Auge". Während die meisten DDR-Kinder früh in die Kita gingen, blieb Mutter Helmecke zu Hause. Kümmerte sich um das erste Kind, später ums zweite... Insgesamt wurden es vier. Und sie fing an, regelmäßig zu schreiben.

Für materielle Sicherheit sorgte Ehemann Manfred, der an der Berliner Hochschule als Dozent arbeitete. Auch ihm machten DDR-Gepflogenheiten zu schaffen. Sein großes Projekt, die Promotion, gab er beim dritten Versuch entnervt auf. "Kurz vor dem Ende wurde wiederholt mein Thema verändert", sagt Helmecke und spricht von Schikane. In seiner Stasiakte findet sich Jahre später des Rätsels Lösung. Promotion verhindern, weigert sich in die Partei einzutreten, ist darin zu lesen.

Und so bleibt auch Manfred Helmecke ab 1978 zu Hause. Während seine Frau sich zu diesem Zeitpunkt schon "freie Autorin" nennen darf, wird er vom Dozenten zum Hausmann. "Ungewöhnlich, aber erfüllend", sagt Helmecke, dessen Weg zum freien Autor noch bis 1986 dauern sollte.

Zu DDR-Zeiten veröffentlicht Monika Helmecke etliche Hörspiele, das erste 1976. Politische, engagierte Texte sind ihr wichtig. "Kritische Hörspiele gingen leichter durch die Zensur als kritische Texte", sagt die Autorin. "Wahrscheinlich weil es in ein Ohr rein, aus dem anderen wieder raus geht", ergänzt ihr Mann. "Das gedruckte Wort dagegen bleibt."

Die Wende bezeichnen beide als großen Glücksfall. Für ihr Land wie für sich persönlich. "Wir lieben das Reisen", sagt Monika Helmecke. "Ab 1990 war das endlich uneingeschränkt möglich."

Besonders groß ist die Liebe zu Norwegen. 1990 bereiste das Ehepaar das Land zum ersten Mal, oft waren sie seitdem da, haben etliche Winter komplett dort verbracht. "Durch die Dunkelheit ist es auf eine ganz besondere Weise dämmrig, es gibt ein faszinierendes Licht, überall stehen Kerzen", sagt Monika Helmecke. "Das schönste ist für mich der erste Sonnenstrahl nach den Monaten der Dunkelheit."

Aus der Liebe zu Norwegen sind einige Bücher entstanden. Reisetagebücher Manfred Helmeckes, Krimis und Romane Monikas. Auch Kinderbücher finden sich im Regal. Das mit der Geschichte vom kleinen Jungen und dem Riesentroll zum Beispiel. Auf norwegisch und auf deutsch. "Mit Hilfe von Kinderbüchern habe ich begonnen, die Sprache zu lernen", erzählt Monika Helmecke. Nach vielen Wintern in norwegischen Hütten ohne TV und Internet beherrscht sie sie perfekt. "In unserer norwegischen Mietshütte gibt es nur einen Raum. Ich schreibe, wenn mein Mann angelt."

Wildromantisch wie auch Haus und Hof der Helmeckes eben.

Monika Helmecke liest am 1. Oktober um 19.30 Uhr aus "Sucht mich nicht" im Nedlitzer Sportlerheim. Manfred Helmecke liest am 29. September aus "Norwegen - Leben hinter dem Polarkreis" im Drewitzer Kulturhaus.