Heute starten die 23. Landesliteraturtage im Jerichower Land. Im Wasserturm zeigt Reinhard Sattler am Nachmittag "Die andere Hälfte der Weltliteratur" bei einem Büchermarkt. Vorab gewährte er einen Blick in das Magdeburger Antiquariat.

Magdeburg/Genthin l Sich wie ein Perlentaucher in ein unendliches Büchermeer zu stürzen und immer wieder neue Schätze zu heben, das ist eine Passion der Sattlers, wie es das Grußwort ihres Kataloges des "Modernen Antiquariats Eine Welt" im Magdeburg verrät.

"Zum ersten Mal weitet sich bei den Landesliteraturtagen mit dem Literaturweltmarkt der Blick auf Werke von Autoren der so genannten Länder der dritten Welt", sagt Buchhändler Reinhard Sattler, während er einige besondere Exemplare heraussucht. Wie viele Bücher sich derzeit in den Regalen des seit 2005 geführten Stöberortes befinden, kann der Experte für Autoren "der anderen Hälfte der Welt" nur erahnen. "Ich denke ihre Zahl liegt im sechsstelligen Bereich."

Afrika, Asien, Lateinamerika und Südpazifik

In einem Gewerbegebiet der Landeshauptstadt versteckt sich der geographisch nach Kontinenten geordnete Literaturschatz. Einen Teil davon wird Reinhard Sattler bei zwei Verkaufsausstellungen im Genthiner Wasserturm zeigen. "Die andere Hälfte der Weltliteratur" am Sonnabend und "Erlesenes aus Afrika, Asien, Lateinamerika und dem Südpazifik" am Sonntag.

Von Sach-, über Kinderbücher, bis hin zu Belletristik und Lyrik - die Sattlers besitzen Bücher von Autoren aus der Kalahari-Wüste über Grönland, Mauritius oder auch aus Sri Lanka. Langjährige Kontakte mit kleinen und mittelgroßen Verlagen und einige Exklusivverträge ermöglichen den umfangreichen Bestand im Antiquariat. "Einmal im Jahr kommt der Lkw mit der Lieferung, das ist wie Weihnachten."

Wenn Dinge selten werden, steigen oft auch die Preise. Nicht so bei den Sattlers: "Da wir viele Restbestände ankaufen, fallen die Bücher aus der Preisbindung. Solche seltenen Werke dürfen nicht verloren gehen", sagt der Buchhändler. So seien auch rare Exemplare zum Teil für kleine Euro-Beträge zu bekommen. Sie sind in normalen Buchläden schwer oder erst gar nicht zu finden, erklärt er.

Nach ihren bescheidenen Möglichkeiten, wie das Ehepaar selbst sagt, unterstützen sie auch regelmäßig politische, soziale und soziokulturelle Initiativen. Zum Beispiel mit der Weitergabe von Büchern an "Eine-Welt-Gruppen" zu Sonderkonditionen, die so die Möglichkeit haben, den einen oder anderen Obolus für ihre Hilfsprojekte erwirtschaften zu können.

Literaturfans kennen sie, die großen Autoren der Südhalbkugel der Erde. Vom kirgisischen Tschingis Aitmatow über Assia Djebar, eine algerische Literatin, die ihre Werke auf Französisch verfasst, bis hin zum Kolumbianer Gabriel García Márquez, der 1982 für sein Schaffen den Literaturnobelpreis bekam und im April 2014 verstarb. Sie alle hat das Moderne Antiquariat Eine Welt im Programm. "Auch einige Raritäten von vor über 20 Jahren erworbenen Restauflagen sind dabei", sagt Sattler. Zum Beispiel auch traditionell hergestellte Bücher mit Bleisatz und Fadenheftung eines Schweizer Verlages.

Dem Leser begegnen in den Werken Menschen mit ihren Träumen und Sehnsüchten, ihrer Fröhlichkeit und Bitternis sowie ihrem Streben nach Würde und Glück. Fernab aller von Politik und Medien transportierter Klischees, verspricht der gelernte Rinderzüchter.

Renate Sattler: "Zwischen Elbe und St.-Lorenz-Strom"

Die Sattlers vertreiben ihre angekauften Bücher jedoch nicht auf einer Webseite. "Aber man kann per E-Mail bestellen", so der Magdeburger. Neben dem Büchermarkt wird auch seine Frau Renate, für die er einst aus Thüringen nach Magdeburg zog, bei den 23. Landesliteraturtagen dabei sein. Im Jugendclub Tucheim liest die Vorsitzende des Schriftstellerverbandes Sachsen-Anhalts aus "Zwischen Elbe und St.-Lorenz-Strom".

Die Verkaufsausstellungen bilden den Rahmen für zwei Veranstaltungen. Der in Magdeburg lebende syrische Autor Wahid Nader liest am Sonnabend "Ich weide Sterne auf trunkener Nacht", musikalisch untermalt wird die Veranstaltung mit einem arabischen Lautenspieler.

Und am Sonntag, 28. September, bei der zweiten Runde des Literaturweltmarktes unter dem Titel "Erlesenes aus Afrika, Asien und dem Südpazifik", können Kinder ab 10 Uhr im Wasserturm ein Buch nach der Erzählung von Günther Feustel "Ein Indio darf den Tag nicht verschlafen" illustrieren.

Speziell für Genthin werden die Sattlers einen Kinderzimmerkalender im Gepäck haben, der vor Ort bestellt werden kann. "Die andere Hälfte der Weltliteratur" landete durch die Initiative des Genthiner Kunstvereins, der im Wasserturm sein Domizil hat, auf dem Veranstaltungsplan. Sattlers wünschen sich, das mit diesem Novum gemeinsam mit dem Kunstverein eine Tradition begründet wird.