Neue Ideen entwickeln, interessante Projekte anschieben. Das sollten Vertreter unterschiedlicher gesellschaftlicher Bereiche der Stadt Genthin beim 2. Wirtschaftsgespräch. Dafür führten sie Kurzgespräche beim Akteure-Tempo-Meeting.

Genthin l Eifrige Gespräche und lautes Stimmengewirr waren am Donnerstagabend im Lindenhof zu hören. Die Eile bei den Gesprächen war auch nötig, denn die rund 40 Vertreter aus Unternehmen, Vereinen und Einrichtungen aus dem Jerichower Land und Brandenburg hatten nur fünf Minuten Zeit, um sich kennenzulernen, Stichpunkte zu notieren und über eine mögliche Zusammenarbeit zu sprechen.

Dann ein kurzes Signal und die Aufforderung: "Die Zeit ist um, bitte wechseln Sie die Plätze." Sebastian Texter, Wirtschaftsberater aus Hannover, hatte die Fäden für das sogenannte Akteure-Tempo-Meeting in der Hand und führte die Gesprächspartner an den langen Tischreihen mit sicherer Hand durch den Nachmittag. "Der Vorteil ist, dass viele Entscheider der Region zusammenkommen." Genau das hatte das Veranstalter-Trio, die Stadt Genthin, das Technologie- und Gründerzentrum (TGZ) und der Verein Wirtschaft im Jerichower Land im Sinn, als sie das Tempo-Meeting als Programmpunkt in das Wirtschaftsgespräch aufnahmen.

"Für uns ist es wichtig, die Menschen in der Stadt kennenzulernen", erläuterte Thomas Gillmann, Standortleiter des kürzlich eröffneten Solvay-Werkes in Genthin. Das Unternehmen wolle sich auch lokal und regional einbinden lassen. "Aus diesem Grund nutze ich gern die Möglichkeit, mich an dieser Stelle bekannt zu machen." Gillmann sprach mit Vereins- und Kulturschaffenden genau so wie mit Wirtschaftsvertretern und Mitgliedern der lokalen Politik. "Das Konzept hat den Vorteil, dass man in kurzer Zeit mit Leuten ins Gespräch kommt, mit denen man sonst weniger zu tun hat", bestätigte Antonia Beran, Leiterin des Kreismuseums.

Sie konnte als erstes Ergebnis der Gespräche eine Kooperation mit einem Unternehmen vorweisen, dessen Chef Bahnfahrkarten für Burger Schüler finanzieren möchte, sodass diese das Museum in Genthin besuchen können. "Im Gegenzug ist es denkbar, der Firma eine Führung anzubieten", erläutert Beran. In die Projekte sollen die Teilenehmer ihre Stärken einbringen. Seitens der Musikschule Brien wurden Kooperationen angedacht, bei denen ein musikalischer Schnuppertag in Schulen, Horten oder der Bibliothek angeboten wird.

"Das hat Vorteile für beide Seiten, da die musikalische Früherziehung immer wichtiger wird", sagt Yvonne Brien von der Musikschule. Ein Projekt mit dem Hort der Grundschule Stadtmitte hatte Reimar Porrini, Vorsitzender der städtischen Kleingärtner, abgemacht. "Die Kinder sollen im Frühjahr, Sommer und Herbst einen Garten besuchen." Dadurch können sie verfolgen, wie sich die Pflanzen vom Aussäen bis zur Ernte entwickeln, erläutert er die Idee.

Auch die Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit wurden ausgelotet. "Wir wollen sehen, welchen Bedarf es für unser Angebot in der Region gibt", erklärten Marila Ziellke und Robert Pohlmann von der Agentur Maxi-Werbung in Burg. Konkret werde man erst in der nächsten Zeit Gespräche führen. "Aber wir haben einige Ansprechpartner kennengelernt", so das Gründerpärchen. Dass wirtschaftliche Kooperationen funktionieren können, hatte Sebastian Texter eingangs der Veranstaltung vorgestellt. So beispielsweise bei der Möglichkeit, lokale Produkte wie Lebensmittel überregional zu bewerben oder auch Vertriebsprofis im Ruhestand zu reaktivieren und als Berater in Unternehmen einzubinden. "Auch Touristen können als Botschafter und möglicherweise als Investoren für eine Region gewonnen werden", machte Texter deutlich.

"Aber auch die Kooperationen, die sich bereits gefunden haben, sind ein guter Schritt in die Vernetzung", sagte Texter. Dr. Heinz Paul, Geschäftsführer des TGZ, machte deutlich, dass eines der wichtigsten Ziele für Unternehmen die Gewinnung von jungen Kräften sei. "Als Wirtschaftsförderer des Jerichower Landes sehen wir in der Netzwerkarbeit großes Potenzial. Dadurch könnten Ideen entstehen, die die Region attraktiv machen."

Genthins Bürgermeister Thomas Barz hatte am Ende des Nachmittages wie alle anderen Teilnehmer auch mehr als ein Dutzend Gespräche geführt. "Ich bin positiv überrascht und hoffe, dass sich neue Projekte entwickeln." Der Bürgermeister kündigte die nächsten Wirtschaftsgespräche für das Frühjahr 2015 an. Dann soll es wieder ein überarbeitetes Konzept geben.

   

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