Das Thema Dorfgemeinschaftshaus hatte am Montagabend etliche Bergzower veranlasst, zur Ortschaftsratssitzung in den Schulungsraum der Feuerwehr zu kommen. Sie bekräftigten erneut ihre Forderung, dieses Zentrum des Dorflebens unbedingt zu erhalten.

Bergzow l Eigentlich hätte der Ortschaftsrat zunächst seine Meinung zu zwei Beschlussvorlagen äußern sollen, die auch in der Tagesordnung für die Gemeinderatssitzung am Dienstagabend standen. Ortsbürgermeisterin Antje Wascher stellte jedoch den Antrag, beide Beschlüsse von der Tagesordnung zu nehmen, was auch einstimmig befürwortet wurde. In einer vorangegangenen Arbeitsberatung hatte sich der Ortschaftsrat dazu schon verständigt, berichtete sie und begründete dieses Vorgehen: Der Rat plädiere für die dritte Variante, die allerdings dem Gemeinderat laut Tagesordnung nicht als Beschluss vorgelegt wurde. Das ist die Möglichkeit, über die Verpachtung der Dachfläche zur Installation einer Photovoltaikanlage die Sanierung des nicht mehr standfesten Dachstuhls zu finanzieren - bei einem Kostenanteil von lediglich 20 000 Euro für die Gemeinde. "Klappt das nicht, halten wir uns noch andere Optionen offen", erklärte Antje Wascher, warum der Rat eine Entscheidung über eine mögliche Fördermittelbeantragung oder einen Verkauf des Dorfgemeinschaftshauses vertagen wollte.

Zudem gab es schon einmal eine Willensbekundung des Gemeinderats, das Bergzower Dorfgemeinschaftshaus zu verkaufen, erinnerte sie. Nur die Optionen seien in der neuerlichen Beschlussvorlage verändert.

Und die Variante der Fördermittelbeantragung sehe der Rat als unrealistisch an. "Die Gemeinde müsste hier noch etwa 200 000 Euro Eigenmittel aufbringen." Das sei bei der aktuellen Haushaltslage gar nicht möglich, und auch, dass ein Förderantrag bewilligt würde, sei äußerst fraglich.

Die Variante der Photovoltaikanlage erläuterte Ratsmitglied Dr. Stefan Ringwelski noch einmal: Er erinnerte, dass Gordon Baier schon vor längerer Zeit einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet hatte. Danach hätte die Gemeinde lediglich 8 500 Euro Eigenanteil zahlen müssen.

Nach Prüfung des Projekts kam von der Gemeinde jedoch die Antwort, die vorgeschlagene Reparatur des Dachstuhls sei nach den Richtlinien so nicht möglich. Gordon Baier habe daraufhin ein überarbeitetes Angebot vorgelegt, dass den Einbau zusätzlicher Dachbinder vorsehe. Dies habe er vor etwa drei Wochen an die Gemeinde gegeben. Es werde nun natürlich teurer. Die Investition von etwa 60 000 Euro werde mit dem Pachtzins verrechnet, so dass für die Gemeinde noch besagte 20 000 Euro bleiben. Warum auch immer stehe das im Gemeinderat nicht auf der Tagesordnung. "Ich werde mich dafür einsetzen!", kündigte Ringwelski an.

Ratsmitglied Hans-Joachim Bauer erinnerte daran, dass mit der Wiederherstellung des Daches das Kostenproblem für die Gemeinde nicht vom Tisch sei. Die Gemeinde habe jedes Jahr die Betriebskosten zu zahlen, zudem seien immer wieder Reparaturen zu erwarten. "Wir haben einen angespannten Haushalt! Wir sollten auch über die Dorfgrenzen hinausschauen! Tatsache ist: Wir brauchen das Haus. Aber wenn sich andere Möglichkeiten eröffnen und wir einen seriösen Partner finden, der es kauft, können wir einen langjährigen Nutzungsvertrag notariell vereinbaren. So würde die Gemeinde entlastet. Natürlich könnten wir da nur zustimmen, wenn das klar geregelt würde."

Ratmitglied Bernd Räcke hält davon gar nichts und sagte das auch deutlich: "Das müsste ja ein Heiliger sein, der sowas macht! Das Haus kann nur in Gemeindehand bleiben!"

Aber auch dann würde die Nutzung nicht mehr ganz umsonst sein, kündigte Antje Wascher an. Jeder werde etwas zahlen müssen. Doch damit habe man kein Problem, waren die Reaktionen aus den Reihen der Einwohner. In einigen Gruppen sei schon darüber gesprochen worden, künftig einen Obolus an die Gemeinde zu zahlen.

Es geht sogar noch weiter: Auch die 20 000 Euro Eigenkapital würden nicht ganz an der Gemeinde hängenbleiben müssen. "Wir haben bereits Spendenzusagen in einem Umfang von 8 500 Euro", sagte Stefan Ringwelski. Man sei nur deshalb noch nicht losgegangen, um Spenden einzusammeln, weil man sonst alles wieder zurückgeben müsste, wenn es doch nicht klappt mit dem Projekt.

Was die laufenden Kosten angehe, sagte Bernd Räcke sehr deutlich, dass die jährliche Summe für das Bergzower Dorfgemeinschaftshaus eine Kleinigkeit sei im Vergleich zu anderen Kosten, die im Gemeindehaushalt anfallen. Dem stimmten auch andere Bürger zu. Erinnert wurde unter anderem an die enormen Kosten für die Fähre, die auch eine sogenannte freiwillige Aufgabe sei.

Das Bergzower Dorfgemeinschaftshaus werde unbedingt gebraucht: Nur hier können größere Veranstaltungen stattfinden, die die Vereine oder der Kindergarten organisieren - vom Karneval bis zu den Weihnachtsfeiern. Hier werde Sport getrieben, hier finden Versammlungen statt. Der Raum der Feuerwehr sei mit seiner Treppe keine Alternative: Die Treppe sei für viele Bürger ein großes Hindernis. Rechts klein ist er außerdem. Und viel zu klein für größere Veranstaltungen ist auch die Gaststätte "Sportlerheim".

Der Variante der Dachsanierung im Zusammenhang mit einer Photovoltaikanlage stimmte der Ortschaftsrat mit großer Mehrheit zu. Nur Hans-Joachim Bauer enthielt sich der Stimme.