"Mal ernst - mal heiter" stimmen die 40 Arbeiten der Malerin Walburg Spitzenberg ein, die gegenwärtig im Rahmen einer Sonderaustellung im Kreismuseum Jerichower Land zu sehen sind. Die Ausstellung würdigt das Lebenswerk der Künstlerin, die im November ihr 70. Lebensjahr vollenden wird.

Genthin l "Nicht das Sie denken, da oben sind Karikaturen zu sehen", stimmte eine heitere Walburg Spitzenberg in Anspielung auf den Titel der Ausstellung die Gäste bei der Vernissage ein.

"Mal ernst - mal heiter" ist vielmehr die thematische Klammer, die die 40 Arbeiten, fast alle sind in jüngerer Zeit entstanden, umfasst. Vielseitig im Sujet und in der Technik, arbeitet Walburg Spitzenberg stilistisch sauber ihr handwerkliches Können als Malerin heraus. Die langjährige Kursleiterin ist da ganz streng mit sich selbst.

Hinter den Arbeiten, die in der Ausstellung zu betrachten sind, steckt eine sensible Handschrift, eine, die hinter viele Dinge des Lebens immer noch ein Fragezeichen setzen kann.

Der Eifer und die Leidenschaft, mit dem Spitzenberg die Malerei betreibt, ist auch zehn Jahre nachdem sie in den Ruhestand getreten ist, ungebrochen. Was die inzwischen fast 70-Jährige der Welt mitzuteilen hat, kleidet sie in die Botschaften ihrer Bilder. Manchmal eigenwillig, manchmal rebellisch, manchmal nachdenklich und manchmal tut das Betrachten ihrer Bilder, wie Laudatorin Regina Sauermilch bei der Vernissage sagte, einfach nur gut.

All dies macht das individuelle Schaffen der Genthinerin aus, die nur auf Landschaftsmotive festzulegen, zu einseitig wäre.

Anrührend wirkt eine kleine Bleistiftzeichnung im ersten Ausstellungsraum, "Schulfreund" ist ihr Titel. Der Junge, bekleidet nur in Lumpen und zerfledderten Sachen, sei ihr bis heute in Erinnerung geblieben, obwohl sie nur ein Jahr, 1954, gemeinsam die Klasse besuchten. Urig sind dagegen ihre Bleistiftzeichnungen von Eichen, bestehend aus vielen bestechenden Details. Dem Betrachter fällt bei "Eiche I" ins Auge, dass Spitzenberg ganze Linienführungen zu Augen gebündelt hat. Warum? "Die Natur hat ein Auge auf uns, sie muss überleben, nur von Geld kann die Menschheit nicht leben", interpretiert Spitzenberg diese Arbeit.

"Judas", eine großformatige Arbeit in Öl auf Leinwand, wird durch Spitzenberg als ein verbissener Verräter dargestellt, der keine Freunde an seiner Tat hat, dem sein Lohn unbemerkt aus seinem Geldsack entrinnt.

Der Frage von Gewalt und Krieg geht die Malerin in "Madonna 21", Öl auf Pastell, nach. "Lohnt es sich, Kinder zu Opfern zu machen, für was und für wen?, stellt die Malerin vor dem Bild stehend, das eine Mutter mit einem Kind haltend abbildet, in den Raum.

Dem zweiten Raum der Sonderausstellung sind ausschließlich Natur- und Landschaftsmotive vorbehalten. "Sie entsprechen dem heiteren Teil im Titel meiner Ausstellung", sagt die Malerin.

Die Inspiration für diese Arbeiten holte sich Walburg Spitzenberg größtenteils bei ihren vielen Radtouren und Wanderungen mit den Wanderfreunden des SV Chemie, die sich übrigens auch auf einem Werk künstlerisch wiedergegeben sehen.

Spitzenbergs Natur- und Landschaftsarbeiten strahlen Wärme und Sympathie aus. "Die vier Jahreszeiten" (Öl auf Leinwand), "See bei Kade", "Nur Grün" (Öl auf Leinwand), Motive aus dem Fiener, zumeist Aquarelle, reduzieren sich nicht nur auf bloße Abbildungen. Spitzenberg spielt mit Licht und Farbe und bringt so Stimmungen zum Schwingen. Die Komposition ihrer Werke ist bis ins kleinste durchdacht, einen Fehlgriff findet man in der Ausstellung nicht. Auf einem hohen Niveau findet hier Kunst statt.

"Mal ernst - mal heiter" ist anregend, professionell und unterhaltend zugleich, kurz: ein Besuch wert.

Die Ausstellung ist zu den üblichen Öffnungszeiten des Museums bis zum 30. November zu sehen.