Diskriminierung, Missbrauch und Ungerechtigkeit - die Nationaldirektorin der Katholischen Frauenorganisation in Pakistan, Genevieve Ram Lal, erzählt bei einem Besuch in Burg über das Leben als Frau in ihrem Land.

Burg l "Ich wollte selbst nie Nonne werden", beginnt Genevieve Ram Lal ihre Erzählungen. Eines Tages, so berichtet die Schwester, sie war etwa 14 oder 15 Jahre alt, sah sie am Straßenrand eine arme Frau, die bettelte und ein wenig scherzhaft fragte sie diese: "Na, wie ist das Leben so?" Die Frau sah sie an und sagte: "Komm und sieh selbst." Sie gingen gemeinsam zu einer kleinen Hütte und in diesem Haus war ein Bett in dem ihr kranker, im Sterben liegender Mann lag. Auf dem schmutzigen Boden spielten drei Kinder. "Als ich das gesehen habe, hat sich in mir etwas verändert. Ich habe mich geändert. Und das war der Moment, in dem ich mich zur Nonne berufen fühlte. Ich möchte mich für die Minderheiten einsetzen, ich möchte hier in meinem Land etwas verändern", erzählt Schwester Genevieve.

"Mädchen und Frauen wird Bildung in unserem Land vorenthalten, besonders in den weniger entwickelten ländlichen Regionen. Sie sind Bürger zweiter Klasse", beschreibt die Ordensschwester die Situation der Frauen in ihrem Land. "Armut treibt sie in schlecht bezahlte Haushaltsjobs bei den Reichen. Dort erleben sie Diskriminierung, falsche Anklagen und oft werden sie sexuell missbraucht. Das Geld, das sie verdienen, müssen sie dann auch noch an die männlichen Familienmitglieder abführen. Die Jungen gehen zur Schule, Mädchen müssen zu Hause bleiben und arbeiten", empört sie sich.

Durch Bildung könne eine Veränderung, eine Verbesserung in der Gesellschaft funktionieren. "Wir setzen uns für Frauen in Pakistan mit Bildung, Aufklärung und Ermutigung ein. Wir glauben, wenn wir eine Frau bilden, dann bilden wir mit der einen Frau eine ganze Familie. Denn Frauen sind es, die ihre Erfahrung und Sozialisation an ihre Kinder weitergeben."

Die 58-jährige Ordensfrau der "Sisters of Charity of Jesus and Mary" ist seit 2012 die Nationaldirektorin der Katholischen Frauenorganisation in Pakistan mit sieben Regionalbüros und ist Leiterin einer Schule.

Christen aus Pakistan sind im Monat der Weltmission 2014 des internationalen katholischen Hilfswerkes "missio" zur Zeit in Deutschland zu Gast. Zum Weltemissionsmonat lädt missio traditionell Partner aus der Weltkirche nach Deutschland zu einer Großkollekte ein, um die Arbeiten vor Ort zu unterstützen. Gemeinsam wird die Eucharistie (Danksagung) gefeiert und über die Situation der Kirche und das Leben der Menschen in den jeweiligen Ländern berichtet.

Die Ortsgruppe "Netzwerk Leben" in Burg hatte mit ihrer Leiterin Gabriele Pospieszny die Pakistanische Schwester Genevieve Ram Lal eingeladen. Maria Faber ist Referentin der "missio"-Diözesestelle im Bistum Magdeburg und stellte die Ordensschwester im katholischen Gemeindebegegnungszentrum in Burg vor. Anschließend wurde im Burg Theater der pakistanische Film "Good Morning Karachi" gezeigt und lebhaft diskutiert.