Die Kleingartenanlage "Am Mühlenfeld" ist in schwere Wasser geraten. Die Revisionskommission hat geschlossen zum 31. Dezember ihren Rücktritt erklärt. Grund ist ein schwer gestörtes Vertrauensverhältnis zum Vorstand, insbesondere zum Vorsitzenden der Kleingartenanlage. Gesucht wird ein Ausweg aus der Misere. Nur die Mitgliederversammlung kann ihn aufzeigen.

Genthin l Plötzlich hing sie im Schaukasten der Kleingartenanlage: die formulierte Rücktrittserklärung der Revisionskommission zum 31. Dezember. Inzwischen ist das Papier wieder eilig entfernt worden. Die Entnahme kann eigentlich nur einer Person zugeordnet werden: Dem Vorsitzenden, so die Annahme der Revisionskommission. Eine symptomatische Reaktion.

Denn wie so vieles geben auch die Umstände des Rücktritts der Revisionskommission Raum für Vermutungen und Schuldzuweisungen.

In der gärtnerischen Idylle an der Brettiner Chaussee haben sich mittlerweile eine Menge von Ärgernissen angestaut, die einer dringenden Klärung bedürfen. Für Jörg Mai, er ist Mitglied der Revisionskommission, liegt im Verhältnis zum Vorstand und insbesondere zum Vorstandsvorsitzenden Jürgen Köhler der Schlüssel aller Missstimmungen, die in der Anlage herrschen. "Wir haben stets versucht, unsere Arbeit im Interesse der Kleingärtner zu machen, doch wir sind vom Vorstand massiv daran gehindert worden. In unserer Abwesenheit wurden wir vom Vorstand als Dummköpfe und Trinker beschimpft", sagt Mai im Namen der gesamten Revisionskommission.

Aufforderung zum Rücktritt

Viel Ärger hat sich bei der Revisionskommission gestaut: Frust bei der Energieabrechnung, die nicht eingesehen werden kann, Unstimmigkeiten bei der Wahl des Vorstandes. Unrechtmäßige Kündigungen von Pflegegärten. Für das angeblich selbstherrliche Verhalten des Spartenvorsitzenden listen die Mitglieder der Revisionskommission viele Beispiele auf und fordern deshalb seinen Rücktritt.

"Es ist Zeit zu handeln, bevor die Kleingartenanlage noch weiter in Verruf gerät", sind sich deshalb die Mitglieder der Revisionskommission einig. Sie seien der Streitereien in der Kleingartenanlage überdrüssig.

Ob sie in diesem Engagement die notwendige Unterstützung der anderen Kleingärtner bekommen, ist allerdings fraglich. Bei den Mitgliederversammlungen der vergangenen Jahre hätte es keine Mehrheit für die kritischen Stimmen in der Anlage gegeben. Viele Kleingärtner hätten kein Interesse an einer Auseinandersetzung. Jörg Mai und die anderen Mitglieder der Revisionskommission können nur vermuten, dass etliche Mitglieder der Sparte der Mitgliederversammlung ferngeblieben sind, weil sie vom Vorstand für ein mögliches Nichtkommen mit dem Erlass von zwei Stunden zusätzlicher gemeinnütziger Arbeit gelockt wurden.

Für den Spartenvorsitzenden und Kassierer Jürgen Köhler sind diese Vorwürfe "fast alles Lügen". Es gehe eigentlich nur um eine Person, die macht, was sie wolle. Um sie gruppieren sich vier, fünf weitere Personen, die sich nicht ordentlich benehmen, sagt Jürgen Köhler ohne Namen nennen zu wollen. An diese Gruppe sei für den Vorstand kein rankommen. Wahid Kulijew, Stellvertreter des Vorsitzenden, stellt kurz und bündig fest: "Die ganze Diskussion ist doch scheinheilig." Ausführlicher will er sich dazu nicht äußern.

So zerstritten die Stimmen auch sind, jede setzt für sich darauf, dass die nächste Mitgliederversammlung als höchstes Gremium des Vereins Klarheit bringt.

Knallharte Beweise müssen her

Mit großer Besorgnis beobachtet derweil Peter Riebseel, Präsident des Landesverbandes der Gartenfreunde Sachsen-Anhalt, die Vorgänge in Genthin. Er sei in großer Sorge, dass die heftigen Meinungsverschiedenheiten in der Anlage alle Kleingärten automatisch in ein negatives Licht rücken würden, sagte er im Gespräch mit der Volksstimme.

Nur eine Mitgliederversammlung besitze in dieser Situation die Kompetenz, reinen Tisch zu machen. Aber für alle Vorwürfe gegenüber dem Vorstand, so die Botschaft Riebseels, müssen "knallharte Beweise her". Mit einer ausreichenden Stimmenzahl könne dann der Vorstand abgewählt werden.

In der Angelegenheit werde mit Sicherheit auch Reimar Porrini als Vorsitzender des Stadtverbandes Genthin beratend eingreifen, ist sich Riebseel sicher.

Reimar Porrini war gestern verhindert, um sich zu den Vorgängen "Am Mühlenfeld" zu äußern. Bereits vor einigen Tagen bestätigte er, über den Rücktritt der Revisionskommission informiert worden zu sein. Wolfhardt Meerkatz hatte sich seinerzeit als Pächter der Anlage in einem Brief an ihn gewandt. "Als Hilferuf, weil die Revisionskommission ihre wichtige Arbeit nicht mehr wahrnehmen könne", sagte er.

Es sei jetzt nur der Weg zu gehen, den das Gesetz über eine Mitgliederversammlung vorschreibe, kommentierte Porrini vor einigen Tagen das Schreiben gegenüber der Volksstimme. Komme die Mitgliederversammlung aus irgendwelchen Gründen nicht zustande, bestünde die Möglichkeit, dass zehn Vereinsmitglieder beim Amtsgericht in Stendal eine solche Mitgliederversammlung beantragen.

Die obligatorische Mitgliederversammlung des Vereins findet Anfang des Jahres statt.

In der Kleingartenanlage "Am Mühlenfeld" sind 80 Mitglieder zusammengeschlossen, 102 Gärten stehen hier zur Bewirtschaftung zur Verfügung.