Wer zwischen Genthin und Brandenburg unterwegs ist, muss wegen des B1-Ausbaus über Roßdorf fahren. Der Schleichweg an der Schwimmhalle ist seit Montag offiziell verboten. Was für Sicherheit der Kita-Kinder und Schwimmhallenbesucher sorgen soll, ist für die anliegenden Geschäfte eine "Katastrophe".

Genthin l Die Berliner Chaussee ist eine Großbaustelle. Der Verkehr wird über Roßdorf umgeleitet. Nicht jeder ist bereit, die rund zehn zusätzlichen Kilometer zu fahren. Schleichwege werden gesucht und gefunden. Einer führt "Am Birkenwäldchen" entlang über das Gelände der Schwimmhalle. Seit Montag ist dieser Weg offiziell verboten, ein entsprechendes Verkehrsschild mit dem Zusatz "Bis zur Schwimmhalle frei" wurde von Mitarbeitern der Stadt aufgestellt. Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch bestätigt: "Der Weg ist eng, eine Kita und ein Seniorenzentrum sind betroffen. Darum haben sich Stadt und Polizei zur Abwehr von Gefahren auf ein Durchfahrtsverbot verständigt." Erste Kontrollen fanden gestern statt. Weil das Verbot neu ist, wurden nur mündliche Verwarnungen ausgesprochen. "Ab heute werden aber 20 Euro fällig", sagt Polizeioberkommissar Kriebitzsch.

Für einen liberalen Umgang mit den "Schleichern" hatte Lutz Nitz (Grüne) noch am Montagabend im Bauausschuss plädiert. Er hätte den Verkehr dort beobachtet und berichtete von "freundlichen Genthinern, die sich gegenseitig durchwinken".

Bürgermeister Thomas Barz (parteilos) nahm die Hoffnung auf ein "Weggucken" der Verwaltung. Er verwies auf die Kita "Sonnenschein", die sich "Am Birkenwäldchen" befindet. Eltern hätten sich über die vielen Autos beschwert. Auf Volksstimme-Nachfrage kritisierte Barz die "Verharmlosung des Durchgangsverkehrs".

So friedlich wie von Nitz beschrieben würde es dort nicht zugehen. "An der Schwimmhalle mussten wir Zäune aufstellen, da selbst die Rasenfläche neben dem sowjetischen Ehrenfriedhof als Umfahrung genutzt wurde." Außerdem sei der erhebliche Verkehr an der Schwimmhalle eine Gefahr für kleine Besucher der Einrichtung. Was, wenn "Kinder - in dem Glauben dort fährt nichts - durch Autos überrascht werden"?

Ähnlich äußerte sich auch Horst Leiste (SPD). Er sagte im Bauausschuss: "Bei allem Verständnis für die Autofahrer, die freundlichen Kraftfahrer, die Herr Nitz dort gesehen hat, konnte ich nicht entdecken. Dort wird gerast. Das ist gefährlich."

Das Durchfahrtsverbot, das der Sicherheit von Kindern und Schwimmhallenbesuchern zugute kommen soll, ist für die anliegenden Geschäfte ein großes Problem. "Durch die Bauarbeiten haben wir deutlich weniger Kundschaft. Das Durchfahrtsverbot schneidet uns nun völlig von der Außenwelt ab", sagt Viktor Brasnys vom Möbelhaus "Volksgarten". Über die Straße "Am Birkenwäldchen" ist das Geschäft nicht mehr zugänglich. Kunden müssten über Roßdorf anreisen. "Eine Katastrophe", sagt ein Mitarbeiter, der aufgrund der ausbleibenden Kundschaft Angst um seinen Job hat.

Auch die Tankstelle an der Berliner Chaussee ist betroffen. Sonst 24 Stunden geöffnet, schließt sie mittlerweile nachts.

"Vollstes Verständnis" äußert Bürgermeister Thomas Barz für die Situation der Geschäftsleute und gibt zu: "Eine bessere Idee gab es leider nicht." Er sei aber jederzeit zu Gesprächen bereit und merkte an, dass man um ein schnelles Ende der Einschränkungen bemüht sei. "Am 25. November ist der Bauabschnitt voraussichtlich fertig, dann ist die Straße bis zum Frühjahr wieder auf."

   

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