Die Stadt bittet die Sportvereine zur Kasse. Konnten diese bisher die städtischen Hallen und Plätze kostenfrei nutzen, werden sie ab 2015 an den Betriebskosten beteiligt. 16 000 Euro will die Stadt dadurch einnehmen.

Genthin l Was in anderen Kommunen bereits üblich ist, wird nun auch in Genthin Realität. Die Sportvereine müssen sich an den Betriebskosten für die Hallen und Plätze beteiligen. Die 16 000 Euro, die so in die Stadtkasse fließen sollen, sind fest eingeplant. Der Stadtrat hat dem bereits zugestimmt. Nun geht es um Feinheiten. Auf einer Infoveranstaltung erklärte Bürgermeister Thomas Barz den Vereinsmitgliedern am Mittwochabend im Rathaus, was auf sie zukommt: Sie sollen die Kosten für Personal, Strom, Wasser, Reinigung und Versicherungen mittragen. Barz sagte, er sei überzeugt, dass die Zahlungen für alle Vereine machbar seien. "Sie werden nicht in die Knie gezwungen."

Welche Kosten die Mitglieder erwarten, präzisierte Peter Knobel von der Stadtverwaltung. Sein Team hat für jede städtische Sportstätte die Betriebskosten ermittelt und mit den Nutzungsstunden ins Verhältnis gesetzt. Heraus kommt ein Stundensatz, von dem die Vereine einen Teil zu tragen haben (siehe Infokasten). Kinder und Jugendliche trainieren weiterhin kostenfrei. Die Regel soll, sofern ihr der Stadtrat am 27. November zustimmt, bereits im Januar 2015 in Kraft treten. Die Abrechnung erfolgt alle sechs Monate.

Barz setzt bei den Preisen auf ein Malus-System. Das heißt, die Betriebskosten werden immer wieder neu berechnet, fallen weniger Kosten an, müssen die Vereine auch weniger zahlen. Peter Knobel sagte in Richtung der Vereine: "Wenn Sie selbst für die

Kosten aufkommen müssen, wird sich auch das Nutzerverhalten ändern." Wenn man nach dem Training das Licht ausmache, könnte man die Kosten schon senken. Außerdem sei zu hinterfragen, ob für das Training von fünf Leuten volle Beleuchtung und volle Heizung notwendig mache. Auch Thomas Barz sagte: "Ich gehe davon aus, dass sich das Verhalten massiv ändert und die Betriebskosten sinken." Bei den Vereinsmitgliedern, die auf der Infoveranstaltung anwesend waren, stieß Barz mit seinem Plänen durchaus auf Verständnis.

Volkerd Schulze vom Tucheimer Sportverein sagte: "In Zeiten klammer Kassen kann ich das nachvollziehen. Unser Verein wird das stemmen." Auch Wulf Thomas vom Genthiner Volleyballverein erklärte: "Wir fürchten uns davor nicht." Er kritisierte allerdings, dass es für die Halle an der Berliner Chaussee noch keine konkreten Zahlen gab. Einzig René Bierbrauer vom SV Fortuna Genthin äußerte Bedenken: "Da kommt im Jahr ganz schön was zusammen, für einige Vereine kann das richtig eng werden."

Thomas Barz erwiderte, dass er die Belastung nicht verniedlichen wolle, sie aber für "umsetzbar" halte. Um Verständnis werbend sagte er: "Ich bin selbst Sportler, ich würde gerne jeden kostenlos trainieren lassen. Aber ich kann es nicht. Wir brauchen jetzt Ihre Hilfe."

Der Bürgermeister sagte außerdem, dass er nicht bereit sei, nach 1,5 Jahren Amtszeit die "Dresche" dafür einzustecken, was in Genthin über Jahrzehnte versäumt wurde. Barz sprach von versäumten Investitionen sowie einem Sanierungsrückstand von 17 Millionen Euro.

Keine der Sportstätten sei in einem guten Zustand, was zu den relativ hohen Betriebskosten führe. Schandfleck in der Sportstätten-Landschaft ist die Halle der Genthiner Judosportler. Ines Ernst-Schiller vom Verein sprach von Gestank und Schimmel. Thomas Barz erwiderte, dass man hätte viel früher in diese Halle investieren müssen. Jetzt sei es zu spät und ihm seien die Hände gebunden. Er bot den Judosportlern an, in eine der anderen städtischen Hallen auszuweichen. Dort könnte es in Zukunft eng werden, denn wie lange die Sporthalle an der Grundschule Uhland noch geöffnet bleibt, scheint eine Frage der Zeit (siehe Beitrag unten).

   

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